Wortspender: Brasiliens Altstars Romario (links) und Ronaldo.

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WM-Vorspiel
06/11/2014

Verbale Zweikämpfe und Sololäufe

Romario, Ronaldo & Co.: Die Altstars der Seleção liefern einander Tiefschläge, Literatur-Star Coelho schmollt.

von Bernhard Hanisch

Endlich ist es zu Ende, das Vorgeplänkel zur Weltmeisterschaft im eigenen Land. Einer WM, die der Seleção den ersehnten sechsten Titel bescheren soll, die Hexa, die längst allgegenwärtig ist. In den letzten Wochen haben sich die ehemaligen Stars, die es in Brasilien bekanntermaßen haufenweise gibt, sehr oft bemüßigt gefühlt, ihre Meinung ins Volk zu trommeln. Pelé natürlich, auch Ronaldo konnte sich nicht zurückhalten – und Romario, mittlerweile in der Position des keinen Zweikampf scheuenden Politikers, sowieso nicht.

Pelé, die bereits 73-jährige Legende, glaubt zu allem und jedem eine Meinung haben zu müssen. Nichts und niemand könne an seinem Denkmal kratzen, ist seine Überzeugung.

Dass er sich in den letzten Jahren Auftritte und Interviews – seien sie auch noch so leer – gut bezahlen ließ, liegt in seinem Selbstverständnis. Erst kürzlich kritisierte er Neymar für seine mangelnde Erfahrung und zu Recht für seine übertriebene Fallsucht in Zweikämpfen.

Schweigender Poet

Was allerdings sauer aufstößt, ist das Malen einer Weltmeisterschaft in den buntesten Farben. Das Verdrängen der wirklichen brasilianischen Probleme. Der Kragen ist Romario, einst als Mann der 1000 erzielten Tore gefeiert, schon lange geplatzt. Pelé? "Der ist ein Poet. Wenn er schweigt." Ganz zu schweigen davon, dass der älteste der Altstars der Seleção zwar ein dreifacher Weltmeister, aber leider auch ein Dummkopf sei.

Romario nimmt sich kein Blatt vor dem Mund, beschimpft im Bedarfsfall die FIFA als "Erpresser" und "Kriminelle" und hält auch den brasilianischen Verband für eine Ansammlung von "Räubern, Ratten und Banditen".

Dazu kommen die verbalen Fehlschüsse von Ronaldo: Noch 2002 wurde er als tatkräftiges Mitglied einer Weltmeistermannschaft gefeiert. Jetzt unterscheidet ihn manch abschätziger Kommentator sicherheitshalber vom portugiesischen Ronaldo mit den einleitenden Worten: "Ronaldo, und ich meine den fetten, ist ein ..."

Eigenartiges Solo

Tatsächlich hat sich der in den letzten Jahren ziemlich füllig gewordene WM-Torschützenkönig Ronaldo unter vielen kritischen Brasilianern keine Freunde gemacht. Mit eigenartigen Aussagen, sinngemäß: gut funktionierende Krankenhäuser seien weniger wichtig als die Weltmeisterschaft. Zudem mit Wortmeldungen, die gegensätzlicher nicht sein könnten.

Wahrlich gewichtig schienen plötzlich seine Worte: "Ich schäme mich, dass in Brasilien alles mit so viel Verspätung fertig wird." Um wenig später in Folha nahe São Paulo die Ansicht zu vertreten, die Polizei solle "mit der nötigen Härte vorgehen, falls es zu Demonstrationen kommen sollte".

Brasiliens literarischem Aushängeschild wurde das alles zu dumm. Obwohl er im Besitz von Eintrittskarten sei, hat Paulo Coelho angekündigt, kein WM-Spiel besuchen zu wollen.

Aus Protest.

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