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freizeit Mode & Beauty
12/05/2011

René Schopf: "Vertreibe keine China-Ware"

Der Wiener Concept Store-Betreiber René Schopf läutet mit "White Rabbit" eine neu Ära ein: Mode, Design und Kunst auf einem Raum, zeitlos, klassisch und mit Hintergedanken. KURIER.at fragte nach.

Concept Stores sind auch in Wien nichts Neues mehr, aber das Konzept von René Schopf sehr wohl: Der gelernte Friseur betreibt seit einem Jahr den Shop "White Rabbit" in der Wiener Innenstadt und hat sich dort nicht nur auf Mode und Accessoires spezialisiert, sondern vertreibt auch Kosmetik, Design sowie Kunst - als erster Concept Store Österreichs auf einer Ausstellungsfläche. Erreichen will er damit Studenten, genauso wie Businessleute, die im Jahr Millionen umsetzen, Hauptsache seine Kunden wissen was sie wollen. KURIER.at hat den jungen Pionier auf der Fischerstiege 1 besucht und das Konzept hinterfragt.

KURIER.at: Im Wien gibt es mittlerweile eine Reihe von Concept Stores, was unterscheidet White Rabbit von den anderen Shops?
Rene Schopf: Bei uns steckt wirklich eine Philosophie dahinter, was wir verkaufen. Wir vertreiben nicht einfach Designer, die gute Kollektionen machen, sondern suchen uns Stücke heraus, die ein ganzheitliches Konzept ergeben. Bei uns kann man zum Kleid eine Vase kaufen, die stimmig dazu passt, wie du dich fühlst. Außerdem wechseln wir sehr oft das Sortiment, wir bieten dem Kunden ständig etwas Neues. Und wir arbeiten sehr A-Saisonal, also zeitlos. Natürlich ist im Sommer die Mode leichter und im Winter schwerer, aber wir versuchen grundsätzlich, nicht nur in Saisonen zu denken - gibt's außerdem eh nicht mehr wirklich, wenn wir uns das Wetter in Österreich anschauen. (lacht)

Wonach wählen Sie Designer aus?
Es sollten in erster Linie kleinere Betriebe sein, ich möchte nicht China-Ware vertreiben, das machen schon genug andere. Bei White Rabbit findet man kleine Designer, die womöglich gerade ihre erste Kollektion herausgebracht haben, genauso wie große Namen - solange die Qualität passt und ich persönlich dahinter stehen kann.

Sie suchen also nach Handgefertigtem?
Genau, mir geht es um den Manufakturgedanken, dass Leute wirklich noch dafür arbeiten. So findet man bei mir Unikate oder Teile, die in kleiner Auflage gemacht worden sind. Und das ist mir extrem wichtig.

Findet man bei White Rabbit auch Pelz?
Momentan nicht, aber kommt bestimmt irgendwann. Allerdings bin ich gegen Tierquälerei. Ich kenne viele Designer die mit fair gehandeltem Pelz arbeiten, sprich aus natürlichem Tod, von natürlichen Farmen. Wo Tiere nicht in Käfigen herumhocken und nach 6 Monaten geschlachtet werden. Das finde ich okay und dann passt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis.

Also ist fair gehandelter Pelz günstiger?
Ja, ein Fuchspelz zum Beispiel kostet in der Massenproduktion 20.000 Euro, ein natürliches Modell bekommt man um 1000 Euro. Es dauert halt länger bis man einen Mantel zusammen hat.

Wird bei den Kosmetik-Marken genauso an die Natur gedacht?
Ja, wir bekommen jetzt Produkte von Susanne Kaufmann. Sie stellt im Bregenzer Wald alles aus natürlich Kräutern her. Dann bekommen wir noch Malin und Goetz aus New York, sie produzieren in Italien ebenfalls aus natürlichen Ressourcen. Man schadet der Umwelt nicht und es ist gut für die Haut.

Sie werden in Zukunft auch Kunst vertreiben. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?
Kunst hat mich immer schon interessiert und es gibt, ebenso wie bei Designern, immer mehr innovative Künstler. Kunst, Mode und Design, das ist alles eines, jeder hat diesen kreativen Prozess hinter sich.

Könnte die Kunst als Deko missverstanden werden?
Die Angst hatte ich ursprünglich auch, aber nachdem wir mit sehr vielen Kunstobjekten arbeiten, verstehen die Kunden nach und nach, dass es nicht nur Deko ist, sondern dass man die Deko auch kaufen kann.

Und dann wird es noch Möbel geben …
Ja, als erstes nehmen wir Möbel von e15 aus Deutschland, eine Designfirma die mit der Schmuckdesignerin Saskia Diez oder dem Modeschöpfer Kostas Murkudis zusammenarbeitet. Es wird Stühle, Schmuckdosen und Beistelltische geben, alles in streng limitierte Auflage, alles per Hand gemacht.

Praktisch und Design - ein Sessel auf dem man nicht sitzen kann, hat so ein Sessel überhaupt seine Berechtigung?
Ja, weil es nicht unbedingt um den Nutzen des Objekts geht, sondern um die Ästhetik.

Sie haben ursprünglich das Handwerk des Friseurs gelernt, wie sind sie da auf die Idee gekommen einen Concept Store zu machen?
Weil es in Wien bisher nur langweilige Sachen gegeben hat. Ein, zwei gute Shops schon, aber der Rest war eher zum Vergessen. Wien hat potenzial, es gibt viele junge Designer die wirklich gute Sachen machen und das braucht einen Standort, wo das Design erkannt wird. Etwas, das es in Wien bisher nicht wirklich gab. Alle internationalen Shops arbeiten nur mit großen, was schön und gut ist, für die junge Szene und vor allem für die jungen Leute aber immer unleistbar sein wird. Deswegen habe ich mir gedacht, da muss mal jemand her, der das ein bisschen aufmischt und aufräumt.

In welcher Preisklasse bewegen sich Ihre Produkte?
Beginnt bei zehn Euro und geht bis über 1000 Euro, weil man doch verschiedenen Zielgruppen bedienen muss, aber im Durchschnitt ist für jeden etwas dabei.

Wie ist White Rabbit eigentlich zu seinem Namen gekommen?
Meine Geschäftspartnerin und ich sind in unserer Kreativität oft sehr verloren und sehr hektisch, dadurch kamen wir irgendwann auf "keine Zeit keine Zeit" und folge dem weißen Hasen (aus "Alice im Wunderland", Anm. d. Red.). Irgendwie hat uns dann der weiße Hase komplett verfolgt, überall waren weiße Hasen und schicksalsmäßig haben wir dann beschlossen, dass es der weiße Hase wird.

Wie sieht die Zukunft von White Rabbit aus?
Geplant ist ein weiteres Geschäft, mit einer größeren Ausstellungsfläche. Eventuell kommt auch irgendwann unsere eigene Produktlinie.

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