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Ruth Maria Kubitschek: "Man darf ruhig genießen"
09/22/2013

Ruth Maria Kubitschek: "Man darf ruhig genießen"

In einem neuen Bestseller verrät die 82-jährige Ruth Maria Kubitschek ihre Schönheitsgeheimnisse.

Ruth Maria Kubitschek klingt bestens gelaunt. Kein Wunder, wo doch ihr neuestes Buch „Anmutig älter werden“ ganz oben in den Bestseller-Listen rangiert. Die Schauspielerin, Autorin und Malerin hat bereits am frühen Morgen meditiert, ihr tägliches Ritual. Im Hintergrund prasselt ein Sommerregen – eine Wohltat für ihren großen Garten am Untersee in der Schweiz, wie sie selbst sagt. Im Herbst kommt ihr neuer Film „Frau Ella“ in die Kinos, wo sie an der Seite von Matthias Schweighöfer spielt. Mit dem KURIER sprach sie über das Älterwerden, Loslassen und ihre Liebe zur Natur.

KURIER: Wie schaffen Sie es, so gut gelaunt zu sein?

Ruth Maria Kubitschek: Offen annehmen, was kommt und aus jedem Tag einen schönen Tag machen. Auch was für andere tun, und nicht nur für sich selbst.

Ein großes Thema in Ihrem Buch ist das Loslassen.

Nachdem ich in meinem Leben ein paar Mal zum Loslassen gezwungen wurde, beschloss ich mit 60 Jahren, freiwillig nochmal neu zu beginnen. Ich löste binnen einer Woche meine riesige Altbauwohnung in München auf, in der ich 28 Jahre verbrachte, und verschenkte alle Möbel an Freunde und Familie. Ich bin dann nur mit zwei Koffern und ein paar Lampen in die Schweiz gefahren. Als ich aus München rausfuhr, spürte ich ein unbeschreibliches Freiheitsgefühl.

Was aber, wenn das Schicksal jemanden zum Loslassen zwingt?

Das ist auch nicht schlimm. Wer sagt, dass das Neue nicht besser ist als das Alte, das man hinter sich lassen muss? Es braucht jedoch Disziplin, um sich vom Schmerz zu lösen und ihn nicht ewig mit sich herumzuschleppen. In alten Dingen, Bildern, Möbeln einer Wohnung hängt oft viel Schweres.

Bei wem fällt Ihnen das Loslassen am schwersten?

Ich liebe meine Enkelin über alles. Wenn sie freiwillig kommt freue ich mich riesig, wenn nicht, ist es auch gut.

Was zählt zu Ihren Prioritäten im Leben?

Freunde sind ganz wichtig. Weibergespräche sind einfach anders. Klar darfst du in Freundschaften nicht nur nehmen, sondern musst auch geben. Als ich in die Schweiz kam, kannte ich nur Heidi und Müsselchen. Wir drei Frauen wurden zu einem erfolgreichen Team.

Was hat Sie in die Schweiz gezogen?

Die wunderschöne, weite Landschaft und der Blick auf den See faszinieren mich hier. Aber es gibt natürlich noch viele andere schöne Orte, wo ich leben möchte. Mauritius und Indien zählen für mich dazu.

Orientieren Sie sich an spirituellen und künstlerischen Vorbildern?

Nelson Mandela, Dalai Lama und auch Papst Franziskus, wenn er nicht „zu katholisch“ ist, zählen dazu. Bei den Malern gefallen mir Gabriele Münter, William Turner und die Impressionisten wie Paul Cézanne besonders gut.

Ist Schönheit nicht auch eine Frage des Geldes?

Nein, eher eine Frage der Zeit. Ich mache jeden Tag eine ausgiebige Bürstenmassage, eine Gesichtsmassage als natürliches Facelift, ich ernähre mich gesund und esse wenig Fleisch. Man darf ruhig genießen, aber alles in Maßen.

Der Kontakt zur Natur ist Ihnen sehr wichtig. Können sich auch Stadtbewohner mit der Natur verbinden?

In Wien gibt es ja viel Grün. Man braucht dazu nicht unbedingt einen eigenen Garten. Du kannst dir einen Baum oder Strauch in einem Park suchen, bei dem du dir Kraft holst und den du ins Herz schließt.

Sie stehen der Schulmedizin kritisch gegenüber?

Ich war, seit ich fünfzig bin, bei keiner Vorsorgeuntersuchung mehr. Warum soll ich mich mit etwas belasten, wenn ich mich gesund fühle? Viele Krankheiten sind nur vorübergehend und heilen oft von selbst.

Beobachten Sie nicht auch eine Zunahme von schweren Erkrankungen, gerade unter jungen Menschen?

Krebs ist eine ernste Krankheit, die man mit Schulmedizin, Homöopathie, ayurvedische Medizin gemeinsam behandeln kann. Ich denke, das wird auch die Zukunft sein. Sehr wichtig sind gute Gedanken. Es ist wichtig, zu versuchen, es anzunehmen und was in Unordnung geraten ist, wieder in Balance zu bringen. Dabei kann man selber viel tun und darf sich nicht alleine auf die Ärzte verlassen.

Die vielen Gesichter der Kubitschek

Kult-Serien

Angeblich wusste Ruth Maria Kubitschek schon früh, dass sie Schauspielerin werden möchte. Mit vier nämlich, schreibt die im tschechischen Komotau geborene Schauspielerin. Bekannt wurde sie 1966 durch einen Francis- Durbridge-Krimi, in dem sie die „Melissa“ spielte. Legendär sind ihre Auftritte in den Kult-Serien „Monaco Franze – der ewige Stenz“ (mit Helmut Fischer) oder „Kir Royal“. Kubitschek wurde mit zahlreichen Ehrungen ausgezeichnet – u. a. mit dem „Bambi“ und der Goldenen Kamera. Im Mai 2013 erhielt sie den Ehrenpreis für ihr Lebenswerk beim Bayerischen Fernsehpreis 2013. Im neuen Buch „Anmutig älter werden“ (Nymphenburger“) erzählt sie, wie sie die vielen Herausforderungen ihres Lebens geprägt haben.

Tipp

Ruth M. Kubitschek stellt ihr Buch am 22. 11., 19.30 Uhr bei der BuchWien in der Hauptbücherei Wien, Urban-Loritz-Platz 2a,1150 Wien vor.