Das unheilvolle späte Erbe eines Krieges

Das unheilvolle späte Erbe eines Krieges
Der Erste Weltkrieg veränderte die politische Karte Europas von Grund auf – und ist die Wurzel vieler bis heute fortdauernder Krisen.

Das „kurze 20. Jahrhundert“ nannte der große sozialistische Historiker Eric Hobsbawm die Zeitspanne zwischen dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 und dem Fall der Berliner Mauer 1989. Mit dem Attentat von Sarajewo begann der Zusammenbruch der großen europäischen Dynastien, die die Welt beherrschten, das Zeitalter des Imperialismus ging zu Ende. Das Aufkommen von Faschismus und Stalinismus und damit der Weg in den Zweiten Weltkrieg war nur auf den Trümmern dieser Weltordnung möglich. Die missglückte Neuordnung Europas im Geiste des 14-Punkte-Programms von US-Präsident Wilson trug dazu bei, Generationen von Europäern zu Opfern grausamer Diktaturen und eines neuerlichen Weltkrieges zu machen.

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Doch mit dem Ende dieser Diktaturen, mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und ihres Machtblocks, war der Schlusspunkt nicht gesetzt.

Die berühmte These des Historikers Francis Fukyama vom „Ende der Geschichte“, die er zu Beginn der 90er-Jahre veröffentlichte, ist inzwischen widerlegt. Weder ist Fukyamas Vorstellung von der immerwährenden Dominanz westlicher Demokratie und Marktwirtschaft Realität geworden, noch hat Europa zu unerschütterlicher Stabilität gefunden.

Die Konflikte im Überblick

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Von Wohlstand verdeckt

Die Bruchstellen, die heute quer über diesen Kontinent sichtbar werden, sind oft jene, die sich vor 100 Jahren erstmals weit geöffnet haben. Grenzen, die der Erste Weltkrieg und danach die Siegermächte zogen, trennen bis heute Menschen und Landschaften. Krisenregionen sind oft nur oberflächlich zur Ruhe gekommen, Konflikte, wie etwa in Südtirol, nur durch allgemeinen Wohlstand zugedeckt – und der ist gerade in Krisenzeiten gefährdet. Das proklamierte Ende der Geschichte scheint also abgesagt. Vielmehr sprechen Historiker heute von einer „Rückkehr der Geschichte – und diese beginnt in vielen Fällen auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs und mit den Friedensverträgen danach. Der KURIER versucht auf den vorliegenden zwei Seiten einen Überblick über Krisen und Konflikte, in denen der Ungeist des Weltkriegs, der vor 100 Jahren begann, fortlebt.Morgen:Die besten Ausstellungen und Termine zu 100 Jahre Erster Weltkrieg.

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