Folsäure kann als Tablette eingenommen werden.

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Dieses Nahrungsergänzungsmittel bringt's
01/19/2017

Dieses Nahrungsergänzungsmittel bringt's

Der Nutzen von Nahrungsergänzungsmitteln ist umstritten. Folsäure bildet eine Ausnahme.

Im schlimmsten Fall vernachlässigt man seine Ernährung, im besten Fall richten sie keinen Schaden an: Nahrungsergänzungsmittel genießen bei Experten keinen guten Ruf. Ein Präparat darf von dieser Skepsis jedoch weitestgehend ausgenommen werden: Folsäure.

Auf die Relevanz von Folsäure weist nun erneut ein Experten-Gremium der "US Preventive Services Task Force" in einem Artikel im Fachblatt Jama hin. Mit dem Report bestätigt man die 2006 veröffentlichte Empfehlung, dass Frauen im gebärfähigen Alter täglich mit Folsäuretabletten ergänzen sollten. Mit einem entsprechenden Präparat sollte jeden Tag eine Menge von 0,4 bis 0,8 Milligramm zusätzlich zugeführt werden. Die Empfehlung deckt sich auch mit Studien aus anderen Ländern.

In dem Übersichtsartikel, der mehrere Studien zum Thema auswertet, wird vor allem auf Neuralrohrdefekte bei Neugeborenen eingegangen, die durch eine gute Versorgung mit Folsäure durch die werdende Mutter verhindert werden können. Ein Folsäure-Mangel in der Schwangerschaft kann auch zu einem Herzfehler, einem Harnwegsdefekt oder einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte beim Baby führen.

Fakt sei den Experten zufolge, dass viele Frauen den empfohlenen Richtwert durch Ernährung alleine nicht erreichen.

Wie wichtig ist Folsäure wirklich?

Fehlbildungen des Neuralrohrs, der ersten Stufe in der Entwicklung des menschlichen Nervensystems, sind Anomalien, bei denen es in der Embryonalentwicklung zu einem unvollständigen Verschluss des Neuralrohrs gekommen ist. Zwischen einem und fünf von tausend Babys sind davon betroffen.

Folsäure ist in diesem Kontext vor allem in der Frühschwangerschaft relevant. Die Einnahme eines entsprechenden Präparates muss jedoch bereits im Vorfeld der Schwangerschaft beziehungsweise innerhalb der ersten vier Schwangerschaftswochen beginnen, um effektiv zu sein. Somit ist die Schwangerschaft in dem entscheidenden Zeitraum oft noch gar nicht bekannt.

Dass Folsäure, auch Folat genannt, für den Menschen wichtig ist, bestätigt auch Julia Pabst von Wiener Ernährungsinstitut Resize. "Es gibt bestimmte Personengruppen, die in bestimmten Lebenssituationen durchaus von Nahrungsergänzungsmitteln profitieren können. Folsäure gehört hier definitiv dazu", erklärt Pabst. Die Empfehlung für Erwachsene liegt bei 300 Mikrogramm (0,3 Milligramm) pro Tag, für Frauen die schwanger werden möchten, schwanger sind oder stillen sogar 450 bis 550 Mikrogramm (0,45 bis 0,55 Milligramm) pro Tag. Diese Menge sei Pabst zufolge nicht einfach zu erreichen.

In Amerika werde aus dem Grund sogar ein Grundnahrungsmittel, nämlich Mehl, mit Folsäure angereichert. Weltweit reichern rund 80 Staaten Grundnahrungsmittel wie Getreide, Brot, Reis oder Nudeln mit Folsäure an. "Aber das macht nur dann wirklich Sinn, wenn quasi 100 Prozent der Bevölkerung unterversorgt sind und eine Überversorgung keinen gesundheitlichen Nachteil mit sich bringt", so die Ernährungswissenschafterin. Eine Überversorgung mit Folsäure könne aber einen B12-Mangel verdecken, daher sei das generelle Anreichern von Lebensmitteln kritisch zu sehen, "genauso wie eine Überdosierung mit Nahrungsergänzung."

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Wo ist Folsäure enthalten?

Doch in welchen Lebensmitteln ist Folsäure überhaupt enthalten? Das Vitamin aus dem B-Komplex steckt vor allem in grünem Gemüse, Blattsalat, Spinat, Lauch, Brokkoli, Kohlsprossen, Kraut und Kohl. Auch Hülsenfrüchte (besonders Linsen und Sojabohnen), Vollkornprodukte (vor allem Weizenkeimlinge, Haferflocken und Roggenvollkornmehl), Leber und Eigelb enthalten Folsäure. Da Folsäure zur Gruppe der B-Vitamine gehört ist dieses Vitamin empfindlich gegenüber Hitze und Sauerstoff. Lagerung und Zubereitung können daher den Gehalt von Lebensmitteln reduzieren, betont die Expertin.

Vor der Schwangerschaft auf Folsäure achten

Den Behauptungen der Metastudie, die den Einfluss von Folsäure auf die Entwicklung des Embryos belegt, stimmt Pabst zu. "Schwangere und Stillende brauchen deshalb 550 Mikrogramm Folsäure pro Tag. In dieser Zeit wissen viele Frauen noch nicht, dass sie tatsächlich schwanger sind, daher ist besser, schon in der Planungsphase aktiv auf die Folsäure-Versorgung zu achten."

Wer die typischen Folsäure-Lieferanten nicht regelmäßig am Speiseplan hat, sollte daher über eine Nahrungsergänzung nachdenken. Frauen die schwanger werden möchten wird von der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung (ÖGE) eine Supplementierung von 400 Mikrogramm pro Tag nahegelegt um auf die empfohlene Folsäuremenge zu kommen.

Julia Pabst ist Ernährungswissenschaftlerin bei Resize und im Ernährungsinstitut Pabst in Wien.

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