Pariasek: "Bank war mir zu wenig sexy"

Pariasek (re.): "Herbert Prohaska ist ein wunderbarer, edler Mensch."
Foto: apa

Das Gesicht des ORF-Sport wird 47. Im Interview spricht er über Herbert Prohaska, Eltern und Interview-Partner.

KURIER: Sie feiern am Freitag ihren 47. Geburtstag. Wünschen Sie sich etwas Bestimmtes?
Rainer Pariasek: Dass sich Österreich doch noch für die EURO 2012 qualifiziert…Nein, im Ernst: So wie jeder wünsche ich mir natürlich Gesundheit für meine Familie und mich. Darüber hinaus möge es mir privat und beruflich nie schlechter gehen als jetzt.

Wie werden Sie Ihren Geburtstag feiern?
Ich werde im GC Schönborn ein Golfturnier spielen und am Abend mit meiner Frau, meinen Kindern und meinen Schwiegereltern mit einer guten Flasche Wein (oder auch zwei…) anstoßen. Der 47. ist ja nicht unbedingt ein Geburtstag, den man groß feiern muss.

Sie wollten ursprünglich Strafverteidiger werden, haben das Studium der Rechtswissenschaften aber aufgrund ihrer Tätigkeit bei Ö3 abgebrochen. Ein Schritt, den Sie irgendwann einmal bereut haben?

Nicht einmal ansatzweise. Ich liebe meinen Job und würde mit keinem anderen tauschen wollen, auch wenn es besser dotierte gibt…

Ursprünglich wollten Sie gar nicht Sportreporter werden. Wann kam der Sinneswandel?
Als Studienjob hab ich bei der Austria Presse Agentur in die faszinierende Welt des Journalismus reingeschnuppert - und irgendwie hat mich das nie mehr ausgelassen.

Haben Sie mit Ihren Eltern vorher über diesen Schritt gesprochen? Was haben sie dazu gesagt?

Soweit ich mich zurückerinnern kann, habe ich das ganz alleine für mich entschieden. Spätestens als sie meinen ersten Artikel in der Zeitung gelesen und meine erste Reportage im Radio gehört haben, waren sie beruhigt.

Konnten Sie sich auch vorstellen in die Fußstapfen Ihres Vaters zu treten und als Bankbeamter zu arbeiten?

Der Beruf erschien mir ehrlich gesagt zu wenig "sexy".

Wie wichtig war Ihnen die Unterstützung Ihrer Eltern bei Ihren Entscheidungen?
Da ich schon während der Schulzeit ein kleiner Revoluzzer war, glaubte ich ohnedies, alles besser zu wissen. Insofern war mir die Unterstützung bzw. das Einverständnis meiner Eltern ziemlich schnuppe.

Würden Sie heute alles noch einmal genauso machen?
Nachdem meine älteste Tochter dieses Interview schon lesen kann sage ich jetzt: natürlich nicht!

Sie waren in ihrer Jugend Handballspieler. Hätten Sie es sich vorstellen können diesen Sport weiterhin auszuüben?

Vorstellen schon, ich war aber nicht gut genug. Als ich das erste Mal nicht in der Grundaufstellung gestanden bin, hab' ich das Handtuch geschmissen.

Mit 32 Jahren wechselten Sie in die Fernsehredaktion des ORF Sports. Ein Höhepunkt in Ihrer Karriere?

Schon bei meinen ersten Schritten bei der APA und "Die Presse" wusste ich, dass ich dort einmal arbeiten möchte. Umso glücklicher war ich, als mich Gerhard Zeiler und Elmar Oberhauser vom Radio zum Fernsehen holten.

Was waren bisher Ihre schönsten Momente beim ORF, an die Sie sich noch erinnern können?
Das waren natürlich vor allem die großen Erfolge österreichischer Sportler, bei denen ich dabei sein konnte - die Qualifikation und die Fußball-WM 1998, die vielen Skitriumphe, die olympischen Spiele aber auch diverse spannende Interviews oder Zusammentreffen mit Sportstars wie Pele und Muhammad Ali.

Gab es Rückschläge in Ihrer Karriere?
Rückschläge in dem Sinn eigentlich nicht, aber natürlich hat man auch schlechte Tage. Ich ärgere mich sehr, wenn mir Fehler oder Versprecher passieren - früher hab ich nach solchen Tagen gar nicht schlafen können, das hat sich aber zum Glück gebessert (sonst käme ich ja kaum noch zum Schlafen).

Haben Sie jemals einen Interviewpartner gehabt, mit dem Sie sich nicht verstanden haben?
Ich würde das eher umdrehen: es hat sicher Interviewpartner gegeben, die mit meinen Fragen nicht einverstanden waren. Damit kann ich ganz gut leben, Namen möchte ich aber nicht nennen.

Haben Sie Lieblingsinterviewpartner?

Am Liebsten sind mir jene, die interessante, schlagfertige, pfiffige, kontroversielle Antworten geben - also solche, die etwas "hergeben".

Wie groß ist der Konkurrenzkampf im ORF und wie enorm der Erfolgsdruck?
Vermutlich nicht größer als in jeder anderen großen Firma.

Verspüren Sie selbst auch noch so etwas wie einen Erfolgsdruck?

Nicht von außen, aber von mir selbst. Ich verlange viel von meinen Mitarbeitern, aber noch mehr von mir.

Ein Sprichwort lautet: "Mit dem Erfolg kommen auch die Neider". Stimmen Sie dem zu?
Na ja. Es hält sich in Grenzen -vielleicht merk' ich's auch nicht - keine Ahnung.

Gemeinsam mit Herbert Prohaska analysieren Sie die Fußballspiele. Es fällt auf, dass Sie vor der Kamera sehr gut miteinander auskommen. Ist das nur im Fernsehen so oder gehen Sie mit Prohaska auch mal abseits der Tätigkeit beim ORF etwas essen oder beschränkt sich das nur auf die Arbeit?
Ich bin sehr stolz darauf, Herbert Prohaska meinen Freund nennen zu dürfen. Er ist nicht nur einer der größten und erfolgreichsten Sportler, den Österreich hervorgebracht hat, er ist vor allem auch ein wunderbarer, edler Mensch, der darüber hinaus auch noch einen Riesenschmäh hat. Eine sehr seltene Kombination. Klar, dass man sich auch abseits der Arbeit sieht und trifft.

Besuchen Sie auch privat Fußballspiele?
Eigentlich nicht. Wenn ich nicht selbst arbeite, bin ich lieber daheim und schau' mir die Spiele im Fernsehen an.

Haben sie eine Lieblingsmannschaft?
Zur Zeit natürlich den FC Barcelona - no na….

Interessieren sich Ihre Töchter auch für Sport?
Sie sind 10, 6 und 4 Jahre alt und noch kann man keine Tendenz zu einer bestimmten Sportart erkennen. Ich bin da auch ziemlich entspannt, meine Töchter müssen bei Gott keine Sportlerinnen werden.

Wer einen Journalistenberuf ausübt, hat nicht immer viel Freizeit. Wie verbringen Sie die Zeit, wenn Sie einmal nicht arbeiten?
Nichts Spektakuläres. Ich versuche so gut es geht, Familie, Freunde, Hobbies, Sport etc. unter einen Hut zu bringen. Gelingt manchmal besser, manchmal schlechter…

Welche Ziele haben Sie sich noch gesteckt?
Schau ma mal, was noch so alles kommt….

Gibt es irgendetwas was Sie noch unbedingt einmal machen oder sehen möchten?
Ich würde gerne nochmals mit der österreichischen Nationalmannschaft zu einer WM-Endrunde fahren. Und das Golf-US-Masters in Augusta sowie die British Open wären auch noch ein Highlight!

(kurier / Andre Wilding) Erstellt am
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