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21.09.2014

"Ohne sie wäre ich verloren"

Ex-Burgdirektor Matthias Hartmann und Ehefrau Alexandra Liedtke im privaten Interview

Sechs Monate nach seiner Entlassung als Burgtheater-Direktor geben Matthias Hartmann (51) und seine Ehefrau, Regisseurin Alexandra Liedtke (35), im KURIER-Interview private Einblicke in ihr neues Leben nach dem Skandal.

Sie leben nun in Salzburg. Wieso haben Sie Wien verlassen?
Alexandra Liedtke
: Ich beginne hier in drei Wochen für "Kabale und Liebe" zu proben und wir wollen als Familie zusammen sein.
Matthias Hartmann: Ich kann ohne meine Frau nicht leben, konnte ich noch nie und jetzt noch weniger. Es gibt aber ein zweites Motiv: Ich darf beratend für Servus TV ein Theaterformat entwickeln. Eine schöne Chance, in einen anderen Kosmos hineinzuschnuppern. Man ist ja sonst als Künstler sehr autistisch in seiner eigenen Welt unterwegs.

Nach dem Motto: Geht eine Tür zu, gehen andere auf?
Hartmann:
Ja, auch kleinere, bei denen man sich erstmals bückt, weil man denkt, dahinter sei die Welt auch klein, dabei ist sie das gar nicht. Sie ist sehr groß. Neben Servus TV arbeite ich auch an zwei Opern – zunächst für Genf, dann für Pereira in Mailand.

Fällt das "Bücken" schwer?
Hartmann: Sagen wir so: Ich könnte mir nicht vorstellen, überlebt zu haben, wäre meine Frau nicht da gewesen, denn dieser Schock kam so unverhohlen. Hinter dieser schönen und zarten Frau steckt eine starke, kräftige, die Familie haltende Frau, auf die das Klischee der Zerbrechlichen zum Glück überhaupt nicht zutrifft.
Liedtke: Das ist umgekehrt genauso. Wenn ich dem Klischee über dich glauben müsste, wärst du nicht seit 15 Jahren mein Mann und der Vater meiner drei Kinder.
Hartmann: Welches Klischee herrscht denn über mich?
Liedtke: Du bist groß, laut, autoritär. Außer "groß" trifft das nicht zu.
Hartmann: Zu Hause bin ich nicht der Machtmacker, als der ich oft dargestellt werde.

Aber irgendwoher muss dieses Klischee doch kommen.
Hartmann: Mit einem Klischee im Kopf sieht man die Wirklichkeit nur noch so.

Macht es die Beziehung schwierig, wenn man Berufliches nicht von Privatem trennt?
Hartmann:
Nein, die gemeinsame Sicht der Dinge gehört dazu. Wir sind eine Theaterfamilie. Meine Frau macht die Dinge völlig anders als ich, ist ein analytischer Mensch, der viel Verständnis für die Macken der anderen hat. Außer für meine. (lacht) Es ist so toll, wie sie Dinge einordnet und versteht – auch jetzt in den juristischen Auseinandersetzungen. Ohne meine Frau wäre ich völlig verloren.

Viele wären wohl dazu geneigt, sich lieber herauszuhalten.
Liedtke: Nein, denn das ist ja unser gemeinsames Leben, das in den letzten Monaten kein normales mehr ist. Wenn einem Freund, erst recht einem Partner, so eine Ungerechtigkeit widerfährt, lässt man ihn nicht im Stich. Wir haben viele Freunde.

Wie erklärt man Kindern so eine plötzliche, durchaus existenzbedrohliche Situation?
Hartmann: Von Existenzbedrohlichkeit darf man Kindern nicht erzählen. Vater und Mutter müssen verlässliche Konstante bleiben. Dass sie eine Krise mitkriegen, wenn das Konterfei des Vaters auf jeder Zeitung zu sehen ist, ist klar.

Wie kann man sich Matthias Hartmann als Vater vorstellen?
Liedtke:
Toll. Vor allem im letzten halben Jahr. Er war auch früher immer da, wenn er gebraucht wurde. Aber es gab Momente, da stellte ich fest, dass er die Kinder tagelang nicht gesehen hatte. Das hat sich nun geändert.
Hartmann: Das sind sehr nette Leute, die ich gerade kennenlerne. Meine eigenen Kinder.

Sind Sie so gesehen dankbar dafür, was passiert ist? Hartmann: Das Wort "dankbar" kommt mir schwer über die Lippen. (lacht) Man muss in allem versuchen, eine Chance zu sehen. Wir beiden gucken das Leben nun neu an und sagen: Was haben wir verpasst? Und was können wir daraus machen?

Hat Ihnen die Entlassung Ihren Mann nähergebracht?
Liedtke: Ich lerne neue Facetten von ihm kennen.
Hartmann: Ich habe in meiner Frau aber keine sanfte Trösterin, sondern eine Frau, die kräftig zupackt und sagt: "Das halten wir durch!" Ich bin einfach hoffnungslos verknallt in meine Frau.

Hat er Ihnen das auch schon vor dem 11. März gesagt?
Liedtke:
Wir haben uns davor selten unter vier Augen gesehen. (lacht) Aber doch: das hat er auch vorher gesagt.

Abschließend: Haben Sie es je bereut, Künstler zu sein?
Hartmann: Kein Mensch wünscht sich, Künstler zu sein. Ich wollte es nicht, meine Eltern wollten es und ich konnte es nicht verhindern. So gesehen ist mein ganzes Leben ein Scheitern auf dem Weg, es zu verhindern. Ich wollte immer normal sein – Zahnarzt zum Beispiel.

Warum wurden Sie nicht Arzt?
Hartmann: Weil das nicht geht. Du kannst dich nicht entscheiden, Künstler zu sein oder nicht. Künstler zu sein ist gleichzeitig gottgegeben und eine lebenslange Krankheit. Ich kenne keinen Künstler, der nicht leidet.