© KURIER/Marcus DEAK

Interview
12/04/2014

"Nicht passiv zuhören, aktiv mitmachen lassen"

Karin Garber führt im Vienna Open Lab bereits Fünfjährige an die Technik heran.

Die Reagenzgläser sind gewaschen, die Pipetten hängen auf ihrem Platz, die Mikroskope ruhen unter einem schützenden Tuch. Das Labor, wo vor wenigen Minuten noch Kinder mit Feuer experimentiert haben, ist wieder sauber. Denn hier, im Vienna Open Lab, lernen Kinder ab fünf Jahren die Naturwissenschaft kennen. Durch die Unterstützung der OMV im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsstrategie wurde vergangenes Jahr ein Ausbau des Labors auf 200 Quadratmeter ermöglicht. Leiterin Karin Garber erzählt, warum technische Frühförderung wichtig ist.

Molekularbiologisches Mitmachlabor – das hört sich sehr komplex an. Wie vermittelt man diese Inhalte an Kinder?

Karin Garber: Das Grundprinzip ist: Nicht passiv zuhören, sondern aktiv mitmachen lassen. Bei uns können sie selbst experimentieren und Forschung aus der Nähe erleben.

Wie reagieren Kinder, wenn sie das erste Mal mit Technik in Berührung kommen?

Sehr begeistert. Sie sind hier in einer authentischen Umgebung, tragen weiße Labormäntel, arbeiten mit echten Geräten. Sie erhalten eine herausfordernde Aufgabenstellung mit Alltagsbezug und dürfen das Problem selbst lösen.

Warum setzen Sie bereits bei Kleinkindern an?

Je jünger Kinder sind, desto offener sind sie. Sie saugen alles auf wie ein Schwamm. Man muss also früh mit der Vermittlung ansetzen, dann aber auch dranbleiben.

Gibt es Unterschiede in der Haltung von Mädchen und Buben gegenüber der Technik?

Beide sind sehr interessiert. Wenn etwas anders ist, dann vielleicht die Herangehensweise an Aufgaben. Mädchen gehen etwas strukturierter an ein Experiment heran, die Buben haben mehr Mut, auch mal andere Lösungswege auszuprobieren.

Welche Voraussetzungen brauchen Kinder, um besser zur Technik zu finden?

Es ist wichtig, dass Institutionen wie das Vienna Open Lab mit der Schule und dem Elternhaus kooperieren. Es müssen auch berufliche Perspektiven gezeigt werden. Viele Eltern arbeiten im Büro – ihre Kinder wissen gar nicht, dass es Berufe im Labor gibt. Ganz wichtig sind auch Rollenvorbilder. Es braucht sie, um mit Klischees über Wissenschaftler à la "verrückter Professor" auszuräumen.

Das zweite Labor konnte mit Unterstützung der OMV im Zuge ihrer Nachhaltigkeitsstrategie eröffnet werden. Was hat sich dadurch verändert?

Wir können jetzt größere Gruppen einladen. Im ersten Labor war Platz für 20 Personen, im zweiten können nun weitere 30 experimentieren.

Wie sehr sind Institutionen wie diese und die Wirtschaft voneinander abhängig?

Die Wirtschaft leidet am Facharbeitermangel und muss viel daran setzen, für qualifizierten Nachwuchs zu sorgen. Daher finde ich die Idee der OMV, auf mehreren Altersstufen unterstützend anzusetzen – wie etwa hier bei den Kleinen, bei den Technikqueens und an der Montanuniversität – gut. Es braucht Kontinuität in diesem Thema.


Karin Garber leitet seit 2006 das Vienna Open Lab am Institut für molekulare Biotechnologie in Wien

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