Wellness 06.12.2016

Clean Eating vegan: "Vegansein allein reicht nicht"

Clean Eating liegt im Trend. © Bild: Getty Images/iStockphoto/mediaphotos/iStockphoto

Clean Eating? Und dann auch noch vegan? Autor Patrick Bolk beschreibt in seinem neuen Buch, warum diese Ernährungsform für ihn die beste Wahl ist.

Clean Eating, das heißt auf naturbelassene, vollwertige Lebensmittel zu setzen und industriell verarbeitete Produkte zu meiden. Wer sich vegan ernährt, verzichtet gänzlich auf tierische Produkte. Patrick Bolk, deutscher Blogger und Buchautor, bringt beide Konzepte unter einen Hut.

In seinem Buch "Clean Eating vegan" erklärt er, wie man seine Ernährungsgewohnheiten neu justieren und so ein anderes Körpergefühl genießen kann. Dabei setzt der auf Mallorca lebende Deutsche neben Hintergrundwissen auf praktische Tipps und 50 Rezepte. Sie alle entsprechen dem Clean-Eating-Konzept, sind pflanzlich und basieren auf naturbelassenen Zutaten.

Im Interview mit kurier.at verrät Bolk, wie er vom Fast-Food-Liebhaber zum veganen Clean Eater wurde – und warum es nicht reicht "einfach nur vegan zu sein".

kurier.at: In Ihrem Buch beschreiben Sie, dass Sie sich bis zum 30. Lebensjahr gar nicht mit Ihrer Ernährung beschäftigt haben. Warum haben Sie begonnen sich derart intensiv damit auseinander zu setzen?

Patrick Bolk: Es war, wie das so oft ist, ein Mensch, der mich auf die Veränderung gebracht hat. Genauer gesagt war es meine damalige Lebensgefährtin. Sie hat sich sehr bewusst ernährt und großen Wert auf Bio-Qualität und Ausgewogenheit gelegt. Ich habe ihre Ernährung anfangs nur belächelt, habe sie provokant als Öko-Tante bezeichnet und weiter meine Döner gegessen. Meine anfängliche Abwehrhaltung ist dann aber irgendwann eingebrochen, weil sie einfach so gut gekocht hat.

Also haben sie quasi gemerkt, dass gesundes Essen auch richtig gut schmecken kann?

Genau. Ich habe mich dann immer mehr mit dem Thema beschäftigt, Bücher gelesen und mir immer weniger Fast Food reingeschoben. Bevor ich mich mit dem Thema auseinandergesetzt habe, wusste ich es einfach nicht besser. Mit fehlte einfach komplett das Ernährungswissen.

Hat sich das auch körperlich bemerkbar gemacht, dass Sie so viel Fast Food gegessen haben?

Ja klar. Ich habe immer gewusst, dass mein Übergewicht mit meiner Ernährung zusammenhängt. Ich habe es aber einfach lange ignoriert.

Wie ging es dann weiter? Und wann wurden Sie zum Veganer?

Der ganze Prozess meiner Umstellung auf vollwertige Kost hat einige Jahre gedauert. Das war also kein plötzliches Erweckungserlebnis. Mit 30 habe ich angefangen mich gesünder zu ernähren, mit 38 kam der Verzicht auf Fleisch und tierische Produkte dazu.

Gab es dafür einen konkreten Anlass?

Nein, das kam einfach im Zuge meiner Recherchen irgendwann dazu. Bücher, Dokus und Freunde haben mir in dieser Hinsicht einfach die Augen geöffnet.

Was ist Ihnen bei gesunder Ernährung am wichtigsten?

Ich bin Veganer, das heißt ich esse keine tierischen Produkte. Was mir dennoch, oder gerade deswegen, wichtig ist, ist dass ich mich vollwertig ernähre, unverarbeitete Produkte und Lebensmittel in guter Qualität esse. Bio und vegan, das sind meine Basismotive, dazu kommt Abwechslung. Wenn man immer das Gleiche isst, egal ob Veganer oder Allesesser, bekommt man niemals alle Nährstoffe, die man braucht.

Für Veganer gibt es mittlerweile allerhand Ersatzprodukte, sprich verarbeitete Produkte, am Markt. Wie stehen Sie dazu?

Das ist problematisch, ganz klar. In veganem Käse ist oft nur Schrott drinnen und vegane Fertigprodukte sind fast genauso ungesund, wie die tierischen Varianten. Vegane Salami wird zwar immer gesünder sein als nicht vegane, allein schon wegen der tierischen Fette, die schlecht für den Cholesterinspiegel sind, aber man ernährt sich nicht automatisch gesund, nur weil man vegan isst.

Vegan zu sein reicht also nicht?

Nein. Das ist ja der große Streitpunkt, der die ganzen Diättrends entzweit. Jeder will die Gesundheit für sich beanspruchen, egal ob Veganer, Paleo-Diätler oder Low-Carb. Aber es ist doch so: Wenn man sich ausgewogen ernährt und ab und zu Fleisch isst, hat das keine negativen Auswirkungen. Die Dosis macht wie immer das Gift. Und letztlich kommt es auch nicht auf den Stempel an, den man einer Ernährungsform aufdrückt, sondern auf die konkrete Gestaltung.

Ihr neues Buch heißt "Clean Eating vegan". Da bedienen Sie sich gleich zwei dieser Ernährungsstempel. Warum? Glauben Sie nicht, dass das die Leute eher abschreckt?

Es stimmt, viele schrecken Begriffe wie vegan oder Clean Eating erst einmal ab. Gerade bei Veganismus gibt es unendlich viele Vorbehalte. Ich weiß aus persönlicher Erfahrung, dass viele Veganer sehr dogmatisch und intolerant sind. Aber das ist nur ein Teil der Bewegung. Das Thema geht immer mehr in die Breite und es muss ja auch nicht "ganz oder gar nicht" heißen. Wenn man ein Kochbuch herausbringt, muss man aber schon mit dem einen oder anderen Schlagwort arbeiten, sonst kauft es ja keiner. Clean Eating ist aktuell ein Modewort, heißt aber nicht anderes als sich von Vollwertkost zu ernähren. Vollwertkost und Veganismus gehen für mich einfach großartig zusammen, weil sich die Konzepte gut ergänzen. Für mich persönlich ist Clean Eating eben erst dann clean, wenn kein Tier involviert ist.

Und wie nimmt man den Menschen die Ängste und Vorbehalte?

Das ist grundsätzlich schwierig. Klar muss erst einmal ein Problembewusstsein her. Das ist oft unangenehm für den Einzelnen. Aber dann gilt es zu versuchen, die Umstellung positiv zu begreifen. Anregen muss man manchmal durch Kritik, aber das muss dann in eine angenehme Handlungsanleitung münden. Das versuche ich in meinem Buch. Niemand sollte mit erhobenem Zeigefinger rumlaufen. Es ist viel besser die Leute dort abzuholen, wo sie sind. Gesunde Ernährung ist an sich keine Wissenschaft. Als Otto Normalverbraucher reicht es, wenn man eine Handvoll Grundregeln beachtet. Dann ist es auch keine Qual, sondern macht Spaß und motiviert, weil man schnell Effekte sieht. Zum Beispiel beim Gewicht.

Was sind die größten Irrtümer, die sich nach wie vor hartnäckig im Gedächtnis der Menschen halten und sie in weiterer Folge auch davon abbringen sich gesund zu ernähren und etwas zu ändern (Stichwort: Geld, Aufwand, etc.)?

Ich glaube tatsächlich dass die größte Hürde das fehlende Ernährungswissen ist. Menschen könnten oft nicht einmal beurteilen, ob ein Lebensmittel gesund ist oder nicht. Viele würden sich gesund ernähren, wenn sie wüssten, wie es funktioniert. Punkt zwei ist der Aufwand. Ja, es ist zeitintensiver selbst zu kochen. Das Problem ist nur, dass man am Imbiss oder im Restaurant in der Regel einfach nicht gesund essen kann. Die Zeit, den ich aufwenden muss, ist aber garantiert nicht so hoch, wie der durchschnittliche TV-Konsum eines Menschen, beispielsweise. Mit der Zeit wird man außerdem sicherer und schneller. Das dritte ist das Geld. Viele denken, dass es wahnsinnig teuer ist, sich gesund zu ernähren. Wenn man aber mal schaut, was man für eine gesunde Ernährung wirklich braucht, dann ist es Salat, grünes Gemüse, Hülsenfrüchte, die wahnsinnig günstig zu bekommen sind, und Getreide. Also alles Produkte, die nicht teuer sind. Was teuer ist, sind bei veganer Ernährung die Fleischimitate und Fertiggerichte. Wenn man aufs Geld achten will, dann ist das also kein Widerspruch. Es geht auch um Prioritäten. Man kauft so viel Unnötiges und spart dann bei der Ernährung. Da spart man aber am falschen Ende, weil man die eigene Gesundheit aufs Spiel setzt.

Ein Kapitel in Ihrem Buch widmen Sie dem gesunden Essen unterwegs. Für viele ist gerade das eine Herausforderung. Was sind Ihre drei besten Tipps dafür?

Ich bereite viel vor und nehme mir Essen mit. Das ist ein naheliegender Tipp. Ganz so leicht ist es natürlich nicht, weil das Angebot der Gastronomie nicht immer so vielfältig ist. Da muss man schon manchmal genau wissen, wo man unterwegs was essen kann. Es gibt aber auch inzwischen schon Apps, mit denen man sich informieren kann, wo beispielsweise veganes Essen angeboten wird. Im Zweifel kann man sich immer im Supermarkt in der Obst- und Gemüseabteilung bedienen oder Studentenfutter knabbern.

Bei Ihren Rezepten fallen nicht nur die exquisiten Rezeptnamen, sondern auch die teilweise langen Zutatenlisten mit Norialge, Hefeflocken und Fenchelsamen auf. Anfänger schreckt das bestimmt ab. Haben Sie das bewusst so gewählt, um die Vielfalt aufzuzeigen?

Es ist tatsächlich bewusst so gemacht. Clean Eating bedeutet nicht immer, dass man komplizierte Rezepte nachkochen muss. Es gibt eine Reihe von Gerichten die man immer variieren kann, das zeige ich auch in meinem Buch. Für Leute, die was ausprobieren wollen, habe ich dann kreativere Rezepte gemacht. Das kann man dann vielleicht auch mal bei Gästen zeigen, was man drauf hat. Ich wollte einfach was Ausgefallenes machen und die Bandbreite der Ernährung zeigen und die Möglichkeit geben, zu lernen. Das ist ja das Schöne und kann auch zum Weitermachen motivieren.

Was ist Ihr liebstes Rezept aus dem neuen Kochbuch – und warum?

Was ich am tollsten finde, ist die Kiwi Torte, die ist unfassbar gut und supergesund.

"Clean Eating vegan" ist am 5. Dezember erschienen. Alle Infos dazu finden Sie hier.

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© Bild: Isabelle Grubert

Halbrohe Kiwi-Torte

Zutaten

Für den Boden

100 g Haselnüsse, gemahlen

4 EL Kokosöl

3 EL Ahornsirup

1 Prise Meersalz

50 g VollkornDinkelmehl

100 g Haferflocken, feinblatt

Für die Füllung

130 g Cashewkerne

200 g Kiwi

175 ml Agavendicksaft oder Apfelsüsse

125 ml Kokosöl

½ Limette (Saft und Abrieb)

Dekoration: 1–2 Kiwis

Zubereitung

Für die Füllung Cashewkerne mit Wasser bedecken und min. 4 Stunden einweichen lassen. Ofen auf 180 °C vorheizen und eine Quiche- oder Springform (Durchmesser: 23 cm) mit Kokosöl einfetten. Für den Boden Haselnüsse, Öl, Ahornsirup, Salz und Mehl in einem Mixer oder einer Küchenmaschine zu einem klebrigen Teig verarbeiten. Haferflocken hinzugeben und weitermixen, bis diese klein gehackt, aber noch erkennbar sind. Der Teig sollte leicht klebrig sein. Ist er zu trocken, etwas Waser hinzumixen.

Den Teig gleichmäßig in die Form bröseln und mit den Händen gleichmäßig und fest zu einem zusammenhängenden Boden drücken. Am Rand hochziehen. Mit einer Gabel Löcher in den Teig stechen, damit Dampf entweichen kann. Den Boden 10–13 Minuten backen, bis er goldbraun ist. Aus dem Ofen holen, gut abkühlen lassen. Aus der Form lösen und auf einem Kuchengitter vollständig auskühlen lassen.

Kiwis schälen, pürieren und in ein feines Sieb geben, damit überschüssige Flüssigkeit abtropfen kann. Cashewkerne abgießen und gut abspülen.

Alle Zutaten für die Füllung in einem Mixer zu einer glatten Creme verarbeiten. Es sollten keine Stückchen mehr vorhanden sein – je nach Qualität des Gerätes kann der Vorgang einige Minuten in Anspruch nehmen. Zwischendurch immer wieder stoppen und die Creme von der Mixerwand nach unten streichen.

Füllung gleichmäßig auf dem Tortenboden verstreichen und die Oberfläche glatt ziehen und mit Klarsichtfolie abdecken. Auf einer geraden Fläche für mindestens 6 Stunden in den Tiefkühler geben.

Torte aus dem Tiefkühler nehmen und 15 Minuten antauen lassen. Kiwis schälen und in dünne Scheiben schneiden. Auf der Torte verteilen und diese in Stücke schneiden.

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© Bild: Oliver Brenneisen
( kurier.at , pama ) Erstellt am 06.12.2016