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Unterwegs mit
05/10/2014

Thomas Schubert: "Ich hatte großes Glück"

Seine Karriere verdankt das Talent dem Zufall – und Karl Markovics.

von Sandra Lumetsberger, Jeff Mangione

Es war ein Samstagnachmittag vor vier Jahren, an dem sich Thomas Schuberts Leben ändern sollte. Weil ihm zu Hause langweilig war, begleitete der damals 17-jährige AHS-Schüler seinen Freund zu einem Casting. Schauspieler Karl Markovics suchte einen Hauptdarsteller für sein Regiedebüt "Atmen". Schubert ließ sich auch einen Text geben, sprach vor und kam in die nächste Runde. Am Ende hat er sich gegen 300 Kandidaten durchgesetzt. "Ich hatte großes Glück, dass sich Markovics getraut hat, einen Laien zu nehmen. Es gibt viele wie mich, die sich das so nie zugetraut hätten", sagt er im Rückblick über seinen Entdecker. Dieser war von Anfang an überzeugt. "Er ist das größte Talent, dem ich in meinem Leben je gegenübergestanden bin", sagt Markovics über Schubert.

Heute sitzt der 21-Jährige im "Café Kafka", in einer Seitengasse der Mariahilfer Straße. Hier treffen sich Studenten und Künstler. An den Wänden hängen Filmplakate, die Möbel haben Patina. Schubert lässt sich überreden, draußen zu sitzen, obwohl ihm das Interieur so gut gefällt. Er schnappt seinen braunen Rucksack, nimmt Platz und beginnt zu erzählen – aus seinem neuen Leben.

Seit zwei Wochen wohnt er im siebten Bezirk – er ist von zu Hause ausgezogen. "Ich wollte in eine Gegend, wo mehr los ist. Hier entdecke ich jeden Tag neue Lokale. Für Dates ist das auch ganz gut." Bei seinen Eltern in der Donaustadt – der Vater ist Zahntechniker, die Mutter Lehrerin – wuchs er "sehr behütet" auf, so Schubert. Während seine jüngere Schwester noch daheim wohnt, ist sein älterer Bruder ebenfalls ausgezogen. Als Kinder haben die beiden Filme nachgespielt – "Mein Bruder war Batman und ich war Robin". Später zeigte er ihm Arthousefilme. "Ich habe so viel von ihm gelernt – von Musik, Filmen bis zu der Art, wie ich heute bin." In der Schule, so Schubert, fühlte er sich anders als die anderen. "Ich hatte nie so dieses Zugehörigkeitsgefühl." Mit 16 sah er begeistert Stanley Kubricks Film "2001: Odyssee im Weltraum" "Kein Mensch wollte sich diese Filme mit mir anschauen." Obwohl es für ihn im Nachhinein offensichtlich ist, dass er immer schon schauspielern wollte, war er in der Schulzeit lange ohne Plan und auf der Suche nach Identität.

Während des Gesprächs schweift Schuberts Blick ab, er fährt sich mit der Hand in den Nacken. Dabei fokussiert sich sein Blick auf einen jungen Mann, der gebückt humpelt und die Gäste des Cafés anbettelt – als er vorbeigeht, fragt er ihn, ob alles okay ist.

Experimente

Die Aufmerksamkeit und die Auszeichnungen für seine Rolle als einzelgängerischer Jugendhäftling Roman Kogler in Markovics Film – er bekam dafür den Österreichischen Filmpreis sowie den Darstellerpreis des Sarajevo Film Festivals überreicht – haben Schuberts Leben zwar verändert, ihn aber nicht abheben lassen. Statt sich mit Kollegen aus der Branche zu umgeben, trifft er die gleichen Leuten wie vor fünf Jahren. Statt eine klassische Schauspielausbildung einzuschlagen, experimentiert er, dreht Kurzfilme mit Studenten oder setzt sich in Philosophie-Vorlesungen. "Ich will mir selbst etwas beibringen, üben, ausprobieren. Man muss den Zugang zu einer Rolle selbst finden. Das kann auf viele verschiedene Arten gehen, ich glaube nicht das man ein Schema dafür lernen kann."
Dass er für die Schauspielerei die Matura abgebrochen hat, bereut er nicht. "Hast was g’lernt, bist wer – diese Einstellung gefällt mir nicht. Ich habe meine Eltern gesagt, dass ich meinen eigenen Weg finden werde." Aussagen wie diese lassen ihn rebellisch wirken. In einem Nachsatz relativiert er : "Ich werde sicher irgendwann weiterlernen, ich möchte mich schon entwickeln. Da es derzeit ganz gut läuft, vertrauen mir meine Eltern auch."
Was seine Schauspielkarriere betrifft konnte er nicht nur von seinem Mentor Markovics – der für ihn heute ein guter Freund ist – lernen, sondern auch von Regisseur Andreas Prochaska. In dessen mehrfach ausgezeichnetem Alpen-Western "Das finstere Tal" spielte er neben Tobias Moretti und Sam Riley einen jungen Bräutigam. Markant auch in dieser Rolle – sein Blick, bei dem die Augen ganz groß werden – so beschrieben es die Filmkritiker derSüddeutschen Zeitung. Darüber muss er schmunzeln. "Ja, meine bisherigen Rollen waren sehr ernst. Ich würde gerne einmal auch in einer Komödie spielen."

Unter Schuberts blauem T-Shirt blitzt eine Tätowierung hervor. Er zieht den Kragen nach unten und zeigt ein Mandala her. Er hat es sich vor einem Jahr stechen lassen. "Es steht für Resonanz und Ausstrahlung."

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