Wenn die Royals kommen: Charles und Camilla in Wien

BRITAIN-ROYALS-COMMONWEALTH
Foto: APA/AFP/DANIEL LEAL-OLIVAS Großer Bahnhof für Camilla und Charles: Empfang in der Hofburg.

Österreich-Besuche des britischen Königshauses haben Tradition.

Wenn Prinz Charles und Camilla am 5. April in Österreich eintreffen, werden für den Thronfolger wohl Erinnerungen wach, hat er Wien doch, damals mit Prinzessin Diana, bereits vor mehr als 30 Jahren besucht. Wie Österreich-Visiten der Royals überhaupt Tradition haben.

Die erste, von der wir wissen, war etwas missglückt. Queen Victoria hielt am 23. April 1888 auf der Durchreise von Italien nach Deutschland mit dem Hofzug in Innsbruck an, um mit Kaiser Franz Joseph im blumengeschmückten Wartesaal des Bahnhofs zu soupieren. Die Königin litt jedoch unter derart starken Kopfschmerzen, dass sie nichts essen und sich kaum mit dem Kaiser unterhalten konnte. Franz Joseph war extra 17 Stunden von Wien aus gefahren, um die Queen zu sehen.

Geld vom Kaiser

Charles ist nicht der erste Prince of Wales, der Österreich besucht. Schon Queen Victorias Sohn, der spätere König Edward VII., kam als Thronfolger regelmäßig nach Wien – um sich von Franz Joseph Geld zu borgen. Der Prinz wurde von seiner Mutter finanziell knapp gehalten und der Kaiser lieh dem abenteuerlustigen Lebemann immer wieder größere Summen. Und das, obwohl er ihn nicht recht leiden konnte, da Edward Franz Joseph immer wieder zu übereden versuchte, die "deutsch-österreichische Ehe" zu lösen und stattdessen ein Bündnis mit England einzugehen, was der Kaiser strikt ablehnte.

In einem Brief an Katharina Schratt schildert Franz Joseph einen delikaten Vorfall während eines Jagdausflugs: "Der dicke Edward", schreibt der Kaiser, "hat seine rote Hose zerrissen, und da er nichts darunter anhatte, war das für ihn ziemlich unangenehm".

Zur Abmagerungskur

Als König kam Edward dann jedes Jahr im Sommer – unter dem Inkognito eines Duke of Lancaster – zur Abmagerungskur nach Marienbad, doch im August 1908 besuchte er den Kaiser in Bad Ischl. Franz Joseph fuhr mit einer Kutsche zum Hotel Elisabeth, um Edward zu begrüßen. Daraufhin lud ihn der König zur Autofahrt durchs Salzkammergut ein. Franz Joseph, der die technischen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts ablehnte, konnte schwer Nein sagen, da vor dem Hotel viele Schaulustige standen und die kleine Szene beobachteten."Kaiser und König", las man anderntags in der Neuen Freien Presse, "näherten sich dem Kraftwagen, dessen Tür von einem Diener geöffnet wurde. Der König wollte den Kaiser zuerst einsteigen lassen, aber der Kaiser winkte ablehnend mit der Hand und sagte: ,Steig du zuerst ein, du kennst dich besser aus." Der König nahm Platz, dann stieg der Kaiser ein… In 40 Minuten war der Attersee erreicht."

Franz Joseph soll Edward die Autofahrt nie verziehen haben, jedenfalls sagte er nach der Rückkehr zu seinem Kammerdiener: "Die Ausfahrt war ganz angenehm, aber meine Lipizzaner sind mir lieber."

Einer Mitteilung des kaiserlichen Obersthofmeisteramtes ist übrigens zu entnehmen, dass König Edward VII. auf der Bahnfahrt nach Ischl "90 Stück Gepäck, 1350 kg schwer" mit sich führte.

Fotografier-Verbot

SIMPSON EDWARD VIII Foto: AP Die erste Reise nach der Abdankung führte den Herzog von Windsor und Wallis Simpson (links) nach Österreich

Ein nicht minder begeisterter Österreich-Besucher war Edwards Enkel, König Edward VIII., der erstmals 1935, ebenfalls noch als Thronfolger, zum Skifahren nach Kitzbühel kam. Die Pikanterie dabei war, dass ihn eine Amerikanerin namens Wallis Simpson begleitete, mit der man ihm eine innige Beziehung nachsagte. Der Bezirkshauptmann verbot allen Reportern – das war damals noch möglich – "den Prinzen anzusprechen, anzustarren oder gar zu fotografieren". Ein Jahr später war Edward König – wenn auch nur für ein paar Monate, weil er darauf bestand, eben jene zweifach geschiedene Wallis Simpson zu ehelichen.

Nach der Abdankung

Die erste Reise nach der Abdankung im Dezember 1936 führte den nunmehrigen Herzog von Windsor wieder nach Österreich, wo er sich als Gast der Familie Rothschild im Schloss Enzesfeld bei Wien niederließ. Gerüchten zufolge gab das Paar in dem herrschaftlichen Anwesen große Gelage – ließ die Rechnungen aber an die verblüfften Gastgeber schicken. Im Anschluss daran verweilte das Paar ins Landhaus zu Appesbach am Wolfgangsee (das kürzlich übrigens von "Red-Bull"-Chef Dietrich Mateschitz gekauft wurde).Während dieses Österreich-Aufenthalts begab sich der Ex-König in die Behandlung des berühmten Wiener Hals-, Nasen-, Ohrenarztes Professor Heinrich Neumann. Als dieser zwei Jahre später als Jude von der Gestapo verhaftet wurde, gelang es Edward dessen Freilassung zu erwirken, worauf Neumann in die USA emigrieren konnte.

Die Queen in Wien

Als Very British erwies sich der Staatsbesuch der damals 43-jährigen Queen Elizabeth mit Prinz Philip und Tochter Anne im Mai 1969. Die Royals legten wie auf allen ihren Reisen Wert darauf, dass das Wasser für ihren Tee in eigens für sie abgefüllten Flaschen aus London mitgebracht wurde. Im Hotel Imperial kümmerte man sich nicht weiter drum, sondern kochte das königliche Leibgetränk mit dem bewährten Wiener Hochquellwasser auf. Die Queen soll nichts bemerkt haben.

Aufnahmedatum 06.05.1969<br />
Erscheinungsdatum 07.05.… Foto: Kurier/Klinsky Fritz Very British: die 43-jährige Queen Elizabeth, 1969 mit Bundespräsident Jonas in Wien Noch überraschender ist die Geschichte, die mir Elisabeth Denetz, damals Direktionsassistentin im Hotel Imperial, erzählte. Als sie einmal das Badezimmer der Königin betrat, konnte sie beobachten, wie die Queen am Waschbecken stand und ihre Leibwäsche persönlich wusch. Wer hätte das gedacht!

Dagmar Koller ist dabei

Als Charles und seine damalige Frau Diana im April 1986 in Wien waren, verschwand Dagmar Koller, die Ehefrau des Wiener Bürgermeisters Helmut Zilk, mit dem Prinzen während eines Banketts in der Hofburg plötzlich unterm Tisch. Um, wie sie später erklärte, ihre Zähne von eben verspeisten Kaviar-Resten zu reinigen. Im Vorfeld des kommenden Charles-&-Camilla-Besuchs befürchtete Dagmar Koller nun, dass sie den Prinzen diesmal nicht treffen würde, weil sie gar nicht geladen sei. Ich darf diese Vermutung hier richtigstellen: Dagmar Koller ist bei dem Empfang, den Bundespräsident Alexander Van der Bellen für das Prinzenpaar gibt, eingeladen.

(kurier) Erstellt am
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