© NÖ Rotes Kreuz

Lernhaus
12/05/2013

Chance für einen besseren Start ins Leben

Die Arbeit des Österreichischen Roten Kreuzes für das Projekt „Aktion Lernhaus“

Nichts ist mächtiger „als eine Idee, deren Zeit gekommen ist“: Der Befund stammt vom französischen Schriftsteller Victor Hugo, einem großen Volksbildner des 19. Jahrhunderts. Und diese Erkenntnis stand im Mittelpunkt als das „Projekt Lernhaus“ im Herbst 2010 von KURIER Aid Austria mit demÖsterreichischen Roten Kreuzals Trägerverein erstmals angedacht wurde.

Die Idee war etwas gegen das Scheitern von Kindern in der Pflichtschule zu tun. Denn diese Misserfolge sind menschliche und gesellschaftliche Katastrophen. So kam es zum Beschluss, in Österreich Lernhäuser zu errichten – Stätten der Begegnung , des Lernens und Spielens geleitet von professionellen Pädagogen unter der Mithilfe von Freiwilligen des Österreichischen Roten Kreuz, bestimmt für benachteiligte Kinder.

In der Pension „habe ich jetzt den Luxus, das zu machen was ich gelernt habe, was ich gut kann und was mir ein Anliegen ist“, sagt die Sozialpädagogin Gerti Floch. Die vierfache Mutter und vierfache Oma ist Rot-Kreuz-Mitarbeiterin der ersten Stunde im Lernhaus Wien. „Über das Lesen läuft die gesamte Bildung. Es ist aber keinem Lehrer möglich, 25 Kindern nur in der Schulzeit flüssiges Lesen beizubringen. Da muss jemand außerhalb der Schulzeit da sein, zum Üben, zum Trainieren. Da kommt das Lernhaus ins Spiel. Wir wollen die Kinder zum Lernen hinführen.“

Es braucht wenig Hilfe, „weil Kinder ja prinzipiell lernwillig sind. Der Teufelskreis, dass Kinder von Arbeitern wiederum Arbeiter werden, wäre leicht zu durchbrechen. Die meisten hören aber nach der Pflichtschule auf, das war’s dann“, sagt Minoo Amir-Mokri, die Migrationsbeauftragte des Österreichischen Roten Kreuzes. Die 37-jährige Juristin weiß, wovon sie spricht. Sie selbst kam 1981 im Alter von acht Jahren nach Österreich, gemeinsam mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern. Sie waren Flüchtlinge aus dem Iran, nachdem Ajatollah Khomeini an die Macht gekommen war. „Zu Beginn haben meine Geschwister und ich kein Wort Deutsch gesprochen. Schon drei bis vier Monate später hatte ich meinen ersten Marienkäfer im Volksschulheft. Zu verdanken habe ich das einer – inzwischen verstorbenen – Klosterschwester, die ein bis zwei Mal in der Woche mit uns extra Deutsch gelernt hat“, erinnert sie sich. Damals zeigten sich die Österreicher von ihrer besten Seite. „Man hat uns mit offenen Armen empfangen. Mitschüler und Lehrer zeigten Interesse an unserer Sprache, unserer Kultur und Religion. Es war eine katholische Schule, doch das Gemeinsame stand im Vordergrund. Das hat mir sehr gefallen.“ Das Schulsystem hätte das allein nicht geschafft, ist sich Amir-Mokri sicher. „Das System leistet an sich gute Arbeit. Aber ein Lehrer allein kann das nicht bewerkstelligen. Viele Kinder haben einen erhöhten Förderbedarf und erhalten nicht die Hilfe, die sie bräuchten, um sich besser zu integrieren.“

Genau dort, nämlich bei der gezielten Förderung von Kindern mit Schwächen in Deutsch, setzen die Pädagogen und die Freiwilligen des Österreichischen Roten Kreuz in den Lernhäuser an und ihre Arbeit richtet sich an Kinder aus bildungsfernen Schichten, die sich Nachhilfe nicht leisten können

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