Thema | WM2014
06.06.2014

Belgien, der allseits bekannte Geheimfavorit

Wie gut ist Belgien wirklich? Der Ex-Rapidler Axel Lawaree klärt auf.

Fußball verbindet. Eine oft bemühte Phrase. Im Fall des belgischen Teams stimmt sie aber wirklich: "Zum ersten Mal ist es kein Problem, wie viele Flamen und wie viele Wallonen im Team spielen. Es ist nicht einmal ein Thema", sagt Axel Lawaree.

Der 40-jährige Ex-Rapidler stürmte zu einer Zeit, als die beiden Volksgruppen nicht nur in der Politik, sondern auch im Nationalteam auf ihre Interessen pochten. Heute arbeitet Lawaree als Spielerberater und erlebt eine ihm unbekannte Euphorie: "Ganz Belgien redet von der WM. Brasilien ist für Menschen, für die Fußball früher kein Thema war, plötzlich das Wichtigste auf der Welt."

Der Verantwortliche dafür ist seit 2012 Marc Wilmots: "Er hat eine Hierarchie aufgebaut und dabei stark auf Disziplin geachtet. Die Vorgabe war: Es gibt keinen Egoismus mehr. Wer nicht mitzieht, fliegt raus." Dem früheren "Kampfschwein" von Schalke kam dabei die extrem gute Nachwuchsarbeit entgegen. "Dieses Team ist das talentierteste der Geschichte. Egal, auf welcher Position, es wimmelt nur so von Talent", erklärt Lawaree.

Deshalb muss sich auch ein Star wie Eden Hazard von Chelsea unterordnen. "Es denken wirklich alle nur noch an die Mannschaft. Flame? Wallone? Egal – es gibt nur noch ein Belgien!"

Starparade

Und dieses Belgien ist der prominenteste Geheimfavorit der Endrunde. Fast jeder Experte nennt die Roten Teufel als die mögliche große Überraschung. Ein Blick aufs Team verrät aber, dass diese gar nicht mehr so groß wäre: Stürmer Benteke fehlt verletzt, doch Ersatz Lukaku von Everton ist auch nicht schlecht. Fellaini hatte bei Manchester United eine schlechte Saison, aber auch Witsel (St. Petersburg) und De Bruyne (Wolfsburg) können für Impulse sorgen. Zur Not setzt eben Mourinhos Liebling Hazard zu einem Solo an. Und wenn die von Kapitän Kompany (ManCity) organisierte Abwehr unter Druck geraten sollte, wartet noch einer der besten Tormänner der Welt: Thibaut Courtois, der Atlético Madrid zum spanischen Titel und ins Champions-League-Finale gehechtet hat.

Auf der Suche nach Schwachstellen fällt Lawaree nur ein, "dass die Nebenleute von Kompany nicht mit dessen Qualität aufwarten können". Logisch, dass die Vorrundenspiele im klimabegünstigten Süden gegen Algerien, Russland und Südkorea nur die Ouvertüre sein sollen. "Trotzdem macht mir die Euphorie schon vor der Gruppenphase etwas Angst", gesteht Lawaree. Denn eines fehlt den Belgiern bestimmt: die Turniererfahrung. Lawaree: "Eigentlich hat dieses Team ja noch nichts erreicht."