Style
19.04.2017

Fußballer Manuel Ortlechner im Style-Interview

Im KURIER-Gespräch verrät der Fußballer, warum er mit den Lieblings-Labels seiner Kollegen nichts anfangen kann - und wer seit Jahren sein modisches Vorbild ist.

Die Anzahl an Männern, die sich stilsicher über das österreichische Mode-Parkett bewegen, ist überschaubar. Manuel Ortlechner zählt zu diesem kleinen Kreis. Ende Mai 2017 beendet der Fußballer seine Karriere als Veilchen-Kicker und wird sich künftig auf seine Funktion als Projektleiter des Violafit-Bildungsprogramms des FK Austria konzentrieren. Nebenbei arbeitet der passionierte Fotograf derzeit an einem Bildband über den Abriss und Aufbau des Stadions. Mit dem KURIER plauderte er über den perfekten Alltagslook - und welche Mode ihm nicht in den Kleiderschrank kommt.

KURIER: Jérôme Boateng besaß bis vor kurzem 650 Paar Schuhe. Auch viele andere Fußballer stehen zu ihrem Schuh-Tick. Zählen Sie sich zu diesen?

Manuel Ortlechner: So schlimm ist es nicht, aber ähnlich. Das liegt natürlich auch an der Verbindung zu Nike, da die Marke jahrelang mein Ausrüster war. Man sammelt und sammelt, und will dann natürlich dieses und jenes Modell auch noch haben.

Greifen Sie gern zu limitierten Editionen?

Die habe ich auch, aber ich bin da kein kompletter Freak.

Gibt es ein Lieblingspaar?

Die gemütlichsten liegen immer ganz weit vorne. Derzeit mag ich die "Huarache" von Nike sehr gern. Für den Sommer sind die "Sock Dart" der Hammer.

Und wie sieht der Rest Ihres Alltagslooks aus?

Bei beruflichen Terminen sind mittlerweile immer öfter Anzug und Krawatte gefragt – meistens bei Erstkontakt. Beim darauffolgenden Termin kann es dann je nach Person legerer werden. Hauptsache nicht fad und bieder.

In Jogginghosen wird man Sie also nicht antreffen.

Wenn ich zum Training schlendere, dann manchmal. Wenn ich in die Geschäftsstelle muss, eher weniger. Wenn ich weiß, dass ich Training habe und danach nur zwei Stunden im Büro sitze, darf es schon mal ein Kapuzenpullover sein.

Waren Sie schon immer modeinteressiert?

Das Thema ist für mich mit 17 Jahren groß geworden. David Beckham hat damals mit seinem metrosexuellen Look sicherlich dazu beigetragen. Auch mit dem Abschluss meines GQ-Abos im Jahr 1989 ist das Interesse immer mehr geworden. Wirklich infiziert hat mich zu dieser Zeit mein Vater, der mit mir nach Metzingen zu Hugo Boss gedüst ist, um einen Anzug für einen Ball auszusuchen. So bin ich in die Markenwelt hineingerutscht. Und dann lernt man auch noch eine Frau kennen, die sich auch sehr für Mode interessiert (Anmerkung: Manuel Ortlechner ist mit seiner Jugendliebe Kerstin seit 2013 verheiratet).

Hat Ihre Frau diesbezüglich einen Einfluss?

Einfluss ist es weniger. Es ist mehr die gemeinsame Freude daran. Das ist sicherlich auch einer unserer Schlüssel zum Beziehungserfolg. Wenn jemand sagt, dass sich Gegensätze anziehen, würde ich das überhaupt nicht unterschreiben. Gegensätze sind Reibungspunkte und wozu Reibungspunkte führen, wissen wir eh alle. Bei uns ist es eher so, dass sich viele Dinge überschneiden. Das ist nicht nur die Liebe zur Mode, sondern auch Affinität zu Architektur.

Wo kaufen Sie heute gerne ein?

Ich kaufe überhaupt nicht teuer ein. Hugo, Cheap Monday, Fillippa K und Acne Studios sind meine Labels. Es gibt für mich kein Gucci, kein Dolce – das bin nicht ich. Ich habe auch keine Lust für ein Dsquared-T-Shirt, die unter Fußballern so en vogue sind, 350 Euro auszugeben.

Gibt es Teile, zu denen Sie immer greifen?

Ich bin jemand, der viel mit Basics experimentiert und sehr farbensicher ist. Unterm Strich bleibt Grau in allen Schattierungen übrig, Schwarz, Weiß und wenn mal was Rotes dabei ist, ist das schon etwas Besonderes. Ich traue mich zu behaupten, dass ich mittlerweile modisch wenig falsch mache. Gewisse Modetrends lasse ich komplett aus, weil ich meinen Stil gefunden habe.

Haben Sie heute noch Modevorbilder?

Ja, das ist mittlerweile seit Jahren Hedi Slimane. Sein Punk-Rock-Chic ist für mich nach wie vor unübertroffen. Er ist die einzige Person aus dem Modebusiness, zu der ich hinschiele.

Fragen Freunde und Bekannte manchmal nach Mode-Tipps?

Ja, das passiert immer wieder. Ich habe auch schon den einen oder anderen Freund beim Kauf des Hochzeitsanzugs begleitet.

Haben Sie einen Lieblings-Anzug?

Meinen Smoking finde ich sehr cool, der ist aber unglaublich eng geschnitten. Es gibt leider nicht so viele Anlässe, zu denen ich ihn anziehen kann. Und dann wäre da noch mein Hochzeitsanzug. Er ist schlicht, hat aber eine spezielle Gerbung. Er ist ein absolutes Allround-Talent.

Wie lange brauchen Sie morgens?

Da bin ich sehr schnell.

Was definieren Sie als "sehr schnell"?

Ich muss mir die Zähne putzen, das Gesicht waschen, die Haare richten und mich anziehen – fertig.