Kolumbiens Schneckerl: Valderrama (hier gegen den Deutschen Jens Jeremies) war Denker und Lenker in der Selección.

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Vor Kolumbien - Uruguay
06/28/2014

Der oberste Fan Carlos Valderrama

Kolumbiens Fußball-Legende träumt vom Titel.

Er ist ein bisschen kräftiger geworden, aber der Schnurrbart ist noch genauso breit wie damals, und zum Friseur muss er immer noch nicht gehen, er hat ja zwei Finger und eine Steckdose. Um das rechte Handgelenk windet sich eine Batterie von Freundschaftsbändern, auf die selbst Wolfgang Petry neidisch wäre. Carlos Alberto Valderrama Palacio wird bald 53, aber mit seinem wasserstoffblonden Haupt sieht er immer noch so aus wie im Sommer 1990, als er bei der Weltmeisterschaft gegen die Deutschen kickte, kurz vor Schluss einen schweren Tod zu sterben schien, dann aufsprang und das Tor zum 1:1-Ausgleich vorbereitete, es war das einzige Spiel, das der spätere Weltmeister nicht gewann in Italien.

Der Privatier

"Ist ja schon eine Ewigkeit her", sagt Valderrama.

Er hat jetzt einen neuen Job, neben dem eines Privatiers und Repräsentanten seiner Fußballschule. Valderrama ist oberster Fan der kolumbianischen Nationalmannschaft, und selten hat dieser Job so viel Spaß gemacht wie in diesen Tagen in Brasilien. Stolz trägt er das gelbe Nationaltrikot mit dem leicht blauen Einstich, es ähnelt ein bisschen dem brasilianischen, was für die optische Unterstützung bei der WM nicht unbedingt von Nachteil ist. Ganz Brasilien strahlt gerade in Gelb-Blau, da fällt auch etwas für Kolumbien ab. "Bei jeder WM gibt es eine große Überraschung", sagt Valderrama. "Diesmal könnte es Kolumbien sein."

Der Junge

In Kolumbien nennen sie ihn auch in den Fünfzigern noch "El Pibe", den Jungen. Pelé hat ihn als einzigen Kolumbianer in die Top 100 der Fußball-Welt gewählt. Seit 1998, seit Valderramas letzter WM in Frankreich, sucht Kolumbien einen neuen Jungen. Valderrama sagt, der neue Junge sei gefunden. Er heißt James Rodriguez, die Kolumbianer nennen ihn nur beim Vornamen, den sie nicht englisch aussprechen, sondern latinospanisch, also Chames. Valderrama sagt, er möge eigentlich keine Vergleiche zwischen heute und gestern, "und deswegen will ich James Rodriguez auch nicht mit mir vergleichen. Er ist eine eigene Persönlichkeit und hat es verdient, so betrachtet zu werden. Diese WM ist seine bisher größte Prüfung."

Er ist dabei, diese Prüfung mit Auszeichnung zu bestehen. Vor dem Achtelfinale am Samstag in Rio de Janeiro gegen Uruguay ist Rodriguez neben Lionel Messi der einzige Spieler, der in jedem WM-Spiel mindestens ein Tor geschossen hat, und wie Argentinien hat Kolumbien alle drei Vorrundenspiele gewonnen. Valderrama hat sie alle bejubelt, und natürlich wird er auch am Samstag auf der Tribüne des Maracanã sitzen und seine Mannschaft anfeuern. Auffällig ist, dass Valderrama wie so ziemlich jeder Kolumbianer kein Wort verliert über die Absenz von Radamel Falcao, der nach einem Kreuzbandriss nicht rechtzeitig fit wurde und bei jedem Spiel neben Valderrama auf der Tribüne sitzt.

Die Chance

Valderrama sagt: "Wir werden Falcao immer verehren. Aber er ist verletzt, und wir können nun mal nicht mit zehn Leuten spielen." Es geht ihm in Brasilien weniger um die Kompensation versäumter Erfolge oder um die Projektion der eigenen Größe in die Gegenwart. "Es gibt keine Parallelen zwischen dieser Mannschaft und unserer früher", sagt Valderrama. "Jede Generation macht ihr Ding. Diese Generation kann etwas erreichen, was wir nicht erreicht haben. Wir haben damals einmal ein viertes Spiel erreicht, also das Achtelfinale. Diese Mannschaft kann ein fünftes Spiel erreichen und vielleicht noch mehr. Mein Traum ist, dass Kolumbien einmal bei einer WM ein siebtes Spiel macht und das gewinnt. Ich träume davon, dass Kolumbien Weltmeister wird."

Dafür muss am Samstag in Rio Uruguay aus dem Weg geräumt werden, immerhin der erste aller Weltmeister.

Kolumbien - Uruguay

Samstag, 22 Uhr, Rio de Janeiro, SR Björn Kuipers (Nl)

Letzte Infos: Nach den drei Vorrundensiegen haben die Kolumbianer viel Selbstvertrauen. Kapitän Yepes kehrt als Abwehrchef zurück, Bacca ist wieder fit für die Bank. Uruguay-Coach Tabárez muss wegen der Sperre von Suárez umstellen. Neben Cavani könnte wie schon beim 1:3 gegen Costa Rica zum Auftakt Diego Forlán stürmen.

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