Ein Fan gibt der Nationalmannschaft von Algerien die Marschroute vor. Gegen Russland geht es am Donnerstag um den Aufstieg ins Achtelfinale.

© REUTERS/YVES HERMAN

Gruppe H
06/26/2014

Vergeht für Capello die WM im Flug?

Russland benötigt einen Sieg für den Aufstieg, Algerien träumt von einem Duell mit Deutschland.

Es ist kein gutes Omen, dass Fabio Capello Italiener ist. Zwei seiner Landsleute auf der Trainerbank haben sich bereits aus Brasilien verabschiedet. Cesare Prandelli mit Italien und Alberto Zaccheroni mit Japan. Folgt ihnen Capello mit Russland nach?

Capello hat es jedenfalls die Sprache verschlagen. Kein Wort hat sich Russlands Nationaltrainer zum Alles-oder-Nichts-Spiel heute gegen Algerien entlocken lassen. Der 68-jährige Altmeister der Trainer-Gilde lässt selbst seine Spieler im Unklaren. "Die Startelf bestimmt der Trainer. Zu dem Turnier sind 23 Spieler gereist. Und aus ihnen wählt der Trainer aus, mit wem er spielt", sagte Alexander Samedow.

Für den zweiten Platz in der Gruppe H braucht Russland einen Sieg gegen die zuletzt furiosen Algerier, denen schon ein Remis genügen würde, wenn Südkorea nicht gegen die bereits für das Achtelfinale qualifizierten Belgier gewinnt. Die bisher dürftigen Auftritte der Russen haben in der Heimat für Verdruss gesorgt. Forderungen nach dem bei dieser WM von anderen Teams praktizierten Offensiv-Fußball mehren sich. "Im Finale mit Algerien möchte ich von der russischen Mannschaft mehr Angriffsfußball sehen", erklärte der einstige Nationalspieler Maxim Bokow.

Gedankengänge

Nach einem Ruhetag in Teamquartier in Itu, an dem die Spieler unter anderem von Capoeira-Tänzern unterhalten und abgelenkt wurden, richtete sich der Fokus auf die entscheidende Partie. "Gegen Algerien werden wir aktiver und aggressiver im Angriff spielen", versprach Verteidiger Dimitri Kombarow. Capello glaubt ans Weiterkommen seiner Mannschaft: "Ich glaube daran, dass wir eine Chance haben, aber wir haben nun keine andere Wahl, als Algerien zu schlagen."

Die Afrikaner dagegen denken schon einen Schritt weiter – an ein mögliches Achtelfinale gegen Deutschland. "Dieses Team verdient es, weiterzukommen", sagte Sofiane Feghouli vom FC Valencia: "Wir wollen es besser machen als die Generation 1982." Seinerzeit hatte die "Schande von Gijón" – ein unwürdiges 1:0 Deutschlands gegen Österreich – das Weiterkommen Algeriens verhindert. Damals hatte Algerien die Sensation geschafft und Deutschland 2:1 geschlagen.

Diesmal hat es das Team selbst in der Hand, ins Achtelfinale einzuziehen. "Es ist ganz einfach. Wir müssen gewinnen, so ist der Fußball", sagte Kapitän Bougherra.

Belgien blickt schon voraus

Man kann es freilich als Arroganz auslegen. Oder als gesundes Selbstbewusstsein. Belgiens Kevin Mirallas meinte auf die Frage, ob er Spieler vom heutigen WM-Gegner Südkorea kennt:
Kia – und Hyundai.“
Belgien ist vor der finalen Partie fix für das Achtelfinale qualifiziert, die einzige offene Frage ist, auf wen man dort trifft. Es könnte auch, wenn es die Konstellation in Gruppe G ermöglicht, Deutschland sein. Teamchef Marc Wilmots, einst Stürmer in der Deutschen Bundesliga, wird gegen die Asiaten auf die Stammspieler Axel Witsel und Toby Alderweireld verzichten, da beide bei einer weiteren Gelben Karte im Achtelfinale gesperrt wären.
Belgien hat für das heutige Duell eine ganz spezielle Motivation: Noch nie ist es der Auswahl des kleinen Landes gelungen, alle Gruppenspiele einer WM zu gewinnen. In Brasilien fehlt nach dem 1:0 gegen Russland und dem 2:1 gegen Algerien nur noch ein weiterer Sieg. Kurios: Die Roten Teufel sind in ihren letzten acht WM-Gruppenspielen unbesiegt. 1998 und 2002 gab es in Summe einen Erfolg und fünf Unentschieden.
Südkorea hofft als Gruppenletzter indes auf ein Wunder, sprich auf einen hohen Sieg gegen Belgien. Das Problem: Gleichzeitig darf Russland nicht gegen Algerien verlieren. Kapitän Koo Ja Cheol stellte fest, dass die Mannschaft sehr enttäuscht sei, aber noch nicht ausgeschieden. „Wir brauchen eine Verzweiflungstat“, sagte der Profi von Mainz, „es besteht noch Hoffnung.“

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