Style
05.12.2011

Golden Girls auf dem Laufsteg

Die coolen Alten: Werber und Modedesigner lassen minderjährige Models stehen und setzen auf Lachfalten, graue Haare und Persönlichkeit

Schon Coco Chanel sagte: "Was eine Frau alt aussehen lässt - es ist der verzweifelte Versuch, jung auszusehen."
Was vor Kurzem noch das Aus jeder Fashionkarriere bedeutet hätte, katapultiert jetzt so manche zurück ins Scheinwerferlicht. Viele Modehäuser wenden sich von minderjährigen Models ab. Karl Lagerfeld brachte den neuen Trend auf den Punkt: "Von fünfzehnjährigen russischen Models haben wir genug gesehen. Wir machen schließlich nicht Mode für Jugendliche."

Louis Vuitton, Chanel, Ungaro, Balenciaga und Andere haben die kaufkräftige Gruppe der Best Ager - Menschen um die 50 - für sich entdeckt. Um diese zu erreichen, werben sie mit altgedienten Models wie Inès de la Fressange, 53, Stella Tennant, 39, Christy Turlington, 41, und Elle Macpherson, 47, die 1999 noch sagte: "Ich bin zu alt für das Model-Business." Jetzt, elf Jahre später, lief sie für Marc Jacobs und Louis Vuitton über den Catwalk.
Auch Giles Deacon hievte für Ungaro die 47-jährige Modejournalistin Anna dello Russo - augenblicklich die begehrteste "Queen of Fashion" - auf die Show-Bühne.

Erwachsene Frauen auf dem Laufsteg

Auf den Laufstegen scheint wieder Platz für erwachsene Frauen zu sein. Es gibt eine Wende, bestätigen auch Model-Agenturen in Paris. Glaubwürdigkeit und Realitätsnähe sind gefragt, vor allem die kaufkräftigen Kundinnen die mit den Models der Achtziger- und Neunzigerjahre aufgewachsen sind, wollen sich mit den Kindfrauen nicht mehr identifizieren.

In einer Gesellschaft, die immer älter wird, entdecken Werbung und Mode krisenbedingt, die schönen Seiten des Alters. Doch wer Anzeigenkampagnen mit "alten Leuten" wie Madonna, 52, Demi Moore, 48, oder Sharon Stone, 52, schon als Paradigmenwechsel preist, übersieht, dass diese Damen zwar über
fünfzig sind, aber wie vierzig aussehen. Laut Studie ist es auch tatsächlich so, dass sich die "Best Ager" im Schnitt zwölf Jahre jünger fühlen als sie sind.

In Würde altern

Auch an interessanten Vorbildern mangelt es momentan nicht: Ein vielbeachtetes Revival erfährt seit geraumer Zeit Kirsten McMenamy. Denn die 42-jährige Amerikanerin beweist, dass wahre Schönheit zeitlos ist, wenn dahinter eine starke Persönlichkeit steht. Die androgyne Lady, die in den Neunzigerjahren zur Garde der Supermodels zählte, ist gefragter denn je.
Im Sommer war die vierfache Mutter Cover-Star der italienischen Vogue sowie des britischen Magazins Dazed & Confused. Im Frühling lief sie bei den Pariser Defilees für Viktor & Rolf und Calvin Klein. Außerdem ist sie das Gesicht der Lanvin-Kampagne, und Peter Lindbergh fotografierte sie ungeschminkt für die September-Ausgabe von Harper's Bazaar .

Warum Kristen so gefragt ist? "Sie ist in Würde gealtert. Ihre Coolness macht sie heute genauso begehrenswert wie zu ihrer Anfangszeit als Model", erklärt Francisco Costa, Calvin Klein Designer. "Kristen bringt nicht nur Talent und Intelligenz mit, sondern vor allem Authentizität", sagt Tonne Goodman, Fashion Director der Vogue, bei.
Ärgerte sich McMenamy noch vor sechs Jahren über ihre langsam ergrauenden Haare, ist ihre silbergraue Mähne heute ihr Markenzeichen.
Dass Grau hip ist, dachten auch junge Stars: die 13-jährige Bloggerin Tavi Gevinson etwa oder Brit-Girl Pixie Geldof, 21, und Kate Moss, 36. Sie alle griffen zum Färbemittel und sorgten bereits mit Silberhaar für Schlagzeilen.