Thema 05.12.2011

Statistik: Gefahr auf Zebrastreifen

Die Zahl der verunglückten Kinder im Straßenverkehr wird geringer. Doch noch immer geschehen zu viele schwere Unfälle.

Es war ein sonniger Frühlingstag, an dem Yona K. die Kontrolle über seinen Mercedes verlor. Ungebremst raste der Gemüsehändler am 18. Mai 2010 auf der Döblinger Hauptstraße, Ecke Pyrkergasse über einen Schutzweg und erfasste dort Fabian W. Der achtjährige Schüler aus Wien war gerade mit seinen Freunden auf dem Weg nach Hause. Trotz sofortiger Reanimation starb Fabian noch am Unfallort. Es war der zweite schwere Unfall innerhalb kurzer Zeit in Wien, wenige Tage zuvor war ein Bub in Hietzing überfahren worden. Er überlebte, verlor aber bei dem Unfall ein Bein.

Rückgang

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© Bild: KURIER /gnedt martin

Seit 2003 ist die Zahl der verletzten Kinder um 28 Prozent gesunken, doch noch immer sind die Zahlen zu hoch. 2914 Kinder unter 14 Jahren wurden 2010 bei Verkehrsunfällen verletzt, ergab eine Unfallbilanz des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV). Zehn Kinder kamen im Vorjahr ums Leben. 41 Prozent der verletzten Kinder verunfallten als Mitfahrer im Auto.

Doch viele der folgenschweren Unfälle passieren im Ortsgebiet. Hier sind Kinder häufig ohne Aufsicht von Erwachsenen unterwegs, sei es auf dem Schulweg oder mit Freunden in der Freizeit. 730 Kinder wurden als Fußgänger verletzt, knapp ein Drittel davon auf Schutzwegen. "Kinder erleben ihre Umwelt anders und kön-nen aufgrund ihrer Körpergröße nicht über Autodächer schauen", erklärt Klaus Robatsch, Leiter der Abteilung Prävention im KfV.

Nach dem tragischen Unfall in Döbling hat er daher gemeinsam mit der zuständigen MA 46 nach Wegen gesucht, Schutzwege sicherer zu machen. In Döbling wurde neben der Einrichtung einer Tempo-30-Zone ein Pilotversuch mit Videoüberwachung gestartet. Unter großem Medieninteresse wurde im September 2010 die 120.000 Euro teure Anlage präsentiert. Anfangs gab es große Probleme, erinnert sich Robatsch. Die drei Kameras mussten erst abgestimmt, die Software verbessert werden. Doch seit April ist die Feinjustierung abgeschlossen, nun erkennen die drei Kameras jede Begegnung zwischen Fußgängern und Autofahrern.

"Durchschnittlich kommt es dabei zu 500 Interaktionen pro Tag", erklärt Robatsch. "In 400 Fällen bleibt der Autofahrer stehen, 100 Begegnungen pro Tag sind aber kritisch." Diese 100 Begegnungen wurden gespeichert und werden jetzt ausgewertet. Derzeit würden weder Gesichter noch Nummerntafeln gespeichert, sagt Robatsch. "Doch später soll die Anlage wie eine Section Control funktionieren."

"Der Versuch in Döbling hat auf alle Fälle seinen Zweck erfüllt", sagt Bernd Skoric, zuständiger Beamte der MA 46, "denn seitdem ist an dieser Kreuzung nichts mehr passiert."

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011