So sehen die Früchte des Brasilianischen Pefferbaums aus.

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Naturarznei gegen Superkeim gefunden
02/21/2017

Naturarznei gegen Superkeim gefunden

Ein Extrakt aus den Früchten des Brasilianischen Pefferbaums hemmt den Krankenhauskeim MRSA.

Forscher der Emory University im US-Bundesstaat Georgia haben im Rahmen eines Experiments mit Mäusen den Krankenhauskeim MRSA, kurz für Methicillin resistenter Staphylococcus aureus, erfolgreich mit einem Extrakt aus den Früchten des Brasilianischen Pfefferbaums bekämpft.

Rosa Pfeffer als Allheilmittel?

Der Brasilianische Pfefferbaum, auch Weihnachtsbeere genannt, gehört zur Familie der Sumachgewächse und ist in Mittel- und Südamerika heimisch. Die Früchte dieser brasilianischen Gewürzpflanze, die sich unter passenden klimatischen Bedingungen zur wuchernden Plage entwickeln kann, werden unter der Bezeichnung "Rosa Pfeffer" als Gewürz verkauft. Um echten Pfeffer handelt es sich dabei allerdings nicht. Die roten Körner werden meist lediglich unter schwarzen, weißen und grünen Pfeffer gemischt, um Produkte optisch ansprechender zu gestalten.

Die antibakterielle Wirkung macht man sich in Lateinamerika schon lange zunutze. Dort wurden die rosa Pfefferbeeren bereits vor Jahrhunderten von den Azteken, Maya und Inka als antibakterielles Antiseptikum bei der Wundheilung und zur Linderung von Rheuma, Regelbeschwerden, Erkältungen, Hypertonie, Depressionen, Tuberkulose, Magengeschwüren und Geschlechtskrankheiten verwendet. Bis heute finden die Beeren in der Naturheilkunde vielfach Anwendung.

Hautekzeme verhindert

Für das Experiment, welches im Fachblatt Nature veröffentlicht wurde, wurden die mit dem MRSA-Erreger infizierten Mäuse mit der Tinktur aus der brasilianischen Gewürzpflanze behandelt. Im Volksmund werden MRSA auch Krankenhausbakterien genannt, weil die Keime dort oft vorkommen. Sie sind eine Variante des Staphylococcus aureus Bakteriums. In der Regel sind sie symptomlos, bei Menschen mit schwachem Immunsystem kann MRSA jedoch Infektionen verursachen. Diese können sich unter anderem in Hautgeschwüren, Blutvergiftungen oder im schlimmsten Fall sogar Lungenentzündungen äußern. MRSA sind gegen die meisten gängigen Antibiotika resistent, was die Behandlung erschwert.

Das US-Forscherteam rund um Studienleiterin Cassandra Quave konnte mit der Tinktur verhindern, dass sich bei den Mäusen Hautwunden bilden. Zwar konnten die Keime nicht gänzlich abgetötet, ihre Wirkung jedoch eingeschränkt werden. "Das Mittel entwaffnet die MRSA-Keime und verhindert, dass sie Toxine freisetzen", erklärt Quave im Studienbericht. "Das Immunsystem des Körpers hat dann eine bessere Chance, die Wunde zu heilen."

Nun müssten klinische Testverfahren zeigen, ob derartige Präparate tatsächlich wirksam und verträglich seien. Erst dann könne eine Marktreinführung entsprechender Arzneien angedacht werden, wird betont. Einen neuen Ansatz im Kampf gegen die hartnäckigen Erreger zu finden sei mit dem Experiment aber geglückt: "Indem wir traditionelle Pflanzenextrakte untersuchen, könnten wir neue Gerüste für die Entwicklung von Medikamenten schaffen und neue Wege im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen aufzeigen", betont Quave.

Auch Manukahonig bekämpft Krankenhauskeim

An der wirksamen Bekämpfung des Krankenhauskeims wird bereits seit Jahren gearbeitet. Im vergangenen Jahr konnten Forscher der Southampton Universitä feststellen, dass sich Manukahonig aufgrund seiner Inhaltsstoffe auch zur Reinigung von medizinischen Geräten eignet.

Den Wissenschaftern zufolge reduzierte der Honig die Vermehrung von Bakterien auf den Oberflächen um bis zu 75 Prozent. Die Ergebnisse würden belegen, dass der Honig sich wie ein Biofilm über das Material lege und verhindere, dass Bakterien der Oberfläche anhaften (mehr dazu hier).

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