Der japanische Schiedsrichter Nishimura zeigt auf den Elfmeterpunkt.

© REUTERS/MURAD SEZER

Eröffnungsspiel
06/13/2014

Ein Fehlpfiff kaschiert zwei Fehler

Schiri Nishimura wird im Gegensatz zu Kroatiens Keeper Pletikosa heftigst kritisiert.

Ein Witz! Betrug! Skandal! Sogar Verschwörungstheorien machten nach dem Elfmetergeschenk für Brasilien die Runde. Die Kroaten fühlten sich bei der 1:3-Niederlage gegen den Gastgeber zum WM-Auftakt in São Paulo jedenfalls verschaukelt – und rechneten mit dem japanischen Schiedsrichter Yuichi Nishimura ab.

"Ich bin stinksauer. Mein Team wurde betrogen", schimpfte Teamchef Niko Kovac. "Wir hören besser auf und fahren nach Hause. Das FIFA-Logo ist Respekt, Respekt für beide Teams. Wir haben keinen erfahren."

Ein Pfiff von Nishimura war an der Aufregung schuld: In der 71. Minute ahndete der Japaner einen Griff von Dejan Lovren an die Schulter des theatralisch zu Boden stürzenden Fred mit einem Strafstoß. Mit seinem zweiten Treffer verwandelte Neymar den Elfmeter zum 2:1 für den Rekordweltmeister.

Kollektiver Aufschrei

Auch die kroatischen Spieler fühlten sich nach eigener 1:0-Führung (durch das Eigentor von Marcelo) um den Lohn einer taktisch disziplinierten Leistung gebracht. "Der Schiedsrichter hat das erste Spiel auf dem Gewissen", wetterte Ivan Rakitic. "Das war lächerlich. Ich kann nicht glauben, dass ein einzelner Mensch so viele Fehler machen kann. Das ist schon ein Skandal", echauffierte sich Ivica Olic.

An Erfahrung fehlte es Nishimura jedenfalls nicht, es war bereits das fünfte WM-Spiel für den Japaner. Ob er auch wirklich alleine für die Entscheidung zu verantworten ist, ist auch nicht klar. Am Freitag machte jedenfalls das Gerücht die Runde, dass sein Assistent Toshiyuki Nagi seinem Chef ein Vergehen mitgeteilt hatte.

Das scheint durchaus möglich zu sein. Denn während Nishimura nicht die ganze Szene sehen konnte, weil ein kroatischer Spieler sein Sichtfeld querte, hatte der Assistent immer freie Sicht und konnte dazu auch von der Seite sehen, was sich im Rücken von Fred abspielte. Dies war dem Hauptschiedsrichter nicht möglich. Nishimura sah das Duell zwischen Lovren und Fred nur von vorne.

Für die erleichterten Brasilianer schien die Angelegenheit so und so eindeutig: Ein klarer Elfmeter, sagten Neymar und seine Kollegen unisono. Dazu versuchten sie die Kontroverse einfach wegzulächeln – Hauptsache gewonnen. Der WM-Start war schwierig genug: "Für mich war es ein Elfer, ich habe die Szene jetzt zehn Mal gesehen", meinte auch Brasiliens Coach Luiz Felipe Scolari. Er könne Niko Kovacs Reaktion aber verstehen und hätte in dessen Situation sicher das Gleiche gesagt. Damit sei das Thema aber abgehakt.

Erst gar nicht zu so einem wurden die Fehler von Kroatiens Keeper Stipe Pletikosa: Der 35-Jährige ließ sich beim ersten Gegentor durch einen alles andere als scharfen Weitschuss von Neymar überraschen. Auch beim dritten Tor von Oscar machte Pletikosa alles anders als eine gute Figur. Und auch der Elfmeter war keineswegs gut geschossen. Der Torhüter des FK Rostow war auch mit einer Hand am Ball, dieser kullerte trotzdem ins Tor.

Aber das alles interessierte am Tag nach der Niederlage niemanden im Lager der Kroaten. Die hatten ihren Schuldigen für den Fehlstart in die WM ja sowieso schon gefunden: Schiedsrichter Yuichi Nishimura.

Ein WM-Auftakt, wie ihn sich die Unparteiischen nicht gewünscht haben

Na toll. Jetzt hat also die WM genau so begonnen, wie wir Schiedsrichter uns das nicht wünschen: mit einer spielentscheidenden Fehlentscheidung des Japaners Yuichi Nishimura im Auftaktspiel. Mit einem Elfmeter, pardon Strafstoß, der keiner war. Es war eine herrliche Schwalbe des Brasilianers Fred, der dafür Gelb hätte sehen müssen. Weil es eine Unsportlichkeit ist, einen leichten Kontakt zu nützen, um zu Boden zu gehen. Lies nach in Regel 12 – Fouls und unsportliches Betragen.

Danach hat Nishimura vor dem 3:1 durch Oscar auch noch ein klares Foul von Ramires an Rakitic bei der entscheidenden Balleroberung übersehen. Klar, dass jetzt wieder alle möglichen Verschwörungstheorien zum Vorschein kommen. Etwa, dass die Brasilianer als Veranstalter natürlich bevorzugt werden müssen. Oder dass der Japaner seine Rote Karte gegen Felipe Melo im Viertelfinale vor vier Jahren gegen die Niederlande kompensieren wollte. Schwachsinn, weil die nämlich damals nach einem Tritt gegen den am Boden liegenden Niederländer Robben alles andere als umstritten, sondern sonnenklar war. Also: Legen wir die Verschwörungstheorien ad acta und belassen es dabei, dass der Penalty einfach eine falsche Tatsachenentscheidung war. Leider eine verheerende. Auch für Yuichi Nishimura: Es würde mich überraschen, wenn er bei dieser WM noch ein Spiel pfeifen darf.

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