Feuer frei: Christoph Sumann geht im Sprint auf Medaillenjagd.

© APA/ROLAND SCHLAGER

Biathlon
02/08/2014

Startschuss für das letzte Schützenfest

Oldie Christoph Sumann setzt bei seinen vierten Olympischen Spielen auf die Routine.

von Christoph Geiler

Christoph Sumann ist nicht in seine Waffe verschossen wie so viele andere Biathleten, die sich manchmal sogar in der Nacht nicht von ihrem Gewehr trennen können. Es gibt genug Waffenbrüder, die noch am Abend auf dem Zimmer mit dem Gewehr herumspielen, es geduldig auseinander bauen, es einölen und mit Spezialtüchern auf Hochglanz polieren. Von manchen Sportlern ist sogar überliefert, dass sie ihren Gewehren liebevoll Kosenamen wie „Baby“ verpassen.

Für solche Biathleten, die Feuer und Flamme für ihr Schießeisen sind, muss Sotschi ein Horror sein. Denn bei Olympia ist es den Sportlern im Gegensatz zu den Weltcupveranstaltungen untersagt, das Zimmer mit dem Gewehr zu teilen. Bei Oldie Sumann hält sich der Trennungsschmerz in Grenzen: Mit seinen 38 Jahren steht er längst über den Dingen und weiß, dass Biathlon-Rennen nicht spätabends bei der Öl-Massage gewonnen werden – schon gar nicht bei Olympia. „Das ist sicher ein besonderes Rennen. Aber es ist die große Kunst, dass man es nicht als solches empfindet und einfach nur das tut,was man immer tut.“

Sumann versieht heute im Sprint über zehn Kilometer (15.30 Uhr) seinen Dienst mit der Waffe. Dass er überhaupt noch dabei ist, hat er seinem Ehrgeiz zu verdanken und auch seiner inneren Unruhe. 2012 hatte er eigentlich schon sein Karriereende verkündet, „aber die letzte Saison war so schlecht von mir, dass ich gesagt habe: ,So will ich nicht aufhören.‘ Da hätte ich keine Ruhe gehabt und wäre daheim wahrscheinlich nicht auszuhalten gewesen.“

Erfahrungsschatz

Der Steirer hat seinen Entschluss genauso wenig bereut wie seinerzeit den Wechsel von den Speziallangläufern zu den Biathleten. „Im Langlauf hätte ich nie solche Erfolge gefeiert. Wahrscheinlich würde ich dann heute irgendwo mit der Radarpistole stehen“, sagt der Polizist. „Das war die beste Entscheidung in meiner Karriere.“

Dass er mit seinen 38 Jahren noch immer nicht zum alten Schießeisen zählt, bewies der älteste österreichische Olympia-Teilnehmer bereits in dieser Saison mit den Rängen fünf und sieben in Hochfilzen. Dazu kann der Steirer auf seinen Erfahrungsschatz aus drei Olympischen Spielen zurückgreifen. „Im Biathlon geht nichts mit der Brechstange“, sagt der Gewinner von zwei olympischen Silbermedaillen. „Ich habe schon einiges auf der Habenseite und will mir kein Denkmal mehr setzen.“

Und die Sache mit dem Gewehr im Zimmer? Das wird sich bald erledigt haben, nach der Saison wirft Sumann die Flinte ins Korn.

Seinem Kollegen Ole Einar Björndalen (40) macht das Single-Dasein mehr zu schaffen. „Wenn meine Frau dabei ist, bleibt die Waffe vor der Tür. Wenn nicht, liegt sie im Doppelbett neben mir“, hatte der sechsfache norwegische Olympiasieger einst gesagt. Ob es Zufall ist, dass Björndalen von der Frau mittlerweile getrennt lebt?

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