Style
20.08.2017

Dieser Mann verleiht seine Kleidung an Stars

Prominente lieben David Casavant für seine große Vintage-Sammlung – kaufen können sie dort jedoch nichts.

Wenn es um ihre Outfits geht, spielt Geld für Stars wie Rihanna, Lady Gaga und Kim Kardashian keine Rolle. Noch bevor die neuen Kollektionen in die Läden kommen, schicken Assistenten und Stylisten Wunschlisten an die großen Modehäuser, die ihren hochkarätigen Kunden die gewünschten Kleidungsstücke zukommen lassen. Einziges Manko: Jeder andere Promi könnte zeitgleich ebenfalls im neuen Mantel von Gucci oder im Glitzerkleid von Saint Laurent abgelichtet werden. Der Druck, sich modisch immer wieder neu zu erfinden, ist groß – und Einzigartigkeit das oberste Ziel. Hier kommt David Casavant ins Spiel.

Der New Yorker hat in den vergangenen Jahren ein besonderes Geschäftsmodell aufgebaut: In seinem Apartment in Downtown findet sich eines der größten Mode-Archive für Entwürfe von Helmut Lang und Raf Simons aus den Neunzigern und früher 2000er Jahren. Wer auf der Suche nach seltenen Kollektionsteilen von Prada, Dior Homme und Versace ist, wird hier ebenso fündig. In dieser Mode-Fundgrube, die aussieht wie ein überfülltes Ankleidezimmer, stöbern mittlerweile einige der bekanntesten Stars der Welt.

Schuluniform als Anstoß

"Kanye West und Rihanna waren meine ersten prominenten Kunden", erzählt David Casavant im Gespräch mit dem KURIER. Der Zusammenarbeit mit dem Rapper verdankt er seine guten Kontakten in der Branche. Diese hat er sich, wie viele andere Stylisten auch, durch zahlreiche Praktika und Assistenten-Jobs aufgebaut. Nachdem er am renommierten Central Saint Martins College in London studierte und seine ersten Erfahrungen bei der britischen Vogue und GQ sammelte, zog es ihn in den Big Apple. Dort stellte Carine Roitfeld, ehemalige Chefredakteurin der französischen Vogue, den Modebegeisterten als Assistenten für ihr neues Magazin an. Zu diesem Zeitpunkt sammelte dieser bereits seit Jahren Vintage.

Die Idee dazu kam Casavant schon mit 14 Jahren. "Ich lebte in Tennessee, war gelangweilt – und hasste die Schuluniform, die ich tragen musste", erinnert er sich. Der Jugendliche begann auf Ebay nach günstigen Entwürfen von Raf Simons zu suchen und verzichtete auf so manches Mittagessen mit Freunden, um sich diese leisten zu können. "Ich wollte schon immer viel Kleidung besitzen, die ich selbst tragen oder für Shootings verwenden konnte."

1000 Dollar pro Woche

Heute gehen Stylisten und Stars beim 27-Jährigen ein und aus – immer auf der Suche nach außergewöhnlichen Looks. Paul McCartney war im Musikvideo zu "FourFiveSeconds" in einer Jeansjacke von Helmut Lang zu sehen, Rapper Travis Scott trägt bei seinen Konzerten am liebsten Bomberjacken von Raf Simons. Letztere haben es auch Kim Kardashian angetan, die derzeit fast wöchentlich in einem Vintage-Stück aus dem David Casavant Archive zu sehen ist. Sängerin Rihanna ist von einer zerrissenen Jeans von Helmut Lang so begeistert, dass sie diese bereits mehrmals auslieh.

Denn kaufen kann man hier nichts. Ab 20 US-Dollar pro Woche können die Kleidungsstücke ausgeborgt werden. Für sehr seltene Entwürfe verlangt der Stylist bis zu 1000 US-Dollar. Jedoch geht es ihm nicht nur um Geld. "Vieles verleihe ich umsonst, wenn es ein Projekt ist, an das ich glaube oder eine Person, die ich mag", verrät er.

Nur ein einziges Mal hat David Casavant eine Ausnahme gemacht: Bei einem Shooting für das Billboard Magazine verliebte sich Lady Gaga in eine Hose von Dior Homme.

"Sie wollte sie danach unbedingt haben und ich wusste, wo ich die gleiche noch einmal finde. Also habe ich sie ihr geschenkt." Das habe er jedoch nur gemacht, weil er wusste, dass der Star seine Bühnenkostüme und Designeroutfits gewissenhaft archiviert. "Ich würde nie jemandem etwas geben, das er einfach in die hinterste Ecke seines Kleiderschranks wirft. Das widerspricht meinen Überzeugungen."