Mit diesem Entwurf stieg Gucci heuer ins Fettnäpfchen

© AP/Antonio Calanni

Style
07/31/2019

Warum immer mehr Modehäuser Profi-Aufpasser engagieren

Experten sollen Chanel, Gucci und Co. künftig vor Negativ-Schlagzeilen bewahren.

von Maria Zelenko

Seine Kreationen waren legendär – jedoch auch seine scharfe Zunge. In seinen 36 Jahren als Chefdesigner hatte Karl Lagerfeld mit seiner gnadenlos offenen Art regelmäßig für Ärger gesorgt. 2017 kritisierte er Angela Merkels Flüchtlingspolitik, sie würde "Millionen der schlimmsten Feinde" der Juden ins Land holen. Außerdem lästerte er in den Jahren zuvor regelmäßig über dicke Frauen. Zuletzt ätzte der gebürtige Deutsche sogar über die MeToo-Bewegung.

Um das gute Image von Chanel zu wahren, hat seine Nachfolgerin Virginie Viard sich nun Verstärkung geholt: Soeben wurde Fiona Pargeter als Head of Diversity and Inclusion engagiert. Sie kommt von der Schweizer Großbank UBS, wo sie eine ähnliche Position inne hatte.

Blackfacing

Viard möchte wohl verhindern, was zuletzt gleich mehreren Modehäusern widerfuhr: Rassismus-Vorwürfe aufgrund von Entwürfen, die viele nicht als kreativ, sondern schlichtweg geschmacklos empfanden. So geschehen bei Gucci. Anfang des Jahres gab es einen Shitstorm gegen das Luxus-Unternehmen, weil es im Onlineshop einen Pullover anbot, dessen Kragen bis über die Nase gezogen werden konnte. Die Aussparung am Mund war mit einem dicken roten Rand versehen. Einen ähnlichen Look hatte man zuvor am Laufsteg gezeigt. In den sozialen Medien wurde dem Label Blackfacing, bei dem sich Weiße dunkel schminken, um wie Schwarze auszusehen, vorgeworfen. Chefdesigner Alessandro Michele entschuldigte sich für seinen Fehltritt – und engagierte einen Diversity Manager, um solche Situationen künftig zu vermeiden.

Suizid ist keine Mode

Chanel und Gucci sind nicht die einzigen Modehäuser, die diese Position neu geschaffen haben. Auch Burberry leistet sich seit Kurzem einen Mitarbeiter, der für ein vielfältigeres und integrativeres Umfeld sorgen soll.

Das Label schickte während der Fashion Week im Februar ein Model in einem Pullover, dessen Kapuze mit einer Schlinge zusammengebunden war, über den Laufsteg. "Suizid ist keine Mode" war nur eine der vielen Negativ-Reaktionen auf den Entwurf.

Dass Fehltritte wie dieser überhaupt passieren können, sieht Manfred Wondrak, Gründer der factor-D Diversity Consulting, ein Stück weit in Selbstüberschätzung begründet. "Die großen Modehäuser dachten wohl jahrelang: Wir sind vielfältig genug, schließlich geben wir die Trends vor", sagt der Experte im Gespräch mit dem KURIER. Mit der Entscheidung, Diversity Manager anzustellen, sei die Modewelt im Vergleich zu anderen Branchen spät dran.

Viel Angriffsfläche

Dass sich alteingesessene Firmen gerade jetzt zu diesem Schritt entschließen, liegt auch an Instagram, Twitter und Co. "In Zeiten von Social Media sind Fehler innerhalb kürzester Zeit für ein größeres Publikum sichtbar", weiß Wondrak. "Große Labels wissen, dass sie unter genauer Beobachtung stehen." Experten wie Fiona Pargeter sollen laut Diversity-Fachmann Manfred Wondrak auch dafür sorgen, dass Unternehmen innovativer werden und neue Zielgruppen erreichen. Er ist sich sicher: "Modehäuser werden künftig nicht mehr auf Personen wie sie verzichten können."