© KURIER/Franz Gruber

Unterwegs
03/03/2014

Thomas Stipsits: "Ich habe als Groupie angefangen"

Der Kabarettist über Probleme mit Erfolg, Satire in den Öffis und Georg Danzer

von Laila Daneshmandi

Das Café Bendl in Wien-Josefstadt weckt in Thomas Stipsits manch schöne und unschöne Erinnerung. In seinem Alltags-Look erkennt man den 30-jährigen Kabarettisten kaum. Hier landete er früher oft, nachdem er in seinen Anfangszeiten sonntags das nahe gelegene Kabarett Niedermair füllte. "Doch leider kamen mit der Zeit immer mehr Burschenschafter ins Lokal." Als Stipsits den rechten Parolen am Nebentisch eines Tages widersprach, "bin ich verdroschen worden".

In seinen Programmen schlüpft er gerne in die Rolle solcher Menschen. "Man darf den Leuten nichts oktroyieren. In einer Rolle hat man die Möglichkeit, die politische Position einer Figur zu vertreten, ohne dass es die eigene Meinung ist." Und kann sie mit ihren eigenen Argumenten bloßstellen.

Dafür verehren ihn auch seine Fans – spätestens seit Programmen wie "Bauernschach" oder "Triest" (mit Manuel Rubey). Stipsits ist kein Gag-Drescher, er spricht ruhig und unaufgeregt, Premieren und "Szene-Blabla" ermüden ihn.

Klischeehaft

Seine Inspirationen holt er sich bei den Leuten auf der Straße oder in den Öffis. "U-Bahn-Fahren ist für mich wie satirisches Essen gehen. Viele Menschen sind so klischeehaft, dass man es für die Bühne sogar runterschrauben muss."

Inzwischen hat sich Stipsits auch als Schauspieler profiliert, aktuell im Harald Sicheritz-Film "Bad Fucking". Dass er keine Schauspielausbildung genossen hat, sei kein Hindernis bei seiner Arbeit beim Film. "Schwer tu’ ich mir nur, wenn es zu hochdeutsch wird. Die Bühnensprache wirkt bei mir wie parodiert." Auf der Suche nach neuen Herausforderungen freut es ihn, dass man ihm "inzwischen sogar schwierigere Rollen zutraut – wie derzeit für einen Film, der im Homosexuellen-Milieu spielt".

Bei Dreharbeiten lernte er auch seine Herzdame, die Tiroler Schauspielerin Kathi Straßer, kennen – bekannt aus "Schnell ermittelt" –, mit der er in wenigen Wochen erstmals Nachwuchs erwartet. "Kathi versteht meinen Tagesrhythmus, weil sie Schauspielerin ist. Ich sehe ihr irrsinnig gerne auf der Bühne zu und sie mir auch." Derzeit laufen die Vorbereitungen für das Baby auf Hochtouren. Ob es ein Mädchen oder ein Bub wird, will er noch nicht verraten.

Religionslehrer

Fast wäre Stipsits ja Religionslehrer geworden. "Die philosophische Ebene hat mich immer schon sehr fasziniert." Doch als er sich nach dem Zivildienst für einen Lebensweg entscheiden musste, hatte es ihm die Bühne schon angetan.

Im Jugendzentrum, im burgenländischen Stinatz, bereitete der junge Stipsits mit Freunden Stücke rund um Konsumwahn und Suchtverhalten vor. "Wir wollten die Welt verändern. Die Bühne war wie eine Droge." Sogar seine Neben-Karriere im U-15-Fußball-Nationalteam hängte er dafür an den Nagel. Die entscheidende Wende brachte ein Konzert von Georg Danzer. "Ich durfte damals fürs Radio ein Interview mit ihm machen. Eigentlich bin ich ja als Groupie dazugekommen." Dabei dürfte schon der 15-jährige Stipsits beim großen Danzer Eindruck geschunden haben. "Eines Tages hat er mich angerufen und gefragt, ob ich bei einem Konzert in der Nähe vor ihm auftreten will."

Damals wie heute schreibt Stipsits seine Stücke gemeinsam mit seinem Vater. Die gesamte Familie ist Testpublikum. "Meine Mama und Oma haben ein gutes Thermometer, was funktioniert und was nicht."

Sein schneller Erfolg gab ihnen Recht. Er bekam einen Kabarettpreis nach dem anderen, tourte von Ort zu Ort – doch genauso schnell kam der Einbruch: "Ich musste bald nach der ersten Erfolgswelle ein halbes Jahr Pause machen. Ich dachte nur, ich habe das alles nicht verdient und hatte irrsinnige Minderwertigkeitskomplexe." Seit seiner Krise geht er besonnener mit seinen Ressourcen um – "mit dem Kind werden sich meine Prioritäten sicher noch mehr ins Private verschieben". Seinen Kultstatus hat er sich längst verdient – auf alles, was noch kommt, kann man sich nur freuen.

Tipp: Derzeit ist Thomas Stipsits mit Ulli Bäer und Willi Ganster in "Von Danzer bis Stinatz!" Vol. 1 im Wiener Orpheum zu sehen. Die nächsten Termine: 26. März, 1. Mai und 6. Juni.

Liebe ist eine Geschichte ohne Epilog.

Wütend werde ich im Stau. Deshalb fahre ich in Wien nur öffentlich.

Meine Mutter sagt immer, ich habe dich unter Schmerzen geboren.

Peinlich ist mir meine beginnende Glatze.

Auf der Bühne bin ich wie unter Drogen.

Weinen muss ich beim Zwiebelschneiden.

Humor ist für mich eine Lebenseinstellung.

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