Der Superstar zieht das mediale Interesse auf sich.

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Fahndung
06/16/2014

"Was tut Ronaldo, wo ist Ronaldo?"

Deutschland sucht den Superstar in Portugals Team und will ihn nicht aus den Augen lassen.

Joachim Löw, der deutsche Teamchef, sagte vor dem Spiel in Salvador da Bahia über Portugals Superstar Cristiano Ronaldo: "Er schleicht sich ein bisschen in den Rücken der Gegenspieler, in den toten Winkel. Man sieht ihn nicht."

Man kann die Aufregung sehr gut verstehen: Ronaldo ist das derzeit unwiderstehlichste Phänomen des Weltfußballs. Seitdem er 2009 von Manchester United zu Real Madrid gewechselt ist, hat er in 246 Pflichtspielen 252 Tore für seinen Klub erzielt. Und gerade die Deutschen haben in dieser Saison unter dem Portugiesen leiden müssen: In fünf Champions-League-Spielen gegen Schalke, Dortmund und Bayern traf Ronaldo sieben Mal.

Drei Spiele, kein Tor

Man kann die ganze Aufregung auch für ziemlich übertrieben halten. Seit 2006 ist die deutsche Nationalmannschaft drei Mal auf Portugal getroffen, jedes Mal hat sie die Angelegenheit für sich entschieden: 2006 im Spiel um Platz drei (3:1), 2008 im Viertelfinale (3:2) und 2012 in der Vorrunde (1:0). Was fast noch wichtiger ist: Cristiano Ronaldo hat in keinem dieser Duelle ein Tor erzielt.

"Wir spielen nicht Deutschland gegen Cristiano Ronaldo, wir spielen Deutschland gegen Portugal", sagt Verteidiger Benedikt Höwedes. Das ist richtig, aber auch nur die halbe Wahrheit. Das Spiel der Portugiesen ist derart auf Ronaldo fixiert, dass es die deutschen Chancen auf einen erfolgreichen Start in das WM-Turnier erheblich steigern würde, wenn es gelingt, den Weltfußballer aus dem Spiel zu nehmen.

De jure wird Jérôme Boateng als Rechtsverteidiger die Beschattung des portugiesischen Linksaußen übernehmen, so wie es auch schon bei der EM vor zwei Jahren der Fall war. Damals erledigte er den Job zur allgemeinen Zufriedenheit: Von Ronaldo war wenig zu sehen. De facto aber handelt es sich um eine Aufgabe für die ganze Mannschaft. "Wenn Ronaldo im Tempo ist, mit dem Ball am Fuß, dann kann man ihn nicht gänzlich ausschalten", sagt Joachim Löw. Also wird es darauf ankommen, dass Ronaldo nicht ins Tempo kommt oder – noch besser – gar nicht erst an den Ball.

Einfach wird das nicht. Der Bundestrainer hält die Portugiesen für einen harten Brocken. "Diese Mannschaft ist schon extrem gefährlich", sagt er. Wie keine andere verstehe sie sich aufs Verteidigen – und bereite dabei schon den eigenen Angriff vor. Für Löw ist Portugal eine der besten Kontermannschaften der Welt. Zehn ihrer letzten zwölf Tore fielen nach schnellen Gegenstößen.

Vier Innenverteidiger

So wie die Portugiesen beim Verteidigen bereits ihren kommenden Angriff vorbereiten, so werden die Deutschen in ihrem Offensivspiel immer schon die Defensive mitdenken müssen. Auch deshalb besetzt Löw die beiden Außenverteidigerpositionen mit den gelernten Innenverteidigern Höwedes und Boateng. Sie sollen ihren Offensivdrang weitgehend zügeln, um den Portugiesen in ihrem Rücken keinen Raum anzubieten.

Denn genau darauf lauert Cristiano Ronaldo. Er hält sich "irgendwo im Niemandsland", hat Joachim Löw bei der Gegnerbeobachtung festgestellt, doch ehe man sich versieht, ist Ronaldo plötzlich mitten im Geschehen. "Er macht mit die besten Laufwege", sagt der Bundestrainer. Und man muss sich darauf einstellen, dass Ronaldo nicht nur läuft, wenn er eine Chance hat, den Ball zu bekommen. Bei jedem Konter sprintet er los – und zwingt seinen Gegenspieler zu einer Reaktion.

Auf Jérôme Boateng kommt heute eine besondere Herausforderung zu – weil er sich zu einem gewissen Grad von alten Gewohnheiten lösen muss. Weil er den Ball ruhig einmal aus dem Blick lassen kann, um sich ausschließlich auf Ronaldo zu fokussieren. "Man darf ihn im wahrsten Sinne des Wortes nicht aus den Augen lassen", sagt der Bundestrainer. Die Portugiesen wissen, wo Ronaldo hinläuft, die Pässe auf ihn respektive in seinen Laufweg werden quasi blind gespielt. Joachim Löw: "Der Spieler, der gegen ihn spielt, muss sehen: Was tut Ronaldo? Und wo ist Ronaldo?"

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