Candida Höfer setzt Architektur - hier ein Stiegenhaus - meisterhaft ins Bild: „Stahlhof II“, 2012 / Jack White lieferte 2014 in Wien ein  dreistündiges Konzert, das alle Konventionen auf den Kopf stellte.

© Candida Höfer, Köln, VBK Wien 2014 / David James Swanson

Schauen, hören – und fühlen
12/24/2014

Schauen, hören – und fühlen

Das besten Ausstellungen und die besten Pop-Künstler und -Künstlerinnen 2014.

von Michael Huber, Brigitte Schokarth

Die Berichterstatter über Popmusik und bildende Kunst kommen sich in der Kulturredaktion des KURIER eher selten in die Quere: Beide Metiers sind seit langem unverzichtbare Bestandteile unseres journalistischen Programms, die so genannte "Hochkultur" wird nicht gegen die Popkultur ausgespielt. In beiden Metiers versuchen die KURIER-Redakteure für neue Entwicklungen und Trends offen zu sein, sind sich aber auch des Umstands bewusst, dass sowohl Kunst als auch Pop über eine Geschichte und über Traditionen verfügen, die genauso Respekt und Auseinandersetzung verdienen.

Weil Ausstellungen jahrhundertealter Kunst dennoch kaum mit Präsentationen ganz neuer Werke vergleichbar sind, hat KURIER-Kunstkritiker Michael Huber je eine "Best-Of" Liste für Ausstellungen zeitgenössischer Kunst und für museale, historische Präsentationen gewählt. Im Pop, wo die Vergleichszeiträume im Verhältnis etwas kürzer sind, hat KURIER-Kritikerin Brigitte Schokarth ihre beiden Bestenlisten zu den beachtenswerten Leistungen von Künstlerinnen und Künstlern erstellt.

1. Candida Höfer „Düsseldorf“

Wäre die umfassende Werkschau der deutschen Top-Fotografin in Wien gezeigt worden, wäre das mediale Echo wohl groß gewesen. So aber fand die Top-Zeitgenossen-Ausstellung 2014 still in der Linzer Landesgalerie statt: Das Werk der Fotografin, die die methodische Strenge ihrer Lehrer Bernd und Hilla Becher in großformatige, wirkmächtige Bilder übersetzt, zeigte, was Fotografie kann und warum sie – um einen Buchtitel des Theoretikers Michael Fried zu zitieren – „als Kunst heute so bedeutend ist wie nie zuvor.“

Mehr zu dieser Ausstellung finden Sie hier.

2. Made in Austria

Karlheinz Essl installierte Highlights seiner Sammlung österreichischer Kunst seit 1945 in seinem Klosterneuburger Museum: Werke von Hundertwasser bis Nitsch, von Weiler bis Scheibl wurden in erhellenden Konstellationen präsentiert. Auch wenn es der Schau nicht gelang, der Republik einen Ankauf der Sammlung schmackhaft zu machen, demonstrierte Essl seine Kennerschaft und zeigte, was das Land an seinem Museum hat. Der Kernbestand wurde mit Hilfe von Hans Peter Haselsteiner dann auch gesichert.

Mehr zu dieser Ausstellung finden Sie hier.

3. Josef Dabernig

Selten wurde konzeptuelle Kunst so ansprechend gezeigt wie in der Werkschau „Rock the Void“ im Wiener mumok: Der ordnungsliebende Kärntner Josef Dabernig baute eine Art „Museum im Museum“, um seine nach strengen Prinzipien ausgeführten Filme, Zeichnungen und Foto-Serien zu präsentieren. Die Zusammenschau half, die Kunstwerke, die isoliert manchmal spröde und schwer verständlich wirken, in das Gedankengebäude einer faszinierenden, durchaus humorfähigen Künstlerpersönlichkeit einzuordnen.

Mehr zu dieser Ausstellung finden Sie hier.

1. Velázquez im KHM

Das Werk des spanischen Meister-Malers (noch bis 15. Februar 2015) hat das Zeug dazu, auch weniger Kunstsinnige zu „bekehren“: Selten erlebt man die Lust an der Malerei und die geniale Fähigkeit eines Malers, Eindrücke in Bilder zu verwandeln, so unmittelbar wie bei diesen Gemälden. Mit einem repräsentativen Querschnitt – vom Frühwerk über repräsentative höfische Porträts bis hin zu mythologischen Szenen – erzählt die Schau auch viel über die Gebräuche im 17. Jahrhundert. Doch niemand braucht hier Wissenslücken zu fürchten, die Kraft der Kunst räumt alle Hindernisse weg.

Mehr zu dieser Ausstellung finden Sie hier.

2. Die Gründung der Albertina

Mit der Präsentation zur Entstehung der Sammlung unter Herzog Albert von Sachsen-Teschen setzte die Albertina eine museale Großtat abseits der Blockbuster-Logik. Trotz Dürers „Feldhasen“ als Aushängeschild kam die Botschaft nicht ganz an, und so wurde der Titel während der Laufzeit in „Dürer, Michelangelo, Rubens“ geändert. Der Qualität der Schau – samt Prunksilber, Möbeln und Top-Grafiken – tat dies keinen Abbruch.

Mehr zu dieser Ausstellung finden Sie hier.

3. Henri de Toulouse-Lautrec

Das Bank Austria Kunstforum Wien lieferte den Beweis, dass Großausstellungen zu den „Superstars“ der Moderne sich nicht in der Heranschaffung der Originale von sattsam bekannten Postermotiven erschöpfen müssen. Die Schau zu Toulouse-Lautrec (noch bis 25. Jänner 2015) zeigt tatsächlich kaum gekannte Seiten und außergewöhnliche Werke von einer der faszinierendsten Künstlerpersönlichkeiten überhaupt.

Mehr zu dieser Ausstellung finden Sie hier.

1. Jack White

So schön mit allen Konventionen gebrochen wie Jack White hat anno 2014 keiner: Bei seinem Wien-Konzert zeigte der 39-Jährige wie man früher – bevor Konzerte zu inszenierten Shows wurden – musizierte: Ohne Plan drauflos spielen, jedem spontanen Instinkt folgen, improvisieren, nicht geprobte Songs abrufen, weil’s grad Spaß macht. Das kann nicht jeder. White konnte es drei Stunden lang, steigerte sich in der zweistündigen Zugabe in einen hypnotischen Spielrausch, der für die Zuschauer ein einmaliges Erlebnis war.

2. George Ezra

Mai 2013: George Ezra, gerade auf Interrail-Tour, sitzt in Malmö und schreibt einen Song darüber, dass er heute so verkatert ist, dass er seinen Zug nach Budapest verpasst hat. Das Lied „Budapest“ wurde 2014 zum Hit, George Ezra zum Aufsteiger des Jahres. Und der 21-jährige Brite bewies danach mit dem Album „Wanted On Voyage“ und zwei Konzerten, dass er mehr zu bieten hat, als einen Hit und ein süßes Gesicht: Er ist versierter Gitarrist, talentierter Songwriter, hat eine einzigartige Stimme und gewinnenden Spitzbuben-Charme.

3. Robbie Williams

Bei seinen umjubelten Swing-Shows im Frühjahr in der Wiener Stadthalle zeigte Williams nicht nur (einmal mehr) hervorragenede Entertainer-Qualitäten sondern auch die Liebe zu diesem Genre. Dabei waren die Konzerte ein breiter Spagat: Von Swing-Klassiker zu selbstverfassten Swing Songs. Von den 30ern bis zu den 90ern. Von der glamourösen, gediegenen Eleganz eines Ballsaals zum derben Williams Charme und seinen clownesken, anzüglichen Einlagen. Ein breiter Spagat, den Williams souverän meisterte.

1. St. Vincent

Als „verrückt und zugänglich zugleich“ bezeichnet St. Vincent ihre Musik. Damit bringt die als Ann Clark geborenen US-Musikerin auf den Punkt, was ihren Sound ausmacht: Zickige Arrangements aus Geräusch-Collagen, zischender, tickender Elektronik und zerrenden, schrillen Gitarren. Dazu Melodien, die keine Scheu vor Pop-Appeal kennen, exaltiert und leidenschaftlich gesungen. Mit dem – vielleicht nicht zufällig – „St. Vincent“ betitelten fünften Album hat die 32-Jährige heuer diesen Stil zur Hochblüte gebracht und den Sprung vom Insider-Geheimtipp zum Liebling aller Musik-Kenner geschafft.

2. Kate Bush

80.500 Karten für 22 Konzerte in 15 Minuten ausverkauft: Das Live-Comeback von Kate Bush – nach 35 Jahren – im Hammersmith Apollo in London war der Hype des Pop-Jahres 2014. Dabei inszenierte die 56-Jährige ihren „The Ninth Wave“-Songzyklus mit Requisiten und raffinierten Videoprojektionen so, dass der Kritiker des Guardian schrieb: „Das ambitionierteste und bewegendste theatralische Pop-Stück, das man je gesehen hat.“

3. Annie Lennox

Die einstige Eurythmics-Frontfrau in der neuen Rolle als Interpretin des „Great American Songbook“: Mit ihrer jüngsten CD „Nostalgia“ widmet sich Annie Lennox Titeln wie „Summertime“ und „I Put A Spell On You“. Doch wo Rod Stewart und Konsorten in kitschigen Streichern baden, bleibt die (ab Donnertag ) 60-Jährige reduziert und verlässt sich weitgehend auf ihre Stimme und ihr Einfühlungsvermögen. Das Resultat: Gänsehaut-Feeling.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.