Vin Diesel

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Interview
03/06/2017

Vin Diesel: Hollywoods Action-Motor

Der Schauspieler über seine Rollen, den Ruhm und seinen besten Freund.

Er sieht aus, als hätte er soeben eine Runde im Ring gegen Hulk Hogan gewonnen. Doch Vin Diesel (49), geboren als Mark Sinclair Vincent in Kalifornien, ist in Hollywood-Insiderkreisen längst mehr für seine cleveren Business-Entscheidungen berühmt, als für seine Muskeln. Die "The Fast and the Furious"-Serie des smarten Glatzenträgers (neben dem Collage jobbte er als Rausschmeißer in New Yorker Nachtclubs) hat weltweit vier Milliarden Dollar eingespielt. Jüngst war er in der Fortsetzung "xXx: Die Rückkehr des Xander Cage" im Kino zu sehen. Klar, dass er es sich dazwischen leisten kann, ein kleines Drama wie "Die irre Heldentour des Billy Lynn" für eine Handvoll Dollar zu machen. Denn der geheime Wunsch des Actionstars ist letztendlich ein Oscar.

KURIER: Die Bezeichnungen Actionstar und Dramadarsteller gelten in Hollywood als Widerspruch. Sie versuchen trotzdem den Spagat zwischen Popularität und Kunst. Nehmen Sie dafür mindere Gagen in Kauf?

Vin Diesel: So habe ich ja begonnen! Keiner kann sich erinnern, aber ich machte zwei Filme als Regisseur, bevor ich eine kleine Rolle in Steven Spielbergs ,Soldat James Ryan‘ bekam. Das war vor 19 Jahren! Da spielte ich einen jungen Soldaten, deshalb ist es auch so interessant für mich, dass ich in ,Die irre Heldentour des Billy Lynn‘ nun eine ähnliche Rolle spiele wie Tom Hanks in ,James Ryan‘. So schließt sich der Kreis.

Sie haben eine Dialogzeile, wo Sie sagen ,Wir Amerikaner sind alle wie Kinder, und es wird Zeit, dass wir endlich erwachsen werden.' Können Sie das auf Ihr eigenes Leben anwenden?

Absolut. Ich bin in New York aufgewachsen und dort glaubt man ja auch, dass die Welt mit dem Hudson River endet und es nach dem Atlantik nichts mehr gibt. Für ,Soldat James Ryan' wurde ich nach England und Irland geflogen, und erlitt natürlich sofort einen Kulturschock. Das und dann das Cannes-Filmfestival. Ich verdiente 70.000 Dollar an dem Film und dachte, super, jetzt kann ich in Pension gehen! Das war damals unglaublich viel Geld für mich. Stattdessen kaufte ich meiner Mutter ein Flugticket, damit sie zu meiner 30. Geburtstagsparty in Irland kommen konnte, die Steven Spielberg und Tom Hanks für mich gaben. Es war auch ihr erstes Mal in Europa. Ich war damals mit Maria Grazia Cucinotta zusammen, die in ,Il Postino' spielte, und sie brachte uns nach Italien. Ja, ich musste definitiv Amerika verlassen, um erwachsen zu werden.

Sie haben vor drei Jahren Ihren Freund Paul Walker verloren , der bei einem Autounfall tödlich verunglückt ist. Sie haben ihn im letzten Film sehr bewegend geehrt. Welche Erinnerungen haben Sie an ihn?

Oh Gott, Paul war ein wahrer Held. Er kam mit mir nach Haiti nach dem schrecklichen Erdbeben dort. Ich hatte gerade eine Rede für UNESCO gehalten, als ein Anruf kam, dass ich bitte nach Haiti fliegen soll. Zu dem Zeitpunkt konnte niemand dorthin, CNN versuchte reinzukommen, andere Medien auch. Ich nahm einen CNN-Reporter im Helikopter mit Ich rief alle meine sogenannten Freunde in Hollywood an und sagte, dass wir sie brauchen und sie bitte kommen sollen. Der Einzige, der sofort in den nächsten Flieger stieg, war Paul. Er landete und ging direkt zu einem Waisenhaus. Er hatte eine wunderschöne Seele. Er wusste seinen Ruhm richtig zu nutzen. Nicht für Applaus und Preise, sondern, um Menschen zu helfen. Die andere Seite des Ruhms ging komplett an ihm vorbei.

Wie ist das bei Ihnen? Haben Sie davon geträumt, berühmt zu werden?

Ja, ich wusste das schon als Kind. Ich sah damals eine Doku über Marlon Brando, in der er sagte, dass er immer schon wusste, er würde berühmt werden. Bei mir was es genauso. Und trotzdem ist man total schockiert, wenn es passiert. Vor allem, dass du dann nicht nur im eigenen Land, in der eigenen Sprache berühmt wirst, sondern die ganze Welt erreichst. Und diese globale Idee hat mich stark beeinflusst. Ich überredete die Produzenten für xXx auch internationale Schauspieler zu engagieren. Denn das war mir wichtig. Wenn wir in alle Länder gehen mit dem Film, dann sollten nicht nur Amerikaner mitspielen.

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