Style
05.12.2011

Dick im Geschäft: Mode-Bloggerinnen XL

Sie sind die "Big Beautys" im Web, berichten nicht nur über Übergrößen-Mode und hassen Klischees: "Plus-Size-Bloggerin" Ulrika Holmsten-Reynolds im KURIER.at-Gespräch über ihre "Zunft".

Frauenmagazine, die auf "echte" Models verzichten, ein molliges Mädchen, dass die Casting-Show "Americas next Topmodel" für sich entscheiden kann und die in der Fashion-Welt mittlerweile omnipräsente Beth Ditto. In Sachen Figur hat sich im sonst so spindeldürren Mode-Business in den vergangenen Jahren einiges getan.
Trendweisend sind auch immer mehr die Fashion-Blogger - die Zahl derer ist kaum noch zählbar. Trotzdem sticht eine spezielle Gruppe von ihnen derzeit etwas mehr hervor, als die anderen: die Plus-Size-Blogger. Manche mögen diese Einteilung, manche - wie Ulrika Holmsten-Reynolds - können damit gar nichts anfangen. KURIER.at hat die Finnin ("The Red Rosette") im Interview über ihre Mode-Liebe ohne Model-Maße befragt.

KURIER.at: Ulrika, ist es schwer für dich, trendige Kleidung in Übergröße zu finden?

Ulrika Holmsten-Reynolds: Ich würde nicht sagen, dass es schwerer ist, Kleidung in meiner Größe zu finden. Meistens kann man doch jede Art von Klamotten tragbar machen, unabhängig von der Größe - es ist vor allem eine Frage des richtigen Stylings.
Aber natürlich kann es einen ärgerlich machen, wenn manche Marken nicht größer produzieren als bis Größe 38. Glücklicherweise gibt es auch Ausnahmen, ich mag zum Beispiel New Look, Dorothy Perkins, Topshop und Evans.

Wo kaufst du deine Kleidung ein?

Das meiste kaufe ich bei Topshop, H&M und New Look. Aber ich sehe mich auch sehr gerne in Vintage-Läden um.

Welche Fashion-Tipps hast du für mollige Mädchen?
Ich bin mir nicht ganz sicher, für wen der Begriff "mollig" zutrifft. Meiner Meinung nach sind wir nun mal alle verschieden gebaut, und die Einordnung, dass jeder, der nicht mehr in Größe 38 passt, ein molliges Mädchen ist, ist nicht in Ordnung. Ich denke, es spielt keine Rolle, welche Größe man trägt, wenn es um Fashion geht. Schau dir nur Beth Ditto oder die Supermodels Crystal Renn und Tara Lynn an - sie alle haben unglaublichen Erfolg in der Modewelt. Mein Fashion-Tipp wäre, seinen eigenen Stil kennenlernen und Spaß damit haben. Man sollte aber etwas an sich finden, das man mag und dann hervorheben. Wenn es - wie bei mir - die Taille ist, dann diese mit einem Gürtel betonen.

Gibt es etwas, was du niemals tragen würdest?

Flared-Jeans (Anm. oben eng, unten sehr weit), die passen mir einfach nicht (lacht). Generell halte ich mich nicht an Fashion-Regeln, ich liebe etwa helle Farben, Figurbetontes und süße Kleider oder Röcke.

Magst du die Bezeichnung "Plus Size Blogger"?
Mit diesem Begriff halte ich es wie mit der Kategorisierung "mollig". Es ist keine gute Idee, eine ganze Gruppe von Bloggern unter diesem Begriff zusammenzufassen, während der Rest der (dünnen) Blogger "Fashion Blogger" genannt wird.
Amerikanische "Plus Size Blogger" schreiben zum Beispiel auch nicht nur über Plus-Size-Themen; ich persönlich berichte in meinem Blog über Fashion im Allgemeinen oder auch über das Backen. Ich sehe einfach nicht den Grund, warum man eine Gruppe in eine Schublade stecken muss, wenn uns doch alle das Gleiche interessiert - Fashion.

Mal ehrlich, was hältst du von Diäten?
Sie sind was sie sind, für manche funktionieren Diäten, für manche nicht. Auf jeden Fall gibt es viele verrückte Diäten, ich kann mir nicht vorstellen dass die gut für den Körper sind. Der beste Weg ist immer noch gesundes Essen und Sport - ich glaube nicht, dass es eine einfachere Methode gibt. Übrigens gibt es auf meinem Blog neben Mode auch leckere Kuchenrezepte.

Gibt es eine Message, die du mit deinem Blog vermitteln willst?

Nein, ich blogge, weil ich meine Fashion-Liebe mit anderen teilen möchte. Und ich finde es schön, dass Menschen Interesse haben an einem realistischeren Frauenbild. Als Blogger kann man ein anderes Körperbild vermitteln und zeigen, dass man trotzdem cool aussieht.

Wie definierst du einen guten Stil?
Guter Stil fängt damit an, dass man seinen eignen Style kennt. Dass man weiß, in was man sich gut fühlt. Wenn das so ist, kann man das auch gegenüber anderen vermitteln.

Welche Veränderungen wünscht du dir künftig für die Fashion Szene?

Ich wünsche mir, dass die Leute offener werden und realisieren, dass wir alle verschieden sind und verschiedene Körper haben - aber trotzdem alle modisch sein können.
Und dass die Designer realisieren, wie viel sie gewinnen würden, wenn sie Kleidung in verschiedenen Größen machen und alle Körper-Typen berücksichtigen würden.
Es ist an der Zeit, mit dem Vorurteil aufzuhören, dass Fashion nur für eine ausgewählte Gruppe von Leuten etwas ist.

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