Style
28.10.2017

Lady Diana: Der Panzer am royalen Handgelenk

Vor 100 Jahren ließ sich Louis Cartier vom Krieg inspirieren – und erfand die Lieblingsuhr von Lady Diana.

"Ich trage sie nicht, damit sie mir die Uhrzeit anzeigt", sagte Andy Warhol einst in einem Interview. Der Künstler sprach von seiner Uhr, die er niemals aufzog. Die Optik seiner Tank von Cartier war ihm schlichtweg wichtiger als deren Funktionalität.

Rechteckig statt rund

Internen Überlieferungen der Luxusmarke zufolge, hat das Modell sein ikonisches Aussehen den Panzern im Ersten Weltkrieg zu verdanken. Die Zeitung L’Illustration durfte der französischen Bevölkerung im Dezember 1916 erstmals einen Blick auf die neuen englischen Kampffahrzeuge, welche man Tank getauft hatte, gewähren.

Unter den Lesern dieser Ausgabe befand sich der Juwelier Louis Cartier. 1917 veröffentlichte dieser einen skizzierten Entwurf, der aus vier Strichen bestand: ein Viereck, dessen Seiten sich beidseitig wie durch zwei trägerähnliche Vorrichtungen verlängerten und zwischen denen sich ein Armband einfügen ließ. Dies war die Geburtsstunde der Tank-Uhr, die heuer ihren 100. Geburtstag feiert.

Den Prototyp überreichte Cartier als Zeichen seiner Dankbarkeit dem amerikanischen General John Joseph Pershing, der mit seinen Panzern erste Erfolge im Grabenkrieg gegen die Deutschen errungen hatte. Erst 1919 wurde die Uhr auch in den Vitrinen der Filiale in der Pariser Rue de la Paix 13 ausgestellt. Nach durchschnittlich drei Wochen hatte jedes der sechs Modelle einen neuen Besitzer gefunden – ein riesiger Erfolg in Anbetracht der Tatsache, dass die rechteckige Form als äußerst avantgardistisch galt. Zuvor hatte es fast ausschließlich Taschenuhren gegeben, die meisten davon rund.

Star-Appeal

Neben Andy Warhol schmückten sich im Laufe ihrer 100-jährigen Geschichte zahlreiche weitere Berühmtheiten mit der Tank. Alain Delon trug sie, ebenso Yves Saint Laurent. Schauspieler Rudolph Valentino war so vernarrt in seinen Zeitmesser, dass er verlangte, diesen während der gesamten Dreharbeiten zu seinem letzten Film Der Sohn des Scheichs tragen zu dürfen.

Auf der weltweit ersten Unisex-Uhr lasen auch Ingrid Bergman, Catherine Deneuve und Prinzessin Diana die Zeit ab. Letztere bekam eine ihrer Tanks von ihrem Vater Edward Spencer geschenkt. Angeblich durften sich beide Söhne nach dem Tod ihrer Mutter etwas aus deren Räumlichkeiten im Kensington Palast aussuchen – Prinz William wählte die berühmte Uhr.

Auch heute noch zieht das revolutionäre Design von Louis Cartier Prominente in ihren Bann. Im Juni 2017 wurde ein graviertes Modell verkauft, welches Jackie Kennedy in den Siebziger Jahren kaum von ihrem Handgelenk genommen hatte. Ein Stück Uhrengeschichte sein Eigen zu nennen, war dem anonymen Bieter rund 339.500 Euro wert. Wie sich später herausstellte, hatte sich Reality-TV-Star Kim Kardashian gegen die Konkurrenz durchgesetzt.