"Zerschmettert und niedergeknüppelt"

DIE FAVORITEN: Nach dem frühen Ausscheiden der drei (Ex)-Champions Spanien, Italien und England wurde schon über eine WM der Außenseiter gemunkelt. Das Fußball-Establishment schlug aber adäquat zurück.
Nationaler Frust und internationale Häme: Die Pressestimmen zum WM-Aus von Spanien.

Sechs Jahre lang regierte "La Roja" im internationalen Fußball. Nach dem 0:2 gegen Chile kam es gestern zur endgültigen Wachablöse, die sich nach der 1:5-Schlappe im Auftaktspiel gegen die Niederlande bereits angekündigt hatte. Dass der regierende Weltmeister bereits in der Vorrunde ausscheidet, ist nicht neu. Zuletzt erwischte es Italien 2010 in Südafrika. Dass aber der Weltmeister nach nur zwei Spielen nach Hause geschickt wurde, das gab es noch nie. Dennoch: Die Kritik der heimischen Presse fällt richtiggehend verhalten aus:

"Zerschmettert! - vom Himmel in die Hölle", titelte etwa die größte spanische Sportzeitung Marca, bedankte sich aber auch "für sechs tolle Jahre!" Und wehmütig: "Es war schön, aber im Leben ist alles irgendwann einmal vorbei. Adiós goldene Jahre" - Danke für sechs tolle Jahre! Aber was nun?"


El Mundo spricht gar vom Untergang eines Imperiums. "Das Imperium, das sechs Jahre lang den Weltfußball dominiert hat, zerfällt nun ebenso wie die großen Reiche in der Geschichte untergegangen sind." Das Maracaná-Stadion sei "zu einem Friedhof der Könige" geworden.

"Bittet nicht um Verzeihung"

"Maracanazo", lautet die Überschrift des zweiten großen Sportgazette As. Ein Wortspiel mit dem spanischen Begriff "Macanazo", "niedergeknüppelt". Für As-Chefredakteur Alfredo Relaño, einer der renommiertesten Sportkommentatoren des Landes ist das letzte Spiel gegen Australien ist nun "wie eine Strafaktion." Doch auch er gibt sich versöhnlich: "Bittet nicht um Verzeihung. Wir sind Euch vieles schuldig."

Die auf der Hand liegende Analogie mit der Abdankung von König Juan Carlos bemühte keine Zeitung, El País erinnerte lieber an andere "goldene Zeiten": "Spanien war die Titanic. Die beste spanische Nationalmannschaft der Geschichte scheidet bei der WM aus und beendet eine unwiederholbare Etappe.

"Tiki-Taka ist tot!"

International gab mach sich dabei schon deutlich hämischer. In Italien, jenem Land, das die Spanier im Finale der EM 2012 noch mit 4:0 nach Hause geschickt hatten, beschwörte etwa der Corriere dello Sport "das Ende von Tiki-Taka." Corriere della Sera beschwor den "Fall der Götter, schon sind die Weltmeister eliminiert. Der König ist tot, es lebe der König: Chile zieht zusammen mit den Niederlanden ins Achtelfinale ein.“

Martialisch: In Großbritannien prophezeite die Times: "Den Stars der Spanier droht nach dem Ausscheiden die Axt" und De Telegraaf titelte: "Chile isst Spanien auf. (...).

"Adios, Weltmeister! Spanien, ihr seid nur noch Geschichte. Unfassbar! Titelverteidiger Spanien ist nach dem 0:2 gegen Chile bei der WM ausgeschieden. Tiki-Taka ist tot!", titelte die deutsche Bild-Zeitung.

0:2 gegen Chile: Das Spiel in Bildern

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