Guarana macht Grüntee Konkurrenz

Guarana fruit
Foto: Brasil2/iStockphoto Die Guarana-Samen werden oft als Nahrungsergänzungsmittel verwendet.

Grüntee gilt in puncto Antioxidantien als Wunderwaffe. Guarana schlägt dem anregenden Heißgetränk nun den Rang ab.


In China und weiten Teilen Japans schwört man bereits seit Jahrhunderten auf die gesundheitsfördernde Wirkung des Grüntees. Und auch hierzulande ist das Getränk, egal ob als heiße oder kalte Variante, allseits beliebt.

Gesunde Catechine im Grüntee

Verantwortlich für die gesunde Reputation des Grüntees sind die im Tee enthaltenen Catechine, die dem Tee auch seinen leicht bitteren Geschmack verleihen. Diese sekundären Pflanzenstoffe zeichnen sich unter anderem durch ein hohes antioxidatives Potenzial und eine stark entzündungshemmende Wirkung aus. "Catechine wirken als natürliche Antioxidantien, diese schützen den menschlichen Körper vor freien Radikalen, sprich aggressiven Sauerstoffmolekülen, die in Zusammenhang mit der Entstehung von Krebs- und Herz-/Kreislauferkrankungen stehen", so Nina Walter, Ernährungswissenschafterin in Wien.

Studien hätten der Expertin zufolge in der Vergangenheit belegt, dass Antioxidantien, und somit auch Grüntee, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle und Verengungen der Herzkranzgefäße verringern können. Auf die Zellalterung soll sich der Pflanzenstoff verlangsamend auswirken. Ob Grüntee auch gegen Krebs schützen kann, ist wissenschaftlich nicht vollständig geklärt. Bei Experimenten mit Mäusen konnte eine dementsprechende Wirkung festgestellt werden. Eine Übertragung dieser Erkenntnisse auf den Menschen sei jedoch nicht ohne weiteres möglich. "Die gesundheitsfördernden Wirkungen von Antioxidantien wurden bisher in zahlreichen Studien nachgewiesen, doch handelt es sich hierbei oft um Tierexperimente. In epidemiologischen Studien sind die Ergebnisse nicht immer einheitlich, deswegen können bis dato noch keine allgemeinen und eindeutigen Aussagen über alle Wirkungen und Effekte der Antioxidantien auf den menschlichen Körper gemacht werden", so Walter.

Laut einer aktuellen Studie der Universität von São Paulo steht die aus dem Amazonas stammende Pflanze Guarana dem Grüntee in den genannten Punkten in nichts nach. Im Gegenteil: Guarana besitzt den Forschern zufolge sogar ein vielfach höheres antioxidatives Potenzial.

10 Mal mehr Antioxidantien

Guarana ist den meisten in Form von Nahrungsergänzungsmitteln bekannt. Auch als Zusatz von Schokolade, Kräuter- und Früchtetees, Kaugummi und Energy-Drinks ist die herb schmeckende Pflanze weit verbreitet. Bisher waren die hochgradig koffeinhaltigen roten Früchte mit den bitteren Kernen vor allem aufgrund ihrer wachmachenden, stimulierenden, energiespendenden und leistungsfördernden Wirkung bekannt. Nun gesellt sich eine weitere positive Komponente in den Wirkungskreis des Guaranaextrakts.

So soll Guarana, wie auch Grüntee, reich an Catechinen sein. Zehn Mal höher soll der Gehalt im Vergleich zum Grüntee sein. Das konnte im Zuge der Untersuchung mit gesunden Testpersonen nachgewiesen werden. "Diese bahnbrechende Studie über die Aufnahme und die biologischen Effekte der in Guarana enthaltenen Catechine bei den Freiwilligen sollte bei Wissenschaftern, der Industrie und der Gesellschaft im Allgemeinen zu einem verstärkten Interesse an Guarana als funktionelles Lebensmittel führen", sagt Lina Yonekura, Studienleiterin und Professorin an der Universität von Kagawa in Japan, über das Forschungsprojekt.

Nina Walter ist Ernährungswissenschafterin in Wien. Weitere Infos finden Sie hier.

Wie gesund ist grüner Tee wirklich?:

Grüner Tee ist nicht nur als Heißgetränk beliebt, das aus Asien stammende Genußmittel soll auch die Gesundheit fördern. Immer wieder geistern Meldungen umher, grüner Tee schütze vor Krebs, Herzinfarkt und Schlaganfällen. Im Gegensatz zu Schwarzem Tee wird Grüntee nicht fermentiert. Aus diesem Grund bleiben mehr der im frischen Blatt vorhandenen Wirkstoffe erhalten. Matcha-Tee ist die zurzeit trendige Variante des Grüntees, bei der die Teeblätter fein zermahlen werden.
  Einer der Hauptbestandteile von Grüntee - neben Koffein - sind Catechine. Ihnen werden die meisten gesundheitsförderlichen Wirkungen zugeschrieben. Catechine verursachen auch den leicht bitteren Geschmack. Tatsächlich lieferten bisher veröffentlichte Studien Anhaltspunkte dafür, dass passionierte Grüntee-Trinker eventuell seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden. Möglicherweise senkt das Getränk das Schlaganfallrisiko, auch die Gefahr für eine Verengung der Herzkranzgefäße (koronare Herzkrankheit) könnte es mindern. Diese Ergebnisse sind allerdings nicht eindeutig belegt worden. Ob die Wissenschaft wirklich richtig liegt, muss noch in weiteren Studien erfroscht und bestätigt werden. Dass Grüntee vor Krebs schützt, ist jedoch fraglich. Zwar existieren viele Untersuchungen dazu, die meisten jedoch nur im Reagenzglas oder an Labormäusen. Der menschliche Körper ist jedoch weitaus komplexer als ein einfaches Reagenzglas-Experiment. Auch von Mäusen lässt sich nicht ohne weiteres auf die Wirkung beim Menschen schließen. Bisherige Studien am Menschen liefern kein klares Bild, ihre Beweiskraft ist äußerst bescheiden. Untersucht wurden etwa Krebsarten des Verdauungstraktes, der Prostata, der Lunge oder der Harnblase. Keine der Studien liefert jedoch einen Hinweis auf eine Antikrebswirkung. Doch vielleicht liefern auch hier zukünftige Studien noch neue, vertrauenswürdigere Ergebnisse. Bis dahin heißt es erst einmal: Abwarten und Tee trinken.
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(kurier) Erstellt am
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