Thema | Lernhaus 25.09.2012

Im Lernhaus lernen auch die Großen

Im Lernhaus lernen nicht nur Kinder und Jugendliche – auch die Berater von Accenture lernen dazu – ganz freiwillig.

Was ist die Steigerungsform von ,gut‘“? fragt der junge Mann mit den Lachfältchen um den Augen die beiden Mädchen. „Good – better – best“, sagt die eine siegessicher. „Seid ihr euch sicher? Wollt ihr keinen Joker einsetzen?“ Alle drei lachen.

Wolfgang Deix berät im Berufsleben Firmen über die besten IT-Systeme, hat viel mit Kunden zu tun. Nur lachen die etwas weniger. Ein Mal pro Woche sitzt er am großen weißen Tisch im Lernhaus in Wien-Fünfhaus, um mit Jugendlichen Vokabeln zu lernen, Wurzeln zu ziehen und geometrische Flächen zu berechnen. Ganz freiwillig und unbezahlt.

In der Freizeit

Klaus Malle (li.) besuchte das Lernhaus.
© Bild: KURIER/Stephan Boroviczeny

Deix ist einer von 21 Mitarbeitern des Beratungsunternehmens Accenture, die Kinder im Alter von 13 bis 15 Jahren im Lernhaus betreuen. „Es ist eine schöne Sache, Jugendlichen zu helfen, beim Lernen aufzuholen“, sagt er.

2011 waren es 800 Stunden, die die 21 ehrenamtlich tätigen Accenture-Mitarbeiter von ihrer Freizeit investiert haben. Das Unternehmen unterstützt das Lernhaus, das vom Roten Kreuz und von der KURIER Aid Austria (KAA) im Jahr 2010 initiiert wurde, seit Beginn an. Die Freiwilligen begleiten entweder als Mentor ein Kind oder sind für Kleingruppen zuständig.

Deix hilft zurzeit seinem 15-jährigen Mentee Josef bei Anschreiben für die Berufsschule. Für die pädagogische Leiterin des Lernhauses Rotes Kreuz, Aurelia Wolf, sind die Ehrenamtlichen „das Zuckerl“: „Sie können spezielle Hilfestellung geben, wo wir vielleicht schon betriebsblind sind.“

Globale Strategie

Nachhilfe: Kinder werden von Mentoren begleitet.
© Bild: KURIER/Stephan Boroviczeny

Durchgeführt wird das Projekt von Accenture als eines von weltweit 80 Projekten im Rahmen der weltweiten Initiative „Skills to Succeed“: 100 Millionen Dollar hat das Unternehmen bereit gestellt, um bis zum Jahr 2015 weltweit 250.000 Menschen in das Arbeitsleben zu integrieren, erzählt Geschäftsführer Klaus Malle. „Wir wollen auch Jugendliche dabei unterstützen, für das Berufsleben mehr Chancen zu haben. Gerade in Wien, wo man große Herausforderungen im Integrationsbereich hat, sind solche Projekte sehr wichtig.“ Die Kinder haben meist Migrationshintergrund. „Der Bedarf ist sehr stark gegeben, egal, ob für Sechs - oder 13-Jährige“, bestätigt Minoo Amir-Mokri-Belza, Leiterin Migration beim Roten Kreuz.

Accenture unterstützt das Lernhaus zudem monetär mit Spenden, im Vorfeld wurde der Verein auch pro bono von Accenture beraten. Die ehrenamtliche Arbeit der Mitarbeiter schätzt Malle sehr: „Ich bin sehr froh, dass sich so viele Leute gemeldet haben, und das gerne über einen längeren Zeitraum machen.“ Für Unternehmen sei es Pflicht, Freiwilligenarbeit zu koordinieren. „Wir sind ja eine Unternehmensberatung, arbeiten mit Menschen. Da ist es gut, sich auf einer breiten Basis mit Menschen zu beschäftigen“, sagt Malle. „Ich glaube, dass es den Kollegen viel für die Persönlichkeitsbildung bringt.“

Lernhaus: Mehr Chancen mit Bildung

Für Kinder Das Lernhaus in der Schwendergasse 25 im 15. Wiener Gemeindebezirk wurde im März 2010 von KURIER Aid Austria geöffnet. Von 13 bis 16.30 Uhr werden Kinder bis 12 Jahren, von 17 bis 20 Uhr Jugendliche zwischen 13 und 15 Jahren von Mitarbeitern des Roten Kreuz betreut. Ziel ist es, die Kinder – meist mit Migrationshintergrund – vor dem Scheitern in der Pflichtschule zu bewahren.

Verein Der Verein Kurier Aid Austria (KAA) wurde vom KURIER, Raiffeisen, UNIQA, der Österreichischen Bauwirtschaft und dem Roten Kreuz im Jahr 2004 gegründet, um nach dem Tsunami nachhaltige Wiederaufbauhilfe in Sri Lanka zu leisten.

( Kurier ) Erstellt am 25.09.2012