Stars
26.08.2017

Superstars, made by YouTube

In der analogen Welt kennt sie kaum wer, aber im Internet haben sie Millionen Freunde, Fans und Follower. Die freizeit stellt Menschen vor, die mit ihren meist selbst fabrizierten Videos auf YouTube viel mehr Klicks erzielen als so mancher „echte“ Promi. Lena Müllner hat nachgefragt, wie das geht.

BibisBeautyPalace, DariaDaria oder Michael Buchinger, so heißen die Stars der heutigen Jugendlichen. Die Namen sagen Ihnen nichts? Damit sind Sie nicht alleine! Viele Erwachsene sind sich der Einflusskraft und Reichweite solcher Internetstars meist nicht bewusst und können sich noch viel weniger vorstellen, dass diese oft hauptberuflich vom Videodrehen leben. Ist aber so. Und dementsprechend immer öfter fassen junge Menschen auch den „Traumberuf YouTuber“ ins Auge. Doch wer sind eigentlich diese Videomacher? Was verdienen sie? Und worauf sollten Eltern achten, wenn ihr Kind selbst Videos drehen will?

DariaDaria, 27 / 40.000 Abonnenten
Die Wienerin empfiehlt auf ihrem Kanal das Tragen nachhaltiger Mode und besitzt einen Hund namens Mala, der aus einer Tierschutzeinrichtung kommt. Ihr Einsteiger-Tipp: „Authentisch bleiben! Nicht nur an Geld & Bekanntheit denken, sondern Spaß und guten Content in den Vordergrund stellen.“

Da gibt es etwa die Wienerin DariaDaria, die in Wirklichkeit Madeleine Alizadeh heißt und über ihren Lifestyleblog und ihren YouTube-Kanal bekannt wurde. Sie kann mittlerweile davon leben und verdient ihr Geld durch Kooperationen mit Unternehmen wie Wolford, Airbnb und Uber. Eigentlich hat die ausgebildete Fotografin aber ihren Masterabschluss an der Fashion- und Designhochschule Instituto Marangoni in Mailand gemacht. Sie wirbt für faire Mode, setzt sich für Tierrechte ein und wäscht ihre Haare mit der „no-poo“-Methode, bei der man kein Shampoo, sondern Roggenmehl oder Lava-Erde verwendet. Auf ihrem YouTube-Kanal nimmt sie ihre Abonnenten auf Reisen nach Bali und Tunesien mit, beantwortet deren Fragen oder interviewt sogar Regisseurin und Oscarpreisträgerin Sofia Coppola. Auch einer ihrer guten Freunde schaffte mit YouTube den Durchbruch.

Michael Buchinger, 24 / 150.000 Abonnenten
Der gebürtige Burgenländer lebte 2015 mehrere Monate lang in einer „YouTube-WG“ in Berlin, gemeinsam mit anderen Videomachern.
Sein Einsteiger-Tipp: „Auf spezifische Themen konzentrieren! Zum Beispiel Ernährungstipps für Pferde geben.“

Michael Buchinger, der ursprünglich aus Müllendorf im Burgenland stammt, lebt inzwischen in Wien und hat vor Kurzem ein Buch veröffentlicht. In „Der Letzte macht den Mund zu“ erklärt er, was er alles hasst. Klingt nicht nach einem lustigen Thema? Ist es aber – zumindest wurde er genau damit berühmt. Seine monatlichen „Hass-Listen“, YouTube-Videos, in denen er seinen Zuschauern auf unterhaltsame Art und Weise nahebringt, was ihn im jeweiligen Monat besonders auf die Nerven gegangen ist, erreichen regelmäßig 50.000 Aufrufe oder mehr. Buchinger, der sein Englisch- und American Studies-Studium im vergangenen Jahr abgeschlossen hat, geht offen mit seiner Homosexualität um, schreibt eine regelmäßige Kolumne für eine Frauenzeitschrift und war im Animationsfilm „Sausage Party“ als Toilettenpapier zu hören.

Mehr als Katzenvideos

Als YouTube im Jahr 2005 gegründet wurde, ahnte wohl niemand, dass diese Plattform wenige Jahre später weit mehr sein würde als ein Heim- und Katzenvideodienst. Denn YouTube macht heute Stars. Es scheint, als ob immer mehr junge YouTuber wie Madeleine Alizadeh oder Michael Buchinger „echten“ Prominenten den Rang ablaufen. Eine brandaktuelle Studie von Google ergab, dass YouTuber bei Jugendlichen sogar als authentischer, glaubwürdiger und greifbarer wahrgenommen werden, weil sie im direkten Kontakt mit ihren Zuschauern stehen, auf Anregungen eingehen und das Gefühl einer persönlichen Beziehung vermitteln.
Doch das YouTube-Dasein hat auch Schattenseiten. Immer öfter wird den Videomachern vorgeworfen, Geld mit den meist sehr jungen Menschen zu verdienen, von denen sie als Vorbilder gesehen werden, indem sie diese animieren, das eine oder andere Produkt zu kaufen.
Im -Interview findet DariaDaria dazu klare Worte: „Grundsätzlich ist nichts Verwerfliches daran, durch Reklame den Lebensunterhalt zu verdienen,allerdings muss man sie transparent als solche deklarieren und Werbepartner sorgsam auswählen.“ Und ihr „Kollege“ Michael Buchinger glaubt, dass die junge Generation sehr gewieft ist und sich nicht so leicht über den Tisch ziehen lässt.

Realitätsflucht

Aber wie geht Buchinger generell damit um, dass er mit seinen Hass-Videos Einfluss auf seine – teilweise sehr jungen – Zuschauer hat? Er versuche darüber nicht nachzudenken, so Buchinger, auch wenn das „vielleicht schlimm klingt“, wie er selbst betont. Andernfalls würde er sich wahrscheinlich ein Blatt vor den Mund nehmen, da sich viele im Internet sehr schnell angegriffen fühlen. „Um das zu vermeiden, müsste ich wahrscheinlich anfangen, Häkel-Videos zu drehen.“ Ihm sei es außerdem wichtig, den Menschen ein paar Minuten „Realitätsflucht“ zu bieten, obwohl er auch versuche, ihnen Toleranz und Offenheit zu vermitteln.


Manuel Davis, 23 / 22.000 Abonnenten
(Noch) kein Star, aber wer weiß. Der Wiener sieht seine Videos als Hobby. Er dreht häufig mit Freunden und bezeichnet seine YouTube-Auftritte als „chaotisch“. Sein Einsteiger-Tipp hat Potenzial: „Geduld haben! Zu Beginn läuft es meistens noch nicht gut, wenn man es aber wirklich will, schafft man es auch.“

Aber auch Videomacher, die noch eher unbekannt sind, haben in YouTube mehr als nur ein Hobby gefunden – so wie Manuel Langer, der sich im Internet Manuel Davis nennt und im Brotberuf als Chemiker bei einer Dopingkontrolle arbeitet. Langer sieht vor allem Authentizität als Schlüssel zum Erfolg, deshalb lässt er sich durch seine „Vorbildfunktion“ nicht beeinflussen und macht, worauf er Lust hat. Sein Zugang zum Thema Werbung: Er finde es unfair, manche YouTuber in ein schlechtes Licht zu rücken, weil sie viel Geld mit Werbung verdienen, denn Filmstars würden schließlich auch nicht für ihre Werbeauftritte kritisiert.

Bianca “Bibi“ Heinicke, 24 / 4.500.000 Abonnenten
Mit „ BibisBeautyPalace“ ist die YouTuberin ein echter Star. Außerdem dreht sie mit ihrem Freund Julian, der selbst über 3,1 Millionen Abonnenten hat, gemeinsame Videos. Ihr Einsteiger-Tipp: „Klare Ziele setzen! Beispielsweise mindestens ein Video pro Woche hochladen.“

Wie viel einzelne YouTuber tatsächlich einnehmen, ist nicht bekannt. Im Fall der Kölnerin Bianca Heinicke, deren BibisBeautyPalace-Auftritte populär sind, dürfte sich der monatliche Profit aber auf mehr als 110.000 Euro belaufen, wie ein Experte für das „manager magazin“ berechnete. Dazu kommen zahlreiche weitere Einnahmequellen, zum Beispiel ihre Körperpflegemarke „Bilou“, Kooperationen mit Neckermann und der deutschen Telekom sowie der Song „How It Is (WapBap)“, der das Kunststück geschafft hat, innerhalb kürzester Zeit das am schlechtesten bewertete YouTube-Video im deutschsprachigen Raum zu sein, und gleichzeitig auf Platz 5 der österreichischen Musikcharts einstieg.
Sogar YouTuber mit einer weit geringeren Reichweite als Heinicke profitieren finanziell von ihren Videodrehs. Der verrät Dopingkontrolleur Manuel Langer, dass er mit seinen Clips bis zu 300 € im Monat einnimmt. Grob könne man davon ausgehen, dass pro 1.000 Klicks ein Euro verdient wird.


Ossi.Glossy, 13 / 390.000 Abonnenten
Eigentlich heißt Ossi.Glossy Oscar. Der Schüler will später einmal Maskenbildner werden und findet, dass es nicht vom Geschlecht abhängen sollte, ob man sich schminkt oder nicht. Sein Einsteiger-Tipp: „Sich etwaige Kritik nicht zu sehr zu Herzen nehmen!“

Auch der Berliner Schüler Ossi Glossy könnte bereits von seinen YouTube-Einnahmen leben. Seit er sich das Schminken selbst beigebracht hat, gibt er im Internet Tipps und kann schon mit Make-up-Profis mithalten. Laut eigener Aussage wusste er immer, dass er „anders“ ist, negative Kommentare, die er deshalb bekommt, nehme er sich nicht zu Herzen.

ViktoriaSarina, Anfang 20 / 1.000.000 Abonnenten
Die beiden Studentinnen sind beste Freundinnen und führen gemeinsamen einen Blog.Ihr Einsteiger-Tipp: Fun, Fun, Fun – ohne Spaß geht bei den beiden vielbeschäftigten Mädels gar nichts.

Ebenfalls Millionäre, zumindest was Abonnentenzahlen betrifft, sind die beiden Grazerinnen Viktoria und Sarina. Auf ihrem Kanal „ViktoriaSarina“ können sie bis zu einer Million Aufrufe pro Video erwarten. Im April veröffentlichten sie das Mitmachbuch „Spring in eine Pfütze“, welches Trends und „Do-it-yourself“-Ideen beinhaltet.
Logisch, dass das Phänomen YouTube inzwischen in der Politik angekommen ist. Vor Kurzem wagte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel zum zweiten Mal nach 2015 den Sprung in den Web-Channel und ließ sich live von vier YouTubern interviewen. Das Video erzielte innerhalb von 24 Stunden 1,2 Millionen Aufrufe. Ob die allerdings alle von mündigen Wählern stammen, wurde nicht erhoben.