Weiße Kreuze erinnern im Garten des Palais Porcia an die Gefallenen des Weltkrieges. Historiker sprechen von 18 Millionen Toten. Die Bürokratie der k. u. k. Armee kam mit den Aufzeichnungen nicht mehr nach.

© KURIER/Franz Gruber

Geschichte
06/16/2014

1. Weltkrieg: Helden und Kampfeinsatz der Medien

Eine Ausstellung zeigt die zentrale Rolle der Presse als militärisches Propaganda-Instrument.

von Margaretha Kopeinig

Das Telegramm mit der Kriegserklärung an Serbien wurde am 28. Juni 1914 um 11.10 Uhr in Wien abgeschickt. Am selben Tag wurde der Text in der amtlichen Wiener Zeitung veröffentlicht. Andere Medien publizierten Sondernummern: "Extraausgabee–!" tönte es durch das ganze Land, und der Ausbruch des Krieges versetzte die Menschen in einen wahren Freudentaumel.

"Extraausgabee–!" ist auch der Titel einer Ausstellung im Wiener Palais Porcia (siehe unten). Die Presse wird als "papierene Waffe" gezeigt, Fotos und Filme als Medien zur Verharmlosung des Grauens.

Kontrolliert wurden die Blätter vom Kriegsüberwachungsamt. Eifrige Zensoren kreuzten mit Rotstift jene Artikel oder Textstellen an, die für die Druckausgabe zu eliminieren waren. Das führte nicht selten zu riesigen weißen Flecken. Unterwürfig gehorchten die meisten Zeitungen dem Diktat von oben.

Die "Traumfabrik" der Monarchie war das Kriegspressequartier (KPQ), der Arbeitsplatz der Fälscher und Täuscher. Hier wurden sofort ab Kriegsbeginn harmlose Texte fabriziert, über den Kriegsverlauf schwadroniert sowie Fotos und Filme bearbeitet. Bekannte Schriftsteller, Maler und Komponisten arbeiteten freiwillig. Zu den prominentesten Mitgliedern des KPQ zählten Stefan Zweig, Robert Musil, Alfred Polgar, Egon Erwin Kisch, Alexander Roda Roda und Rainer Maria Rilke. Sie gaben den Inhalten den besonderen Spin.

Maler und Fotografen wurden an die Front geschickt. Oskar Kokoschka war am Isonzo und wurde dort schwer verletzt. Albin Egger-Lienz malte seelenlose Körper, Gesichter ohne Augen. In der Ausstellung sind die Werke zu sehen.

"Kein Land hat Medien, Journalisten und Künstler so in den Dienst der psychologischen Kriegsführung und Kriegspropaganda gestellt wie Österreich", sagt der Direktor des Staatsarchivs, Wolfgang Maderthaner. Der Zeithistoriker ist für den Inhalt der Ausstellung zuständig, die gestalterische Umsetzung lag bei Hans Hoffer, dem Leiter des Max-Reinhardt-Seminars. Fügt man Raum für Raum aneinander, gleicht die Ausstellung einem einzigen düsteren Bühnenbild: Zerstörung, Tod, Sinnlosigkeit werden deutlich.

Nach kurzer Zeit änderten viele kriegsbegeisterte Künstler ihre Einstellung. "Die Lebenslust ist in uns gestorben, wir sind von Toten und Sterbenden umgeben", schrieb Kisch verzweifelt.

Ende Dezember 1914 zählte die Monarchie 1,8 Millionen Opfer (Tote, Verwundete, Gefangene), insgesamt kamen im Ersten Weltkrieg rund 18 Millionen Menschen ums Leben. An den "Heldentod" erinnern symbolhaft die Kreuze im Garten des Palais Porcia.

Karl Kraus als Rebell

Der Einzige, der sich nicht von der Kriegseuphorie mitreißen ließ, war Karl Kraus. In seiner Fackel schrieb er unermüdlich gegen den Krieg. Kraus hört man in der Ausstellung im Originalton, bekannte Schauspieler lesen Passagen aus "Die letzten Tage der Menschheit".

Das Interesse an der multimedialen Aufbereitung ist groß. Heute, Montag, führt Kulturminister Josef Ostermayer persönlich eine Schulklasse durch die Ausstellung. Junge Besucher erkunden gerne den Schützengraben, vom Feldkino im Innenhof des Palais sind sie angetan. In einem Holzverschlag werden alte Dokus über Schlachten der k. u. k. Armee gezeigt, alles Aufnahmen, die für die neugierige Öffentlichkeit nachgestellt wurden. Die Kriegsbefürworter wollten keine Greuel und keine zerfetzten Soldatenkörper sehen, Siegestriumph wurde vorgetäuscht.

"Alles wurde inszeniert und mit der Fortdauer und Ausweglosigkeit des Krieges nahmen die Propaganda-Anstrengungen zu", resümiert Maderthaner.

Ausstellung "Extraausgabee–!"

Von der Rolle der Medien als Propaganda-Instrument im Ersten Weltkrieg (1914–1918) handelt die Ausstellung. Erstellt wurde die Schau im Auftrag des Bundeskanzleramtes und des Österreichischen Staatsarchives aus Anlass des 100. Jahrestages des Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Die Ausstellung macht deutlich, wie Medien und Kulturschaffende für die Zwecke des Krieges eingesetzt und missbraucht worden sind.

Ort und Ausstellungsdauer
Palais Porcia, Herrengasse 23, 1010 Wien. Die Ausstellung läuft bis zum 31. Oktober 2014.

Öffnungszeiten
Werktags von 9.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt und der Katalog sind gratis.

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