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23.10.2017

Stefan Partoll erfüllt die Wünsche der Reichen

Wenn Reich und Super-Reich etwas wollen, rufen sie Stefan Partoll an.

Zeit ist ja – zumindest sprichwörtlich – Geld und wenn man besonders viel davon hat, aber eben wenig Zeit, sich aber etwas besonderes wünscht, dann kommt Lifestyle-Manager Stefan Partoll ins Spiel. Als Österreich-Chef der " Quintessentially Lifestyle Group" ist er für den nicht alltäglichen Luxus zuständig.

Und die Wünsche gehen vom Zimmer im ausgebuchten Hotel, Tickets für die erste Reihe des Neujahrskonzerts, Super-Spezial-VIP-Karten für Formel-1-Rennen bis hin zur ganz exklusiven Verlobungsfeier. Der KURIER hat Stefan Partoll im Nobel-Hotel Park Hyatt zum Interview getroffen.

Was macht Ihre Agentur? Wie kann man sich das genau vorstellen?

Stefan Partoll: Also Quintessentially ist ein internationaler Private Members Club, man muss Mitglied sein, um den Service in Anspruch nehmen zu können. Ist man Mitglied, bekommt man einen privaten Account-Manager zur Seite gestellt, der eben alle Anfragen für den Kunden erledigt. Also, das können außergewöhnliche Anfragen oder Alltägliches, wie Restaurantbuchungen oder Ticketbuchungen sein. Wir werden auch lieber Lifestyle-Manager genannt, als Concierge-Service. Wir machen ja wirklich ein komplettes Profiling vom Kunden. Wie er gekleidet ist, welche Hobbies er hat, wo er gerne im Flieger sitzt, Hotelvorlieben, Restaurantvorlieben. Was mag er, was mag er nicht und da gehen wir schon auch proaktiv auf den Kunden zu. Also er muss nicht immer auf uns zukommen, wenn er was braucht. Sondern, wenn wir wissen, er ist ein Tennisfan und wir haben wieder unsere Lounge in Wimbledon. Dann bieten wir ihm das schon Monate vorher gezielt an.

Kann jeder Mitglied sein oder welche Anforderungen muss man erfüllen, damit man sich da anmelden darf?

Im Prinzip kann jeder Mitglied sein. Nur, man muss natürlich schon wissen, das Service ist auf sehr hohem Niveau und wir machen eine Kundenüberprüfung.

Was kostet so eine Mitgliedschaft?

Wir haben verschiedene Pakete. Angefangen beim General Service für 2.000 Euro jährlich bis hin zur Elite-Stufe, die bis 40.000 Euro im Jahr geht.

In wievielen Ländern ist Quintessentially vertreten?

In ca. 50. Ländern. Wir haben jetzt mittlerweile knapp 65 Büros weltweit. Also, wir sind eigentlich auf der ganzen Welt vertreten, auf jedem Kontinent.

Wie schafft Sie es, dass Sie solche Wünsche (ausverkaufte Opernvorstellung, Konzerttickets,…) erfüllen können?

Das geht ausschließlich über das Netzwerk. Man muss ein geniales Netzwerk haben mit dem man zusammenarbeiten kann. Sonst funktioniert so etwas nicht. Und das ist das Um und Auf bei Quintessentially. Und da haben wir eben den großen Vorteil, dass wir alle international direkt zusammenarbeiten. Wir haben ein zusammenhängendes CRM-System, wo wir unsere Kontakte alle eingeben, unsere Beziehungen eingeben und dadurch arbeiten wir alle international zusammen und helfen uns gegenseitig aus. Wir sind über 1000 Angestellte weltweit und wenn man einmal etwas nicht weiß, kann man ein E-Mail an diese 1000 Personen schreiben und irgendeiner hat immer irgendeine Idee oder den richtigen Kontakt.

Was sind denn so die außergewöhnlichsten Wünsche gewesen?

Das ist natürlich immer eine Definition. Was ist außergewöhnlich? Wir versuchen natürlich immer zum Kunden eine sehr enge, persönliche Beziehung zu haben, dass man sich auch gegenseitig vertrauen kann. Das ist eigentlich für mich das Um und Auf bei Quintessentially. Dass der Account Manager, der Betreuer, eine direkte Beziehung zum Kunden hat. Und ich kann mich noch gut an einen arabischen Elitkunde erinnern, der mich eines Tages anrief und sagte: „Stefan, kannst du bitte für mich nach Monaco fliegen. Ich möchte mir dort eine Wohnung kaufen, hab aber nicht die Zeit und auch nicht die Lust, mir das selber zu machen." Ich bin dann nach Nizza geflogen, von dort mit dem Hubschrauber nach Monaco und habe Termine für Besichtigugen von Top-Wohnungen ausgemacht. Da kostet dann schon mal eine 80 m2 Wohnung 10 Mio. Euro. Und dann haben wir uns da eben einige Wohnungen angesehen, natürlich Pläne zusammengesammelt und ihm den Grundbuchauszug geschickt. Dann sagte er: „Nein, nein das war so nicht gemeint. Du kennst mich ja, also bitte such mir eine Wohnung aus, meinen Stil betreffend und dann kaufst du mir diese Wohnung. Ich habe da keine Zeit, mich selbst drum zu kümmern." Das ist dann schon natürlich eine sehr intensive Aufgabe, die dann auch etwas stressig ist. Aber, wir haben dann eine Wohnung gefunden. Wir haben ihm drei zur Auswahl gegeben. Er hat sich dann für eine Wohnung um 15 Mio. Euro entschieden. Also wir sind da gewesen, haben einfach nur die Vorbereitungen getroffen, alles ausgewählt und dann hat er den Abschluss selbst gemacht. Also, das finde ich schon etwas verrückt.

Kann man sich das auch so vorstellen, dass irgendein Kunde, irgendein Star sagt, er möchte jetzt ein ganzes Kaufhaus gesperrt haben. Kommen solche Sachen auch auf Sie zu?

Natürlich können solche Dinge auch vorkommen. Das ist kein Thema. Eine spannende Geschichte, die auch mir sehr gut gefallen hat, war letztes Jahr zu Weihnachten. Da war ein relativ bekannter Herr aus der IT-Szene, hat am 16. Dezember angerufen und gesagt: „Ich komm nach Wien mit meiner Freundin und möchte mich verloben“. Gut, keine große Geschichte. Nur, dann ist es losgegangen. Er möchte das am 22. Dezember machen. Er braucht eine Location, er braucht 500 Pfingstrosen, weil das sind die Lieblingsblumen der Frau. Pfingstrosen im Winter: Schwierig. Sie steht auf klassische Musik, sie möchte natürlich die besten Musiker haben, also Philharmoniker. Und dann war die Location-Auswahl natürlich auch sehr wichtig. Wir haben ihm die verschiedensten Locations gezeigt – alles übers Telefon und haben uns dann auf das Kunsthistorische Museum geeinigt. Das Kunsthistorische Museum hat er dann privat gemietet. Wir mussten das dann natürlich so organisieren, dass es so aussieht, als wenn das Museum ganz normal offen hätte. Das Museum wurde um 18 Uhr gesperrt und wir haben 50 Statisten als Besucher gebraucht. Dann haben wir alles weihnachtlich schmücken müssen. Eben die 500 Pfingstrosen haben wir organisiert, Catering haben wir gecheckt, eine spezielle Lichtshow hat sein müssen, Videoteam, Fotograf, einer von den Philharmonikern, dann noch ein extra klassisches Orchester. Blumen haben von der Decke runterkommen müssen mit dem Ring drauf und die Schwierigkeit ist daran natürlich auch: Es ist ein Museum und in einem Museum muss man extrem vorsichtig sein mit allen Dingen, die man da installieren möchte oder machen möchte. Und das war alles in einer knappen Woche zu organisieren.

Gab es schon einmal etwas, das Sie nicht erfüllen konnten? Weil es so schnell gehen musste oder weil es so abstrakt war?

Natürlich. Also ich müsste lügen, wenn ich sage, es funktioniert immer alles. Alles geht nicht. Zum Beispiel ist da der Mercedes SLS gerade erst vorgestellt worden und ein Kunde wollte das Auto aber schon nach drei Tagen nach Malta geliefert haben. Das geht nicht, wenn es das Auto nicht gibt, wenn es noch nicht produziert ist, kann man es nicht organisieren.

Sie kommen ja aus Tirol, aus einem sehr bodenständigen Umfeld. Wie ist das dann, wenn man mit diesen Superreichen zu tun hat? Verändert das einen selber auch?

Ich bin glaube ich schon aus einer sehr bodenständigen typischen Zillertaler Familie. Am Anfang war das schon sehr schwierig, diese zwei Welten zu verbinden und ich glaube, ich habe es ganz gut geschafft. Trotz des Luxus, den ich jeden Tag in meinem Leben erlebe und sehen darf, habe ich trotzdem meine Werte behalten. Natürlich gibt es gewisse Dinge, wo man Vorteile hat in meinem Geschäft. Man kann viele 5-Sterne Hotels probieren, man kommt in Top-Restaurants. Man lernt viele interessante Leute kennen, aber ich bin halt der Meinung, es ist wichtig, trotzdem auch am Boden zu bleiben.

Was ist für Sie dann persönlich Luxus?

Mein Luxus ist, dass ich eben in der Lage bin, meine Interessen so zu leben, wie ich sie möchte. Ich gehe gerne gut essen zum Beispiel. Ich trink gerne gute Weine. Ich kann mit meiner Familie in den Urlaub fahren. Ich kann in tolle Hotels fahren. Das ist für mich Luxus. Luxusgegenstände sind jetzt eher nicht so mein Ding. Ich organisiere sie gern, ich hab eine Freude, wenn ich sie jemandem schenken kann, aber ich glaube, da kommt der bodenständige Tiroler in mir heraus. Ich muss sie nicht unbedingt haben, aber mich freut es, dass ich damit arbeiten kann und dass ich andere Leute damit glücklich machen kann.