Man spricht Deutsch: Johnson, Jones, Green und Chandler (v. l.).

© APA/EPA/JOHN G. MABANGLO

Team USA
06/25/2014

Deutsch-deutsches Duell in Gruppe G

Mit Know-How aus seiner Heimat fordert Klinsmann die Deutschen.

Der deutsche Teampsychologe Hans-Dieter Hermann hat neulich eine Episode aus dem Jahr 2004 erzählt, die einiges über den deutschen Fußball in jener Zeit erzählt. Aber noch mehr über die Arbeitsweise von Jürgen Klinsmann, dem ehemaligen Teamchef der Deutschen, der am Donnerstag mit den USA sein Heimatland fordert.

Es war die Zeit, als der deutsche Fußball im Reformstau steckte und deshalb sturmreif war für neue, mutige Ideen, die der schwäbische Kalifornier Klinsmann längst im Gepäck hatte.

Der Bundestrainer hat seinerzeit nicht nur Fitnesstrainer aus den USA geholt, die die Nationalspieler mit geheimnisvollen grünen Gummibändern an den Knöcheln über den Platz watscheln ließen; nach ein paar Monaten im Amt holte Klinsmann auch den Sportpsychologen Hermann hinzu. "Jürgen hat mich vor die Mannschaft gestellt und gesagt: Das ist der Hans, der gehört hier jetzt dazu."

Noch bevor der erste Aufschrei verhallt war, kam Oliver Kahn um die Ecke, der nicht unbedingt den Sympathisanten des neuen forschen Bundestrainers zuzurechnen war. Doch was tat Kahn, als er spitz befragt wurde, was nach den US-Fitnesstrainern jetzt auch noch der Psycho solle? Kahn zischte kurz und sagte, dass das ja wohl überfällig sei. Er habe sich auch schon einen Termin geben lassen.

Es war die Zeit, in der alles, was Klinsmann tat, nach Revolution roch und kritisch beäugt wurde.

Klinsmann brach damals Strukturen auf. Interessant daran ist aus heutiger Sicht, dass es Jürgen Klinsmann in seiner Wahlheimat ähnlich ergeht. Als er 2011 Trainer der USA wurde, musste er zwar niemandem vom Sinn der Spezialisten überzeugen, vielmehr war es seine Personenauswahl, die die amerikanische Öffentlichkeit hat stutzig werden lassen. Denn so wie er sich als Bundestrainer seine Mitarbeiter aus den USA geholt hat, so holt er sie jetzt als US-Coach aus Deutschland.

Deutsche Exporte

Der bekannteste Import ist Berti Vogts. Der frühere Bundestrainer (1990 bis 1998) stieß erst in diesem Frühjahr zu Klinsmanns Team. Länger dabei ist Matthias Hamann, der Bruder des früheren Nationalspieler Dietmar Hamann. Der 46-Jährige ist als Scout für Europa zuständig. Dann sind da noch Kurt Mosetter als Teamarzt sowie der Bochumer Niklas Albers, der als Ass auf dem Gebiet der Myoreflex-Therapie gilt, die sich auf die eigenen Körperreflexe auswirkt.

Als Klinsmanns Assistent wirkt Andreas Herzog. Der 45-Jährige ist zwar Österreicher (103 Länderspiele), hat aber viele Jahre in Deutschland gespielt. Was sich schon deshalb gut macht, da das Soccerteam selbst eine starke deutsche Prägung hat. In Fabian Johnson (Hoffenheim), Timothy Chandler (Nürnberg), John Anthony Brooks (Hertha BSC) und dem erst 18 Jahre alten Julian Green (Bayern) stehen vier aktuelle Bundesligaprofis im Team, die allesamt in Deutschland geboren sind.

Nicht zu vergessen der ehemalige Schalker Jermaine Jones, der sogar dreimal für die deutsche A-Nationalmannschaft gespielt hat.

John Anthony Brooks hatte gerade ein Bundesligaspiel bestritten, als er im vergangenen Jahr sein Länderspieldebüt für die USA gab, der Münchner Green hat – von einem Drei-Minuten-Einsatz in der Champions League abgesehen – sogar noch nie für die Profis der Bayern gespielt. Dass Klinsmann auf Talente setzt, die das breite Publikum nicht auf dem Schirm hat, hat er schon als deutscher Teamchef bewiesen. Damals bediente er sich in der Premier League. Thomas Hitzlsperger, Robert Huth und Moritz Volz waren als Teenager nach England gewechselt und in Deutschland weitgehend unbekannt, als sie von Klinsmann einberufen wurde. Hitzlsperger musste sich bei seinem ersten öffentlichen Auftritt sogar fragen lassen, wie es sich denn in London lebe. Er spielte damals für Aston Villa – in Birmingham.

American Way of Life

Klinsmann hat sich aufgemacht, der US-Mannschaft einen neuen Spielstil zu verpassen: weg vom abwartenden Fußball, hin zu Leidenschaft, Mut und Initiative.

Das sind jene Attribute, die Klinsmann vor zehn Jahren auch der deutschen Nationalelf eingehaucht hat, gegen viele Widerstände. Bei seinem Amtsantritt verkündete er: Wir wollen in zwei Jahre Weltmeister werden. Fünf Wochen zuvor war die Nationalmannschaft bei der EM in Portugal in der Vorrunde ausgeschieden.

Mit dieser Haltung arbeitet Klinsmann auch in den USA. "Amerikaner sind keine Underdogs, das sind Macher. Die wollen das Leben leben, an das sie glauben."

Ein Remis reicht

USADeutschland in Recife, Portugal – Ghana in Brasilia.

Deutschland und die USA haben vier Punkte, bei einem Unentschieden im direkten Duell wäre Deutschland Gruppensieger, die USA wären Zweiter. Portugal muss für einen Aufstieg hoch gewinnen, wenn es gleichzeitig einen Sieger im anderen Spiel gibt.

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