Marc Janko

© APA/ROBERT JAEGER

Durchblick
06/27/2014

Die perfekt Werbung für den Fußball

von Marc Janko

Die WM wird von einer Torflut überschwemmt. Das macht das Spiel noch interessanter, als es ohnehin ist. Die Vorrunde der WM hat mir gut gefallen, und es hat dabei einige Auffälligkeiten gegeben. Zum Beispiel, dass extrem viele Tore fallen. Das ist vor allem für jene Zuschauer interessant, die den Fußball abseits eines großen Turniers nicht so interessant finden. Das beste Beispiel war das 4:2 von Algerien gegen Südkorea. Das Match war kein Hit, auch von beiden Teams fehlerhaft geführt, aber dennoch spannend und unterhaltsam, einfach schön anzusehen.

Die Gründe für die Torflut sind vielfältig und schwierig exakt zu benennen. Der Fußball hat sich wieder einen Schritt weiterentwickelt, ist schneller und athletischer geworden, weshalb zwangsweise Fehler passieren. Durch die klimatischen Bedingungen leidet zusätzlich noch die Konzentration. Ein, zwei Prozent weniger an Aufmerksamkeit bei den Verteidigern werden von den Angreifern ausgenützt.
Von den Nationen her ist Costa Rica mit meinem Freund Bryan Ruiz die absolute Sensation, ebenso überraschend war das Ausscheiden der Spanier. Nur die Niederländer haben ihre Spiele souverän durchgezogen, alle anderen Favoriten auf den Titel hatten auch ihre Schwächephasen. Brasilien gleich zu Beginn gegen Kroatien, die Deutschen teilweise gegen Ghana.

Aufgefallen ist, dass einige Teams mit einer Fünfer-Abwehrkette spielen, wobei die Außenverteidiger bei Ballbesitz sofort ins Mittelfeld rücken und dann nur drei Verteidiger absichern. Dieses System ist unangenehm für einen Gegner, der mit einem 4-4-2 agiert, weil man stets das Gefühl hat, im Zentrum in Unterzahl zu spielen. Es geht bei diesen taktischen Finessen stets um Maßnahme und Gegenmaßnahme, wie beim Pokern: Wer gibt als Erster nach? Die Viererkette in der Abwehr sehe ich aber noch lange nicht als überholt, weil sich bei dem System mit drei Verteidigern für den Gegnern Räume auf den Flanken auftun.

Ich möchte noch auf drei Spieler näher eingehen. Zunächst einmal das Positive: Messi hat die Erwartungen erfüllt und endlich seinen persönlichen Weg gefunden, wie er als Teil des Ganzen Argentinien so helfen kann, wie ihm das seit Jahren in Barcelona gelingt. Steigern sich die Argentinier weiter von Spiel zu Spiel, dann traue ich ihnen mit Messi in dieser Form auch den ganz großen Wurf zu.
Der Hattrick des Schweizers Shaqiri hat mich besonders gefreut, weil er zuletzt in der Heimat für die schwachen Leistungen als Sündenbock hatte herhalten müssen. Jetzt hat er die Schweiz ins Achtelfinale geschossen.

Und nun zu Luis Suárez: Er muss einen guten Zahnarzt haben, weil seine Hauer auch nach der dritten Beißattacke noch fest sitzen. Ein Stürmer seines Formats hat solche Unsportlichkeiten nicht nötig. Ich kann beim besten Willen nicht nachvollziehen, was in diesen Momenten in ihm vorgeht, da ich in meiner Karriere noch nie einen Gegner gebissen habe. Das hat mit Sport nichts zu tun, das ist reine Körperverletzung.

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