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Skispringen

Schlierenzauer auf dem Olymp

Der Tiroler bestieg im Sommer für den ORF den Olymp. In Sotschi will er in den sportlichen Olymp aufsteigen.

von Christoph Geiler

02/02/2014, 09:25 PM

Ich warte schon so lange auf den einen Moment.
Aus dem Song „So soll es bleiben“ von Ich & Ich.

Auf dem Berg der Götter sind alle Menschen gleich. Der Olymp macht keinen Unterschied zwischen einem Ottonormalbergsteiger und einem Olympiasieger. Wer ihn erklimmen möchte, wer seinen Mythos erleben und verstehen will, der muss sich ihm ausliefern und seinen goldenen Käfig zumindest für einige Tage verlassen.

Gregor Schlierenzauer hat sich auf den Olymp eingelassen. Mit Haut und Haaren, mit großem Enthusiasmus und jeder Menge Spaß. Und mit so manchem kleinen Opfer, in der Schutzhütte 2000 Meter über dem Meeresspiegel. Der Gang auf das Plumpsklo blieb dort auch dem Superstar nicht erspart. „Hosen runter und in die Knie gehen. Ob es Prinz Albert ist, der Kaiser von China, der Bergführer, oder ich. Da gibt es auf dem Berg keinen Unterschied“, schmunzelt Schlierenzauer.

Gipfelsturm

Für eine sehenswerte ORF-Produktion, die am 7. Februar ausgestrahlt wird, bestieg der Tiroler Skispringer im Sommer den Mytikas, mit 2918 Metern der höchste Berg des Olymp-Massivs. „Diese Reise hat gut zu meiner Karriere gepasst“,meint der 24-Jährige.

Der Olymp hat für Gregor Schlierenzauer Symbolcharakter. Seit Jahren hat der Tiroler Überflieger seinen Hauptwohnsitz auf Wolke sieben, aber auf dem sportlichen Olymp ist er bislang noch nicht angekommen. Ein Sieg in Sotschi wäre für ihn, der in jungen Jahren praktisch schon alles erreicht hat, was es im Skispringen zu erreichen gibt, der Gipfel. „Jeder weiß, dass ich dieses Einzel-Gold will. Alles andere wäre bei mir ja auch irgendwie unglaubwürdig. Es ist das Wichtigste, dass man nach dem Höchsten strebt.“

Ich bin auf der Suche nach hundert Prozent.

Kindheitstraum

Die Reise nach Sotschi begann für Schlierenzauer in Kanada. Zu einem Zeitpunkt, als kaum jemand auch nur einen Gedanken an die Spiele in Russland verschwenden und so weit in die Zukunft blicken wollte. Kaum hatte er auf der Großschanze von Whistler Mountain Olympia-Silber gewonnen, da rief Schlierenzauer für sich bereits eine neue Marschroute und Vision aus: Sotschi 2014, seine persönliche Mission Gold. „Seit den Olympischen Spielen in Vancouver habe ich dieses Ziel verfolgt.“

Es liegt noch so viel vor mir, ich lauf noch hinterher.

Auf dem jahrelangen Weg von Vancouver nach Sotschi hat Schlierenzauer seither viele Rekorde gebrochen und sich einige Kindheitsträume erfüllt. Er gewann die Vierschanzentournee („einer meiner emotionalsten Momente“), er wurde Weltmeister auf dem Holmenkollen in Oslo („der beste Ort, um WM-Gold zu gewinnen“), er überflügelte Matti Nykänen und ist nun die unangefochtene Nummer eins an Weltcupsiegen („ich glaube, jetzt bin ich eine Legende“). Doch all diese Triumphe waren nur Zwischenetappen auf seiner goldenen Marschroute Richtung Sotschi. „Der Olympiasieg wäre das I-Tüpfelchen meiner Karriere.“

Bis jetzt fühl ich nur die Hälfte. Von allem, was geht.

Leichtigkeit

Der beschwerliche Aufstieg auf den Mytikas ließ Gregor Schlierenzauer in sich gehen und einen Blick zurück werfen. Sein Weg zur Weltspitze war keineswegs so steinig wie der schmale, holprige Pfad auf den Olymp. Dem 24-Jährigen schien immer alles leicht von der Hand zu gehen, die Erfolge und Trophäen flogen ihm regelrecht zu, Niederlagen und Abstürze sucht man vergebens in seiner Biografie. „Ich kenne das Gefühl des Scheiterns nicht“, sagte Schlierenzauer während einer Rast, „je älter ich werde, desto klarer wird mir, was für ein großes Privileg das ist.“

Er hätte also eigentlich allen Grund, abzuheben und in anderen Sphären zu schweben, wie so viele Superstars, die die Bodenhaftung verlieren. Doch am Berg der Götter präsentierte sich Schlierenzauer bodenständig, kollegial und von einer Seite, wie man ihn bisher nicht gekannt hat. „Mich stört das ja ungemein, dass ich manchmal in der Öffentlichkeit als arrogant und engstirnig rüberkomme“, berichtet Schlierenzauer, „dabei sagen die Leute, die mich richtig kennen, genau das Gegenteil.“

Teamplayer

Auf dem Olymp war von Starallüren, Egoismus und divenhaftem Gehabe jedenfalls nichts zu spüren. Schlierenzauer stellte sich ganz in den Dienst der Sache. Er muckte nicht auf, weil er die Nacht in einem Sechs-Mann-Zimmer in einem Stockbett verbringen musste, und er packte selbst mit an, als kurz vor dem Gipfelsieg die griechischen Begleiter wegen des Nebels umkehrten. „Dann trag ich eben einen Rucksack vorne und einen hinten.“

Als Gregor Schlierenzauer schließlich den Olymp erreicht hatte, da fühlte er sich wieder an den Sport und seine Unwägbarkeiten erinnert. Wolkenverhangen präsentierte sich der Mytikas, und innerhalb von drei Stunden gab er nur für wenige Sekunden den Blick frei auf das Meer und die Weiten der griechischen Landschaft. „Ich kann meine Hausaufgabenmachen so gut ich will“, sinniert Schlierenzauer, „aber am Tag X muss alles passen und alles zusammen kommen. Leider liegt nicht alles in meiner Hand.

Ich werde es erst wissen. Wenn ich angekommen bin.

TV-Tipp: Gregor Schlierenzauer auf dem Olymp, von ORF-Redakteur Hans Hengst und Kameramann Tone Mathis wird am 7. Februar im Olympiastudio am Eröffnungstag in ORF 1 gezeigt (16 bis 20 Uhr).

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