Piotr Beczala.

© KURIER/Gilbert Novy

Unterwegs mit
08/31/2014

Piotr Beczala: Die Träume eines Startenors

Der Sänger hofft, dass Alexander Pereira Ordnung in die Mailänder Scala bringt. Auf dem Weg durch den Wienerwald spricht er über seine Golf-, Bridge- und Bond-Leidenschaft.

von Maria Gurmann, Gilbert Novy

Auf Hochglanz poliert steht der Oldtimer in seiner Garage. Bereit für die Ausfahrt in den Wienerwald. Piotr Beczalas "Spielzeug" ist ein Jaguar XK 150 (Bj. 1958), ein Modell, mit dem zig 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewonnen wurden, erklärt der gebürtige Pole freudestrahlend.

Nach seinem Konzert in Salzburg gönnt sich der gefeierte Startenor eine Woche Gesangspause, bevor er ab 5. September in "Rusalka" als Prinz auf der Bühne der Wiener Staatsoper stehen wird. Endlich Zeit, mit Ehefrau Katarzyna seine Winzer- und Bridge-Freunde zu besuchen. Oder eine Runde Golf zu spielen. Oder solange durch den Wald zu wandern, bis sie Steinpilze finden. "Meine Frau ist verrückt nach Pilzen. Gibt es hier welche?", fragt er auf dem Weg zum Kahlenberg.

Piotr Beczala

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Bei der St. Josefskirche wird er von seinen Landsleuten freundlich angesprochen. Nicht, weil sie den Opernsänger erkennen, sondern weil sie sein Auto mit dem Krakauer Kennzeichen bestaunen. Wie wohltuend uneitel ist dieser fröhliche Mann. "Ein Star, der auf dem Boden bleibt. Enorm musikalisch, kultiviert, mit einem traumhaft schönen Timbre gesegnet", schrieb KURIER-Opernexperte Gert Korentschnig über ihn.

James-Bond-Fan

Piotr, Sohn eines Textilarbeiters und einer Näherin hat vor allem Humor. "Solche Honigworte sind fast so gut wie dieser Topfenstrudel auf dem Cobenzl." Seine selbst manükierten Fingernägel glänzen, als wären sie lackiert. Nein, eitel sei er nicht, er wolle nur gepflegt ausschauen. "Ich bin einfach ehrlich, spiele nicht jemanden, der ich nicht bin." Im Laufe seiner Karriere, die vor 21 Jahren in Linz begann, habe er sich in jeder Hinsicht entwickelt. "Ich bin selbstsicherer, gesanglich und auch als Mensch besser geworden."

Er lacht über seine karierte Golfhose, die ihm seine Frau geschenkt hat und die er heute für den Ausflug trägt. Er lacht wie ein kleiner Spitzbub über die Klingeltöne seines Handys. Mit "Bond, James Bond", meldet es eine SMS. Die Titelmelodie von "Thunderball" ertönt, wenn seine Frau anruft, die von "The World is not Enough", wenn es seine Agentin ist. "Ich bin ein absoluter Bond-Fan." Eine Golfrunde mit "dem besten Bond-Darsteller" Sean Connery zu spielen ist sein großer Traum.

Mit Humor nimmt der 47-Jährige mittlerweile auch den Sturm, den er mit seinem Facebook-Eintrag vor einem Jahr nach den Buhrufen in der Mailänder Scala ausgelöst hat, als er schrieb: "Nach Italien komme ich nur noch, um Urlaub zu machen." Das könnte sich, nach einem Gespräch mit dem zukünftigen Direktor der Scala, Alexander Pereira, ändern. "Ich hab die Buhrufe von ein paar Fanatikern wahrscheinlich zu persönlich genommen. Ich hoffe, dass Pereira Ordnung in dieses Haus bringt." Während in der Wiener oder New Yorker Oper jeder Mitarbeiter – vom Portier bis zum Direktor – arbeite, damit auf der Bühne das Beste geboten werden könne, "ist es in der Scala genau das Gegenteil. Sie arbeiten nicht, damit unsere Leistung am Ende perfekt ist, sondern wir sind die nötige Last, damit alle arbeiten können."

Konsequent

Kritische Worte eines Künstlers, der sich als kompromissbereit und doch sehr konsequent bezeichnet. Mit 18 wurde sein Talent im Chor entdeckt. Um sein Gesangsstudium in Kattowitz finanzieren zu können, fuhr er nach Wien, stellte sich auf die Kärntner Straße und sang. "Ich hab gut verdient. Drei Wochen sang ich jeden Tag bis halb sieben. Dann bin ich direkt auf den Stehplatz in die Oper gegangen."

Noch 15 Jahre lang rechnet er, auf der Bühne zu stehen. "Als Tenor ist nach 30 bis 35 Jahren Gesang das Limit erreicht. Es ist die große Kunst, aufzuhören, bevor es bergab geht." Fürs Danach hat der Fan von Operettensänger Richard Tauber auch schon einen Traum: "Ich werde an meiner eigenen Operngesangsschule, nach meinen eigenen Vorstellungen, unterrichten."

Dann wird ihn sicher seine Frau, mit der er seit 22 Jahren verheiratet ist, unterstützen. "Sie ist mein Auge und mein Ohr im Publikum. Wir sind ein Team." Kinder hat das Paar keine. "Es hat nicht geklappt. Da könnte ich eine lange Geschichte erzählen." Will er aber nicht. Lieber steigt der Tenor in seinen Jaguar, streichelt das Holzlenkrad und sagt: "Das ist mein Baby."

Info. www.wiener-staatsoper.at

6 Fragen - 6 Antworten

Musik ist Leben.

Mein Vater sagte immer: Du weißt, was du zu tun hast. Die Konsequenzen trägst du.

Wütend machen mich Ignoranz und Inkompetenz.

Golfspielen heißt, immer nach vorne schauen.

In meinem Jaguar grinse ich. Das ist ein vergessenes Gefühl des Autofahrens.

Tränen fließen nicht. Echte Jungs weinen nicht. Nur, wenn ich jemanden wunderschön
singen höre, kann ich dahin schmelzen.

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