Style
28.02.2016

Oscars: Haben Stars eigene Schmuck-Bodyguards?

"Wir sind jedes Mal froh, wenn die Juwelen wieder heil an Ort und Stelle sind."

Als Hollywood-Liebling Cate Blanchett vor zwei Jahren den Oscar als beste Hauptdarstellerin für ihre Rolle in "Blue Jasmine" entgegennahm, hatte die Welt mehrere Minuten Zeit, ihre spektakulären Ohrringe zu bestaunen: 62 funkelnde, weiße Opale aus dem Hause Chopard baumelten von den Ohren der Stilikone, dazu hatte sie einen birnenförmigen Diamantring und ein Brillantarmband, ebenfalls von Chopard, kombiniert. Insgesamt trug die Australierin an diesem Abend Schmuck im Wert von 18 Millionen Dollar.

Faktor Werbewert

Bezahlt hat sie ihn freilich nicht. Seit der New Yorker Nobel-Juwelier Harry Winston die Schauspielerin Jennifer Jones für die Oscar-Verleihung im Jahr 1943 mit seinen Diamanten ausgestattet hat, ist der Verleih von exquisiten Schmuckstücken an prominente Trägerinnen ein fixer Bestandteil von Award-Shows und roten Teppichen.

"Events wie die Oscars sind eine wichtige Plattform für uns. Die ganze Welt schaut an diesem Tag auf den roten Teppich. Der Werbewert für das Unternehmen ist unbezahlbar", gibt die Marketing-Chefin von Chopard ganz offen zu. Das Schweizer Unternehmen ist neben Harry Winston, Cartier, Tiffany’s und Fred Leighton eine der präsentesten Schmuckmarken auf den roten Teppichen.

Besonders stolz ist man im Haus auf eine Sache: Jede Nominierte, die in den vergangenen zwölf Jahren Schmuck von Chopard trug, hat den Oscar auch gewonnen. So wie Marion Cotillard, die sich ihre Trophäe mit einer mehrreihigen, filigranen XL-Kette abholte. Auch Penelope Cruz und Julianne Moore brachten die Schweizer Diamanten Oscar-Glück.

Versicherung ist Pflicht

Der Verleih der luxuriösen Talismane beginnt in der Regel mehrere Wochen vor dem großen Tag. Die Agenten oder Stylisten nehmen Kontakt mit Chopard auf – die Outfits ihrer Klienten werden schon im Vorfeld penibel geplant.

Die Schmuckfirma erstellt daraufhin ein Lookbook mit Vorschlägen, der entsandte Stylist bestimmt eine Auswahl an zum Kleid passenden Schmuckstücken. "Bestimmte Wünsche zu Farbe und Edelsteinen werden natürlich berücksichtigt", betont man bei Chopard. Anschließend werden die Juwelen zur Kundin (oder auch zum Kunden) gebracht. Sie trifft die finale Entscheidung, der Schmuck wird, wenn nötig, angepasst und – ganz wichtig – versichert. "Das Unternehmen muss alle Schmuckstücke versichern. Die Versicherung wird über alle Details genauestens informiert: den Ablauf der Veranstaltung, das Outfit der Kundin, ob ein Schmuck-Bodyguard bereitgestellt wird. Das sind ganz normale Auflagen." Verschwunden ist zum Glück noch nichts – "bei filigranen Stücken kann es aber vorkommen, dass sie leicht beschädigt werden. Wir sind jedes Mal froh, wenn die Juwelen wieder heil an Ort und Stelle sind", so die Marketing-Chefin.

Wesentlich wahrscheinlicher ist, dass sich die Trägerin in ihre geliehenen Diamanten verliebt und sie behalten möchte. Verschenkt wird in dieser Preisklasse aber nichts, stellt man bei Chopard klar. Gwyneth Paltrow hatte da mehr Glück: Ihr Vater kaufte das Harry-Winston-Collier, in dem sie 1999 ihren ersten Oscar gewonnen hatte, nach der Verleihung und schenkte es ihr. Auch Elizabeth Taylor, quasi Patin aller Schmuckstücke dieser Welt, erwarb die eigens für sie entworfene Blumen-Kette nach der Oscar-Nacht 1993.

Trägerin und Image

Ein eigener Security für die Diamanten gehört in Hollywood mittlerweile zur Grundausstattung – in Österreich ist der lebende Diebstahlschutz (noch) eine Seltenheit, berichtet Wolfgang Köchert. Das Wiener Schmuckunternehmen kreierte einst die berühmten Sisi-Sterne, Ernst August beschenkte seine Caroline mit Köchert-Diamanten. Zuletzt stattete das Traditionshaus Moderatorin Kati Bellowitsch für den Opernball aus.

Der Schmuckverleih läuft in Wien etwas familiärer ab als im starerprobten Amerika, erzählt Juwelier Köchert. "Bei uns kommen keine Stylisten, um den Schmuck auszusuchen, sondern die Dame persönlich. Es ist auch ganz wichtig, dass man das Stück einmal an der Person sieht, bevor es bei einem großen Event getragen wird."

Versichert wird auch hierzulande – noch wichtiger ist aber, dass die Trägerin zum Image der Marke passt, sagt Köchert. "Wir stehen nicht so sehr für Bling-Bling, sondern eher für dezenten Schmuck. Eine prominente Trägerin drückt das Standing des Unternehmens aus – seine Werte, seine Vision." Die zurückhaltende, intellektuelle Natalie Portman würde Wolfgang Köchert etwa gerne mit seinem Schmuck sehen. Sinn für Juwelen hat die Schauspielerin ja: Ihr Diamantcollier von Harry Winston war bei den Oscars 2012 "Talk of Town". Kolportierter Wert: mehrere Millionen Dollar.

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