Style 13.02.2017

Vintage-Trend: Alte Stücke als neue Wertanlage

© Bild: /Hersteller

Expertin Pénélope Blanckaert über den exklusiven Mode-Markt.

Vintage ist keineswegs "altmodisch" – auch wenn es das Wort nahelegt. Im Gegenteil: Kollektionen vergangener Tage liegen im Trend, Versteigerungen historischer Mode und Accessoires boomen. Das französische Auktionshaus Artcurial feiert seit dem ersten Ausrufen von Hermès-Vintage-Bags in den 2000er-Jahren Erfolge.

Der KURIER traf Pénélope Blanckaert, Direktorin von " Hermès Vintage & Fashion Arts", anlässlich der Vintage-Expertentage und der Ausstellung von Marina Faust in Wien (siehe unten). Blanckaert organisiert auch regelmäßig Verkäufe alter Exklusiv-Stücke.

KURIER: Woran liegt die steigende Nachfrage bei den jährlichen drei Vintage-Auktionen in Paris und Monaco?

Pénélope Blanckaert: Mit Hermès ist das einfach erklärt. Die Nachfrage übersteigt die Produktion. Bei unseren Auktionen können die Kundinnen etwa ihre heiß ersehnten Birkin-Bags gleich mitnehmen, anstatt jahrelang darauf zu warten. Wobei die Käufer in Paris und Monaco unterschiedliche Ware suchen. In Paris wird Patina und Authentizität geschätzt, in Monaco werden bei den Handtaschen ein neuwertiger Zustand und ungewöhnliche Designs bevorzugt.

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Ist Vintage-Mode das neue Statement und Statussymbol?

Vintage Mode ist eine neue Kaufgewohnheit, die rasant ansteigt. Im Gegensatz zur schnellen Mode erlaubt sie, einen eigenen Stil zu zeigen und sich damit zu unterscheiden. Es ist der Weg der Singularisierung. Zudem ist Vintage-Mode ein Zeichen von Modewissen. Deshalb versuchen wir, unseren Horizont zu erweitern, indem wir Modefotografie, Modeschmuck und Kleidung verkaufen, die authentische Mode-Geschichte erzählen.

Welche Labels sind unter Modesammlern begehrt?

Wir bevorzugen etwa Designer, die ein Spiegelbild der Fashion-History sind. Wie etwa Poiret, Schiaparelli oder Vionnet, Balenciaga, die durch ihr unglaubliches Können bestechen, sowie Designer, die eine ästhetische Revolution hervorriefen. Zu diesen zählen Christian Dior mit dem New Look, sämtliche japanische Designer der 1980er-Jahre sowie Martin Margiela in den 1990er-Jahren. Stücke dieser Designer gewinnen immer mehr an Wert und Nachfrage. Andererseits versuchen wir, Designer, die diskret ihre Ära markieren, neu zu entdecken, da sie eine Quelle der Inspiration für zeitgenössische Mode sein können. Aber ein echter Sammler kauft, was er mag, und denkt nicht darüber nach, wie er seine Stücke wieder verkaufen wird.

Wie sieht es bei Accessoires, Uhren und Schmuck aus?

Die Artcurial-Schmuck- und Uhren-Abteilung handelt mit Schmuck aus dem Haus Cartier oder Van Cleef & Arpels. Wir von Fashion&Arts nehmen Modeschmuck und Uhren von Hermès und Chanel. Unser Ziel ist es, ihre Modegeschichte sowie das Savoir Faire der Modeschmuck-Designer wie Roger Scémama, Robert Goossens oder Maison Gripoix wieder wach zu rufen. Auch hier ist die Nachfrage so groß, dass wir weitere Schmuckauktionen für April und Juni geplant haben.

Welcher Trend zeichnet sich bei Mode-Sammlerinnen ab? Gibt es eine Modedekade, aus der die Kollektionen besonders nachgefragt werden?

Es sind immer die gleichen Namen, die gefragt sind. Offensichtlich sind auch Vorkriegs-Couturiers beliebt, ihre Kreationen gelten als Kunstwerke, und das Angebot wird immer seltener. Mittlerweile bemerken wir fast einen Gleichstand zwischen zeitgenössischer Mode und Trend-Dekaden. Die Mode der 1970er-Jahre ist noch immer ein Renner. Das sehen wir bei unseren Auktionen, da spüren wir je nach Gebot, welche Trends in Mode kommen. Allerdings ist es auch eine Frage des persönlichen Geschmacks. Wir kennen einen Sammler, der nur Mode aus den 1940er- und 1980er-Jahren sucht – was nicht verwunderlich ist, vergleicht man die Silhouetten der beiden Jahrzehnte.

Worauf sollte man achten, wenn man Vintage-Mode online kauft?

Am besten man wählt eine Website, die auf Vintage spezialisiert ist und die die Echtheit der Stücke garantiert. Immer auf Etikett, Größe, Alter und Zustand achten.

Ausstellungs-Tipp: Die in Wien und Paris lebende Künstlerin und Fotografin Marina Faust dokumentiert in der Ausstellung „The archive box – 20 Jahre mit Martin Margiela“ die zeitgenössischen Kleidungsstücke des Design-Stars in poetischen Fotografien.

Zu sehen bis 3. März bei Artcurial, Wien 1, Rudolfsplatz 3

www.artcurial.com und www.marinafaust.com

( kurier.at ) Erstellt am 13.02.2017