Wellness 03.03.2018

RunNa: Medaillen, Rosen und ganz viel Stolz

2017 waren 35.140 Frauen und Mädchen am Start © Bild: Agentur DIENER/DIENER / Philipp Schalber

Über den Österreichischen Frauenlauf im Wiener Prater und damit den Lauf, der mich überhaupt zum Laufen brachte.

Irgendwie hatte er schon immer etwas Magisches. Etwas, das mich angezogen hat, noch bevor ich die Laufschuhe regelmäßig angezogen habe. Damals an diesem 12.6.2005 feierte ich Premiere. Es war, soweit ich mich erinnern kann, mein erster Wettkampf. Wobei Wettkampf in diesem Zusammenhang wohl das falsche Wort ist. Obwohl, es war wahrscheinlich doch ein bisschen ein Kampf. Denn ich weiß nicht, wie oft ich zuvor laufen war. Mehr mäßig, als regelmäßig. Wer braucht schon Training. Es sind schließlich nur fünf Kilometer. Somit wurde es am Ende dann doch noch ein Kampf, um mit hochrotem Kopf und völlig fertig nach 33:33 endlich die Ziellinie zu überqueren. Zwar eine Schnapszahl, aber mit Sicherheit keine Schnapsidee.

Die fünf Kilometer haben sich zwar damals angefühlt haben wie ein Ultra - lang. Ewig laaang. Aber: Ich war glücklich. Sehr glücklich als ich die Medaille und die Rose im Ziel überreicht bekommen habe. Die Zeit war mir damals schnurzegal. Ich hatte weder eine Uhr, auf der ich die Pace ständig kontrollierte, um nur ja nicht am Anfang zu überpacen und gegen Ende nicht nachzulassen. Was dann im Endeffekt in aller Euphorie genauso eingetreten ist. Aber egal. Ich hatte keinerlei Erfahrung im Laufen. Von Wettkampfgedanken keine Spur. Der Spaß, das Dabeisein standen im Vordergrund. Damals, an diesem 12.6.2005. Als eine von 8518 Teilnehmerinnen.

Mein erster 10er

Das Erlebnis hat mich damals so geflasht, dass ich im darauffolgenden Jahr wieder dabei war. Dieses Mal auf der Langdistanz, den zehn Kilometern. Damals hatte ich wohl im Vorhinein mehr trainiert. Ich kann mich nicht mehr erinnern. Das Kämpfen blieb mit Sicherheit dennoch nicht aus. Nach 57 Minuten und elf Sekunden habe ich als Tomate die Ziellinie überquert. Medaille. Rose. Und: Freude. Und vielleicht das Prägendste: Stolz. Ja, das war ich: stolz. Eigenlob stinkt eigentlich, aber ich platzte vor Stolz, meinen ersten 10er unter 60 Minuten gelaufen zu sein.

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RunNa © Bild: /Natascha Marakovits

Was sich anhand dieser Zeiten schon damals abzeichnete: Ich bin wohl das Ausdauerviech und nicht die schnelle Gazelle. Der Grinser damals dürfte jedenfalls so fett gewesen sein, wie der nach meinem ersten Marathon in Berlin 2015. In einem Wort: überwältigt. Lange Rede, kurzer Sinn: Die Rede ist vom Österreichischen Frauenlauf im Wiener Prater.

Zum 9. Mal dabei

Vor etwa zwei Wochen flatterte wieder das alljährliche Einladungsschreiben ins Haus – für den 27. Mai. Entgegen der vergangenen Jahre muss ich mich dieses Mal nicht sputen, um einen der begehrten 35.000 Startplätze zu ergattern. Ich kann mich entspannt zurücklehnen, denn ich bin bereits seit Wochen angemeldet. Mit Sarah und Vicky werde ich gemeinsam im Rahmen der 10k Challenge an den Start gehen. Wie es dazu gekommen ist, gibt es bereits hier nachzulesen. Es wird also wieder der 10er werden. Zielzeit: Vollgas auf PB. Alles was geht. Das ist die Challenge. Die Challenge mit mir selbst. Auch wenn Tausende andere Frauen um mich herumlaufen.

Pressekonferenz Frauenlauf 2018
28.02.2017 Pressekonferenz Frauenlauf 2018, Do&Co, Wien, Stephansplatz, Copyright DIENER / Eva Manhart © Bild: DIENER / Eva Manhart

Aber wieder zurück zum Einladungsschreiben, das alle Ex-Teilnehmerinnen automatisch zugeschickt bekommen. Darauf ist nämlich eine interessante Statistik zu sehen: Wann und mit welcher Zeit frau am Start war. Dass es mittlerweile acht Teilnahmen waren, hätte ich mir nicht gedacht. Wie bereits anfangs erwähnt, hatte ich nie dafür trainiert. Je nach Lust und Laune bin ich davor einmal mehr, einmal weniger gelaufen. Die Zielzeiten gleichen daher auch mehr einer Achterbahnfahrt, als einem kontinuierlichen Aufwärtstrend. Nach meinem (für mich) supertollen Premierenzehner ging es nämlich wieder abwärts. Ein Jahr später, am 3.6.2007 lief ich nach 1:03:16 über die Ziellinie. Da hatte es mit demTraining" im Vorfeld wohl nicht so geklappt. Und für die darauffolgenden Jahre war es das dann - meine Laufschuhe wurden in die Ecke verbannt. Erst 2013 war ich wieder am Start. Seither jedes Jahr.

Freude im Tun

Trotz Auf und Ab hatte der Frauenlauf dennoch etwas Magisches. Davor und beim Bewerb. Danach war zwar wieder Pause angesagt, dennoch war es der Frauenlauf schließlich, der mich dauerhaft zum Laufen gebracht hat. Denn irgendwann - konkret 2014 - reichte es mir nicht mehr, nur sporadisch - als Schönwetterläuferin - durch die Gegend zu joggen. Ich fand Gefallen am Laufen und mit der Freude im Tun steckte ich mir erste konkrete Ziele. Der Funke war übergesprungen.

Und heute? Heute möchte ich es nicht mehr missen. Mein Leben hat sich in dieser Hinsicht komplett gedreht. Dem Frauenlauf habe ich es also im Endeffekt zu verdanken, dass ich meine Leidenschaft entdeckt habe. Anstatt einem Lauf hie und da, ist das (beinahe) tägliche Lauftraining aus meinem Leben heute nicht mehr wegzudenken. Ich liebe es, ich brauche es. „Für mich ist ein Tag ohne Training, wie ein Tag ohne Essen“, hat Haile Gebrselassie gesagt. Dem ist nichts hinzuzufügen ;-)

Mutter des Frauenlaufs

Doch nun genug von mir. An dieser Stelle möchte ich die Frau zu Wort kommen lassen, der ich quasi das Entdecken meiner Leidenschaft zu verdanken habe: Ilse Dippmann. Ohne sie würde es den Frauenlauf nicht geben und ohne sie hätte ich vielleicht nie an einem „Wettkampf“ teilgenommen. Ich hätte mich ganz schlicht und einfach nicht getraut. Ich kann es nicht erklären, aber der Frauenlauf hatte damals wie heute etwas Magisches. Ob es daran liegt, dass keine Männer am Start sind? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Egal.

Frauenlauf…
Frauenlauf © Bild: Dominik Kiss

Ilse Dippmann(Bild Mitte)ist sozusagen die Mutter des Österreichischen Frauenlaufs und selbst leidenschaftliche Läuferin. „Ich selbst laufe seit mehr als 30 Jahren, rund drei bis vier Mal wöchentlich. Laufen ist ein ganz zentraler Bestandteil meines Lebens und gibt mir immer mehr zurück als ich an Zeit und Energie investiere. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, nicht zu laufen.“ Damit spricht sie mir aus der Seele. Bis auf den ersten Satz könnte das Zitat auch von mir sein. Leidenschaft. Mehr braucht es nicht. Alles andere läuft von selbst.

440 im ersten Jahr

Ihre Leidenschaft war es auch, die sie schließlich auf die Idee für den Frauenlauf gebracht hat: „Bei meinem ersten Marathon in New York City im Jahr 1986 habe ich einen Flyer des NY Mini 10k – dem ersten Frauenlauf weltweit – gesehen. Die Idee - ein Lauf nur für Frauen - hat mich von Anfang an begeistert. Mir ist damals auch aufgefallen, dass im Central Park in NY viel mehr Frauen liefen als in Österreich. Damals war man ja als trainierende Frau im Wiener Prater wirklich noch eine Minderheit. Mit dem Ziel mehr Frauen und Mädchen für das Laufen zu begeistern, habe ich dann im Jahr 1988 den ersten Österreichischen Frauenlauf organisiert. Damals mit 440 Starterinnen. Heute nehmen schon allein an den wöchentlichen Frauenlauftreffs, von denen es mittlerweile 45 in ganz Österreich gibt, mehr teil.“

Kathrine Switzer…
Kathrine Switzer © Bild: Agentur Diener

Aus 440 bei der Premiere im Jahr 1988 wurden 35.140 beim 30-Jahr-Jubiläum im vergangenen Jahr. Auch Marathon-Woman Kathrine Switzer war dabei. Für die Organisatorin ein überwältigendes Gefühl. „Ich hätte mir nie gedacht, dass die Frauenlauf-Community einmal so enorm groß wird. Es ist uns gelungen, jedes Jahr Frauen und Mädchen unterschiedlichsten Alters und sportlichen Leistungsniveaus im Starterinnenfeld zu vereinen. Sie alle verbindet die Freude an der Bewegung. Es geht vor allem auch darum, sich in seinem Körper wohl zu fühlen - unabhängig von Statur, Gewicht usw. Laufen ist meines Erachtens der beste Weg dahin.“

Emotionale Rituale

Und wie viel Arbeit steckt dahinter? Die Planung für das folgende Jahr beginnt eigentlich bereits am Lauftag. Mit meinem Team haben wir jedes Jahr ein besonderes Ritual: Wir gehen am Tag des Frauenlaufs am Abend immer noch gemeinsam Essen und lassen das Wochenende Revue passieren. Überwältigt von den Eindrücken und dem ersten Feedback unserer Teilnehmerinnen sprudeln da bereits die neuen Ideen für das nächste Jahr.“

RunNa…
RunNa © Bild: Natascha Marakovits

Eine Sache erledigt Dippmann dann doch jedes Jahr alleine: „Am Samstag vorm Frauenlauf habe ich mein eigenes Ritual: Gegen neun Uhr abends fahre ich nochmal in die Hauptallee zum Start und gehe vom ersten bis zum letzten Startblock nach hinten. Da ist dann alles ganz ruhig. Das genieße ich total. In diesem ruhigen Moment stelle ich mir dann die Tausenden Frauen vor, die morgen hier stehen werden. Vom Startblock A bis Y. Das sind über 600 Meter. Da kommen mir dann schon die Tränen. Vor Freude.“

Danke

Das sind die „Momente, die zählen“, könnte man sagen. So lautet nämlich das Motto heuer. Momente, die man nicht vergisst. Die sich einprägen. So wie mein erster Frauenlauf am 12.6.2005. Es war nicht Liebe auf den ersten Schritt, aber ohne diese magischen Momente Jahr für Jahr beim Frauenlauf, hätte ich die Liebe zum Laufen nicht entdeckt. Die Liebe zu dem Sport, der mir heute so viel gibt und den ich nicht mehr missen möchte. Danke, Ilse!

Frauenlauf 2017…
Frauenlauf 2017 © Bild: Natascha Marakovits

Wer diese Magie auch erleben will, kann sich ab heute für den 31. ASICS Österreichischen Frauenlauf am 27. Mai anmelden. Alle Infos zum Frauenlauf sowie zu den 45 Frauenlauftreffs:www.oesterreichischer-frauenlauf.at

Autorin Natascha Marakovits finden Sie auch auf Instagram.

( kurier.at ) Erstellt am 03.03.2018