Style
29.05.2018

Precious Plastic Vienna: Was aus Plastik-Granulat entstehen kann

Vier Wiener Studenten loten aus, wie Polyethylen und Polypropylen weiterverwendet werden kann.

Die jüngste Bestellung kam von einer französischen Designerin, die schwarzes Granulat braucht. Eingelangt ist die Anfrage in der Wiener Nordbahn-Halle, die sich nach ihrer Nutzung als Paletten-Lager als Experimentierort für nachhaltige Nutzung versteht und unter anderem die Werkstatt von vier Studenten beherbergt, die sich mit der sinnvollen Weiterverwendung von recyceltem Plastik beschäftigen.

Vorteile von Plastik nutzen

"Wir wollen die Vorteile von Plastik nutzen. Es ist ja grundsätzlich kein schlechter Rohstoff, nur ein schlecht verwendeter", sagte Alon Mekinulov, der an der Boku Umwelt- und Bioressourcenmanagement studiert. Die Idee entwickelt haben er und Florian Amon, der an der TU Technische Physik studiert, seit Herbst 2017 gemeinsam mit Raffael Volkmer, der sich an der Angewandten mit Social Design beschäftigt, und Sebastian Gräftner, dessen Fachgebiet ebenfalls das Umwelt- und Bioressourcenmanagement ist. "Precious Plastic Vienna" heißt ihr Unternehmen, in dessen Fokus das Recycling von Polyethylen und Polypropylen steht und das seit Februar in einer Koje der Leopoldstädter Nordbahn-Halle angesiedelt ist.

Schraubverschlüsse & Co.

Diese Kunststoffe, aus denen zum Beispiel Schraubverschlüsse von Flaschen oder Waschmittelverpackungen bestehen, werden im Gegensatz etwa zu PET-Flaschen nicht allgemein getrennt gesammelt. Willkommen sind sie bei "Precious Plastic Vienna", wo sie mit einfachen Mitteln geschreddert, erhitzt und neu geformt werden. Bisher sind Platten, Untersetzer für Gläser, Namensschilder, Schlüsselanhänger und Buchstützen entstanden. Tabu sind im Sinn der Nachhaltigkeit Produkte wie Handyhüllen, die nach längstens ein paar Jahren wieder in den Abfall wandern.

Mittelfristiges Ziel ist die Herstellung von Möbeln, zum Beispiel Kaffeehaustische und -hocker oder Seitenwände von Regalen. Dazu brauchen die Studenten aber zusätzliches Ausgangsmaterial - vorzugsweise aus dem gewerblichen Bereich - und größere Maschinen. Möglicherweise stellt sich für sie auch die Frage nach einem anderen Transportmittel. Derzeit sind die Studenten nämlich per Fahrrad unterwegs, mit dem sie ihre Kooperationspartner abklappern, die ihnen an sich zu entsorgende Kunststoffprodukte zur Verfügung stellen. Dazu gehören weiße Kübel aus einem veganen Fast-Foot-Lokal, die einst Soßen und Senf enthielten, und Schraubverschlüsse, die in rund 20 Lokalen in der Umgebung gesammelt werden.

Den Shredder hat Florian Amon selbst konstruiert, und zwar "zu Hause im Vorzimmer" während seines Zivildienstes, den er nach der Matura 2016 absolvierte. "Ich habe sechs Monate daran gearbeitet, weil ich es ja nur in meiner Freizeit tun konnte", sagte Amon. 1.500 Euro hat er investiert. Weil das Gerät relativ bescheiden dimensioniert ist, werden größere Plastikteile vor dem Shreddern mit einer Gartenschere zerkleinert. In Bau ist bereits eine größere Plattenpresse.

Workshops zu Plastikmüllvermeidung

Langfristiges Ziel von "Precious Plastic Vienna" ist die Vermeidung von Plastikmüll. Dazu will man einmal Workshops anbieten. "Wenn es in zehn Jahren keinen Plastikmüll mehr gibt, den man recyceln muss, ist unser Ziel erreicht", sagen die Studenten. Entstanden ist die Idee zu "Precious Plastic" einst in den Niederlanden, wo der Designer Dave Hakkens Recyclingmaschinen für den Hausgebrauch entwickelte.