Legendär: Krake Paul prognostizierte 2010 alle deutschen Ergebnisse sowie das Finale korrekt.

© dpa/Roland Weihrauch

WM-Prognosen
06/11/2014

Ein Tintenfisch als Vorreiter für die Wissenschaft

Statistiker wollen der Krake Paul nachfolgen - und kamen so auf die üblichen Favoriten.

von Harald Ottawa

Paul ist tot. Längst. Paul? Das ist der legendäre Krake, der bei der EURO 2008 und bei der WM 2010 als Orakel eingesetzt wurde. Seine Vorhersagen erwiesen sich 2008 zumeist als richtig, 2010 prognostizierte er alle deutschen Ergebnisse sowie das Finale korrekt. Paul starb am 26. Oktober 2010 in Oberhausen im krak’schen Greisenalter von drei Jahren und neun Monaten.

Und bleibt eine Legende. Ersatz wird gesucht. So dürfen sich nun Baby-Pandas aus China (die sind gar nicht bei der WM) Bäume aussuchen, auf deren Spitzen die Länder-Flaggen befestigt sind. Und im Tiergarten Schönbrunn (richtig, auch Österreich spielt nicht mit) darf Lanzelot zwischen zwei gleich großen Futterschüsserln mit Länderfahnen wählen. Sir Lanzelot ist übrigens ein Kugelgürteltier und damit Vorbild des WM-Maskottchens "Fuleco".

So ganz offizielle Paul-Nachfolger sind diese Tiere nicht, also bemühten Wissenschaftler ihr Hirnschmalz und spielten Orakel:

David Dormagen ist kein Bär oder Gürteltier, er ist ein Mensch, genauer gesagt ein Student und beschäftigte sich im Rahmen seiner Bachelor-Arbeit mit Prognosen für die WM. Er erstellte einen Simulator, der diverse Rankings und Marktwerte der Teams auswertet. Dormagen hat die gesamte WM mit all ihren Spielen 10.000 Mal virtuell simuliert – und kam zur Erkenntnis: Brasilien hat die besten Chancen auf den WM-Titel vor Spanien, Deutschland und Argentinien.

Geht es nach der Goldman-Sachs-Studie wird Brasilien Weltmeister, Deutschland Dritter. Warum? Als Komponenten wurden die Fußball-Historie, die Zahl der Tore und Gegentore in den jüngsten Pflichtspielen und ein Heim-Faktor, der Teams bevorzugt, die bei der WM zu Hause oder zumindest auf dem Heim-Kontinent spielen, herangezogen. Resümee: Die Chance, dass Rekordweltmeister Brasilien (5) erneut den Titel holt, wird mit großzügigen 48,5 Prozent beziffert. Argentiniens Chance liegt bei 14,1 Prozent, die von Deutschland bei 11,4 Prozent, die von Spanien immerhin bei 9,8.

Auch das Deutsche Institut für Wissenschaftsforschung leistet unter dem Motto "Geld schießt Tore" ihren Beitrag. Berechnungsgrundlage ist der Kaderwert, als Quelle wurde transfermarkt.de herangezogen. Resümee: Spanien (rund 650 Millionen Euro) siegt vor den Deutschen (575 Mio. Euro). Aufgepasst: 2006 hatten die Forscher Italien auf der Rechnung und sagten die EM- und WM-Siege Spaniens voraus. Der Ansatz stimmt: In der Qualifikation setzten sich 30 von 31 Mal (Brasilien fix qualifiziert) die wertvollsten Teams durch.

Rot & Blond

Klingt alles fein. Irgendwie logische Favoriten. Zum Glück gibt’s da noch den britischen Physiker Stephen Hawking, der eine Formel für englische Siege bei der Fußball-WM aufgestellt hat. Eine 4-3-3-Formation, rote Trikots, europäischer Schiedsrichter sind die halbe Miete. Und da die Engländer alle Elferschießen verlieren, hat er hier auch ein Erfolgsrezept: Mehr als drei Schritte Anlauf, nach oben links oder rechts zielen – und einen hellhaarigen Schützen wählen. So fanden seit 1966 84 Prozent der Versuche von blonden Spielern das Ziel, 71 Prozent bei Glatzköpfigen und nur 69 Prozent von Dunkelhaarigen. "Ich bin als theoretischer Physiker besser qualifiziert, Vorhersagen zu machen, als Paul", spottet Hawking. Die Wette gilt.

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