Style
30.10.2017

Wie die Fussl Modestraße so erfolgreich wurde

Ein neues Buch über Karl Mayr, den Gründer der Fussl Modestraße, gibt Einblicke in die Firmengeschichte.

Die " Fussl Modestraße" hat aktuell über 160 Filialen in Österreich und Bayern, die Eröffnung weiterer ist geplant, 1.200 Mitarbeiter, 150 Mio. Euro Umsatz. Entstanden mit viel Innviertler Beharrlichkeit aus einer einstigen Landkrämerei. Das beschreibt ein Buch über den Gründer des Unternehmens Karl Mayr (81), das am 9. November, im Fussl Haus in Ried im Innkreis präsentiert wird.

Tabak, Zuckerl und Stoffe

"Frisch außa, wias drin is, net kriacha am Bauch, ins G'sicht schaun und d'Händ geb'n, is Obaösterreicha Brauch." Dieses Motto von Karl Mayr gilt auch für das Buch über ihn, das sein jüngerer Bruder und früherer APA-Chefredakteur Wolfgang Mayr aus Transkripten von Gesprächen mit dem Firmenpatriarchen verfasst hat. Bereits 1871 betrieb Urgroßvater Felix Fußl eine Landkramerei in Ort im Innkreis in Oberösterreich. Deshalb wird die Gründung des heutigen Unternehmens, dessen Zentrale sich nach wie vor dort befindet, auf dieses Jahr zurückgeführt. Ein derartiger Laden versorgte jeweils rund 200 Bewohner eines Dorfes mit allem, was sie nicht selbst erzeugten, aber für das tägliche Leben benötigten: Gewürze, Tabak, Zuckerl, Waschmittel, Geschirr, Papierwaren, Stoffe, Farben, Sensen, Nägel.

Weil es in der Fußl-Familie keinen Nachfolger gab, stieg 1954 der knapp 18-jährige Karl Mayr, Sohn eines eingeheirateten Lehrers, in das Geschäft ein. Formal übernahm er mit 30. Er hatte die Handelsschule und Praktika in zwei Geschäften - "Gemerkt habe ich mir, was sie falsch gemacht haben" - absolviert. Ihm schwebte "ein Laden mit fünf, sechs Verkäuferinnen" vor. Er blieb beim Namen Fußl, aber aus werbetechnischen Gründen wurde auf das "ß" verzichtet und auf Fussl umgestellt. Denn Werbung aller Art war ihm immer wichtig. Anfangs Postwurfsendungen mit Flugblättern, später Plakatwände und aktuell auch Inserate. Das Sortiment wurde ständig erweitert - "für unser breites Angebot und die verschiedenen Dienstleistungen brauchten wir 13 Gewerbescheine". Auch die Verkaufsfläche wuchs.

Der Blick in andere Geschäfte, zur Konkurrenz, zu Freunden, in die USA und in Fachliteratur inspirierte. So entstand in Ort "Das erste Innviertler Selbstbedienungs-Warenhaus". Es gab jedoch auch Rückschläge. Die erste Filiale in Obernberg war am falschen Platz und einfach zu klein, der Versandhandel war nur "ein aufwendiger, aber interessanter Versuch".

Dann ein Sortimentswechsel: Zuerst fielen die Lebensmittel weg, der Einstieg in den Sportartikelhandel wurde rückgängig gemacht, auch der Schuhhandel wurde beendet. Schritt für Schritt erfolgte die Spezialisierung auf Textilien. Die Expansion 1981 mit einem Geschäft in Ried im Innkreis war ein Erfolg. Ab 1988 wurden im Jahresrhythmus neue Geschäfte eröffnet. Dafür wurde sogar ein eigener Ladenbau gegründet.

Mayr betätigte sich - nicht zuletzt weil sein Unternehmen von 28 verschiedenen Behörden geprüft wurde - auch als "einsamer Rebell aus dem Innviertel" im Kampf gegen die "Bürokratur, die Diktatur der Bürokraten". Er resümiert, dass er "nicht zu gewinnen war". Nicht zuschauen konnte er, dass der 8. Dezember, Mariä Empfängnis, in Österreich ein staatlicher Feiertag war, im benachbarten Bayern aber die Geschäft offen waren. Der Kaufkraftabfluss dorthin betrug rund 300 Mio. Schilling - inflationsbereinigt 60 Mio. Euro. Deshalb sperrte er 1978 einfach auf und verzeichnete an diesem Tag den bis dahin größten Tagesumsatz. Erst seit 1995 gibt es eine klare Regelung für den Feiertag.

Im Jahr 2000 schieden Karl Mayr und seine Frau Berti - eine Kaufmannstochter aus dem Weinviertel - aus dem Unternehmen aus. "Wir arbeiteten genauso weiter wie vorher, nur bezogen wird kein Gehalt mehr." Die neuen Chefs waren die Söhne Karl und Ernst, erst 28 und 26 Jahre alt. "Es ist wie beim Fußball, du darfst gute Spieler nicht zu lang auf der Bank sitzen lassen, denn sonst verlieren sie die Lust oder wechseln den Verein", sagt der Seniorchef. Für den Erfolg zusammen mit seiner Ehefrau nennt er etliche Gründe: Talent und Gespür, immer offen für Neues, Entscheidungen mit Hausverstand. Vor allem aber, "dass wir Arbeit nicht als Belastung empfanden. Wahrscheinlich arbeiteten wir mehr, waren fleißiger und mutiger als andere."