Der deutsche Modemacher Michael Michalsky zu Gast in Wien.

© EPA/JENS KALAENE

Vienna Fashoin Week
09/08/2014

"Ich bin ein Verfechter der Demokratisierung der Mode"

Der Berliner Michael Michalsky sprach im Interview über Wiener Stilikonen, Endkonsumenten und den NSA-Skandal.

Ein Berliner in Wien: Michael Michalsky eröffnet am 8. September die Vienna Fashion Week mit gleich zwei Kollektionen. Neben seinen Damenkreationen für den Sommer 2015, wird der deutsche Designer auch seine Männerlinie "Atelier Michalsky" präsentieren. Der KURIER traf ihn im Le Meridien zum Blitz-Interview:

KURIER: Sie präsentieren zum ersten Mal in Wien, wieso erst jetzt?

Michael Michalsky: Weil ich vorher gar nicht wusste, dass es eine Fashion Week gibt.

Was war der erste Gedanke, als die Einladung kam?

Ich fand das ganz cool. Ich finde es gut, dass es hier ein anderes Setup gibt. Eine Fashion Week, wo auch Endkonsumenten mit eingebunden werden. Ich bin ein sehr großer Verfechter der Demokratisierung der Mode und übertrage meine Shows schon lange via Livestream. Deshalb hab ich dann natürlich sofort zugesagt, außerdem finde ich Wien ganz toll und da dachte ich mir, na das machst du doch.

Sie präsentieren in Berlin im Tempodrom, vor einem weit größeren Publikum als hier. Ist das jetzt ungewohnt für Sie?

Nein, meine erste Show im Jahr 2007 habe ich im Roten Rathaus gemacht, da waren auch nur 600 Leute. Mir kommt es nicht darauf an, wie viele Leute da sind, sondern darauf, dass möglichst viele Leute teilhaben können. Hier ist es eben eher wie eine klassische Runway Show.

Die Veranstalterinnen wollen mit der Fashion Week Wien zur Modemetropole machen. Hat unsere Hauptstadt überhaupt das Potenzial dazu?

Ich glaub schon. Helmut Lang, einer der wichtigsten Designer, den ich auch sehr verehre, kommt aus Wien. Und das beweist, dass es in der Stadt oder in Österreich Potenzial gibt. Von daher bin ich auch ganz gespannt, was andere Designer zeigen werden.

Sie werden sich also auch andere Shows ansehen?

Wenn es die Zeit zulässt.

Wie würden Sie den Stil der Wiener beschreiben?

Ich glaube, dass es im 21. Jahrhundert keinen städtisch spezifischen Style mehr gibt. Heutzutage haben die Leute, vor allem durch das Internet, die gleichen Einflüsse, egal wo sie wohnen. Leider ist es inzwischen auch so, dass es in den wichtigen Einkaufsstraßen, egal ob in Wien, Berlin oder New York, kein Lokalkolorit mehr gibt. Überall gibt es die gleichen großen Ketten, die natürlich auch dazu beigetragen haben, die Mode zu demokratisieren.

Gibt es österreichische Stil-Ikonen?

Eindeutig Romy Schneider. Sie hat sich von ihrer Jugend an für Mode interessiert und hat oft ihren Stil gewechselt.

Ihre Sommer 2015-Kollektion trägt den Titel "Important Secrets", was bedeutet das? Was sind die Kernelemente ihrer Sommer-Kollektion?

Ich bin der Meinung, dass wir alle unsere Privatsphäre besser schützen sollten. Als ich angefangen habe die Kollektion zu designen, kochte gerade dieser NSA-Skandal hoch und es hat mich verwundert, dass die Leute sich nur 10 Minuten darüber aufgeregt haben und dann wieder zur Tagesordnung übergegangen sind. Dementsprechend versuche ich das in der Mode umzusetzen.

Was sind die Kernelemente Ihrer Kollektion?

Ich sehe Kleidung nicht nur als Schutzraum gegen Wetterumstände. Ich arbeite mit vielen neuen Formen, die sozusagen wie tragbare Kokons sind, wie Schutzräume. Und ich benutze Materialien die ich mit dem Thema assoziiere, wie perforiertes metallisches Leder. Bei den Farben handelt es sich natürlich um Sandtöne und viel strahlendes Weiß, weil ich davon ausgehe, dass jedem Menschen eine Unschuldsvermutung unterstellt werden sollte. Die Rose habe ich als Metapher für das Internet gewählt.

Wieso eine Rose?

Eine Rose ist ja etwas sehr schönes, kann aber trotzdem stechen.

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