Gummibärchen sind die beliebtesten Fruchtgummis weltweit.

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So kommt die Gelatine in die Gummibärchen
08/24/2016

So kommt die Gelatine in die Gummibärchen

Ein Video zeigt den Entstehungsprozess eines Fruchtgummis. Was man dabei zu sehen bekommt, löst bei vielen Unbehagen aus.

von Marlene Patsalidis

Fruchtgummis gibt es in allen Farben, Formen und Geschmacksrichtungen. Doch wie entstehen die allseits beliebten Süßigkeiten eigentlich? Ein Video des belgischen Fernsehsenders VRT gibt Aufschluss darüber - und zeigt dabei die nicht ganz so appetitliche Realität des Produktionsprozesses.

Am Anfang war das Schwein

In dem Video der Regisseurin Alina Kneepkens wird die Produktion der elastischen Gummibonbons rückwärts abgespielt. Vom menschlichen Mund geht es zurück in die Plastikverpackung, die wiederum auf dem Produktionsförderband im Abfüllwerk landet. Es folgen Bilder der Sortiertrommel, die Transformation von festem zu flüssigem Fruchtgummi, sowie der Anrührprozess des Gemischs aus Zucker, Glucosesirup, Wasser und dem Verdickungsmittel Gelatine.

Was bis zu diesem Punkt noch recht anschaulich und angenehm auf den Zuseher wirkt, wendet sich, als die Herstellung der Speisegelatine, die in Europa zu 70 Prozent aus Schweineschwarten hergestellt wird, beleuchtet wird. Dabei wird kein Detail ausgespart. So werden unter anderem das Zerteilen der Tierkadaver sowie das Abziehen der Schweinehaut gezeigt.

Am Ende des Clips steht die Filmaufnahme eines lebendigen Schweines. Was dazwischen liegt, offenbart sich dem Seher in rohen, realitätsgetreuen Bewegtbildern. Das Video ist zweifelsohne abstoßend, aber echt.

Was Gelatine wirklich ist

Bei Gelatine handelt es sich um ein Konglomerat aus geschmacksneutralen tierischen Proteinen. Speisegelatine ist damit ein eiweißhaltiges Trägermaterial, das als Grundstoff und Bindemittel für viele Produkte eingesetzt wird. Man findet den Grundstoff beispielsweise in Lebens- und Genussmitteln des täglichen Bedarfs z.B. in Milchmixgetränken, bei püriertem Obst und Gemüse, bei Kaltschalen, in der Mehlspeisenküche oder bei Sulz- oder Aspikspeisen im Fleisch- und/oder Fischbereich. Als Zusatz findet die Gelatine auch in vielen beliebten Fruchtgummi-Produkten Anwendung. Der Hauptbestandteil der Gelatine, das Kollagen, wird aus der Haut und den Knochen verschiedener Tierarten, vor allem Schweinen und Rindern, gewonnen. Für die Herstellung von Schweinegelatine für Gummibärchen werden ausschließlich Schweineschwarten verwendet. Bei Rindergelatine werden auch Knochen verarbeitet.

Fruchtgummi in Österreich

Gummibonbons erfreuen sich auch in Österreich seit jeher großer Beliebtheit. Einer Umfrage des Online Marktforschungs-Institut MindTake Research zufolge greifen 41 Prozent der Österreicher beim Naschen am liebsten zu Fruchtgummi. Beliebter sind hierzulande nur Schokolade, Kekse und Kaugummi. Der deutsche Süßwaren-Riese Haribo ist in Europa zweifelsohne der Big Player der Branche. In Österreich hält das 1920 gegründete Familienunternehmen bei Fruchtgummi einen Marktanteil von über 55 Prozent. Allein im Linzer Werk in Oberösterreich werden jährlich 16.000 Tonnen Süßwaren hergestellt. Weltweit sollen es laut Konzerninformationen 100 Millionen Tonnen sein.

Die vegetarische Alternative

Wer einen vegetarischen oder veganen Lebensstil pflegt und mit gutem Gewissen naschen will, der kann zu Produkten ohne Tiergelatine greifen. So bieten beispielsweise große Hersteller wie Katjes, Trolli, Bärenland und auch Haribo mittlerweile Produkte ohne Gelatine an. Kleinere Marken wie Biona, Rösner, Sonnentor, Vegavita oder Veganz produzieren sogar vegane Alternativen, die gänzlich ohne tierische Zusatzstoffe auskommen.

Tendenz steigend

Überraschend ist der Trend zum vegetarischen Fruchtgummi übrigens nicht. Immerhin leben hierzulande aktuell rund neun Prozent (10 Prozent der Frauen und 8 Prozent der Männer) der Bevölkerung vegetarisch oder vegan. Bei den unter 40-Jährigen liegt der Prozentanteil der Menschen mit einer fleischlosen Ernährung sogar bei 17 Prozent. Das geht aus einer repräsentativen IFES-Studie aus dem Jahr 2013 hervor. 2005 hatten sich bei einer IFES-Befragung lediglich drei Prozent der Bevölkerung zu einer fleischlosen Ernährungsweise bekannt.