© (c) KURIER/Gerhard Deutsch

Interview
11/20/2014

"Hier findet jeder etwas, das ihn interessiert"

Gabriele Zuna-Kratky erklärt, wie man Technik zu den Menschen bringt.

Kurz bevor der ohrenbetäubende Gong ertönt, kracht es. Die Kinder schrecken auf, lachen sogleich aber wieder und laufen zur nächsten Experimentier-Station. Sie bewegen die Spiel-Sonne um Solarenergie zu gewinnen und üben an der Tankstation schon mal das Tanken – ein ganz normaler Mittwoch im Technischen Museum Wien. Der KURIER traf Museumsdirektorin Gabriele Zuna-Kratky im neu eröffneten Bereich Erdöl & Erdgas.

KURIER: Sie haben vor Kurzem den Erdöl-&-Erdgas-Bereich neu eröffnet. Wie schnell entsteht so eine Ausstellung?

Gabriele Zuna-Kratky: In diesem Fall war es sehr sportlich – wir haben sie innerhalb eines Jahres realisieren können. Normalerweise brauchen Sonderausstellungen bis zu vier Jahre Vorlaufzeit. Unsere Museumsexpert/innen haben hier sehr intensiv mit den Fachkräften der OMV zusammengearbeitet. Wir haben von ihnen auch viele Objekte zur Verfügung gestellt bekommen.

Erdöl hat eine lange Geschichte – und es gibt viele Stimmen, was dessen Zukunft betrifft. Wie kritisch darf so eine Ausstellung sein?

Dieser Bereich ist keine Werbeveranstaltung für einen Konzern. Im Technischen Museum soll ein Diskurs stattfinden, wir wollen die Leute informieren. Erdöl umgibt uns täglich – von der Zahnbürste bis zum Auto. Jeder findet hier etwas, das ihn interessiert.

Auch Technik an sich umgibt uns täglich. Dennoch gibt es eine Scheu davor.

Wenn man die Leute locker und spielerisch informiert, verlieren sie die Scheu. Man muss sie nur dort abholen, wo sie mit ihren Bedürfnissen stehen. In dem Moment, wo sie sich wiederfinden, sind sie auch bereit, Neues aufzunehmen.

In Österreich fehlt es seit Jahren an Techniker/innen. Was müsste sich ändern, damit sich mehr Menschen für diesen Bereich entscheiden?

Es braucht bessere Informationen und mehr Role Models. Und wir müssen Erwachsene, die mit ihren Kindern zu uns kommen, aufklären, welche technischen Berufe es gibt – viele kennen die Vielfalt gar nicht.

Sie haben für die neue Abteilung mit der OMV zusammengearbeitet, die im Zuge ihrer Nachhaltigkeitsstrategie den Bereich Bildung fokussiert.Ja, wir arbeiten immer wieder mit Firmen zusammen. Bei so einer großen Kooperation gibt es einen sehr intensiven Austausch. Wir können so Einblicke in ganz neue Bereiche geben.

Da kommt die Praxis mit der Institution zusammen. Wie funktioniert das?

Es gab schon kleine Diskussionen. Denn die Experten der OMV haben natürlich eine ganz andere Sichtweise. In vielen Gesprächen haben wir uns angenähert und aus der Praxis viel Wissenswertes herausfiltern können. Schlussendlich haben wir miteinander sehr gute Lösungen gefunden.

Wie steht das Technische Museum im internationalen Vergleich da?

Wie alle Museen haben auch wir einzigartige Objekte und unsere historisch gewachsene Sammlung hält dem internationalen Vergleich stand. Gleichzeitig müssen wir aber auch den Blick für die Zukunft schärfen – sonst könnten wir für die Besucher bald nicht mehr interessant sein. Deshalb sind Kooperationen wie diese unheimlich wichtig. Wenn ein weltweit agierendes Unternehmen Engagement im Bildungsbereich zeigt, ist das gut für beide Seiten.


Die neu errichtete Erdöl & Erdgas Dauerausstellung wurde in Kooperation mit der OMV entwickelt