Twittern während der ZIB2: Armin Wolf

© Deutsch Gerhard

Aller Anfang ist schwer
10/14/2013

Mein erster Tweet

Von Alaba bis Wolf: Österreichische Promis und ihre ersten Gehversuche auf Twitter.

von Nicole Kolisch

Stimmt schon: Es gibt lyrische Ergüsse auf Twitter, raffinierte Bonmots oder gar politische Manifeste, die im strengen Korsett einer 140-Zeichen-Vorgabe ihre Strahlkraft entfalten. Es gibt lästige Selbstpromotion, unproportional aufgeregte Shitstorms und "siaßlate" Bussi-Bussi-Tweets. Geht man jedoch zu den Anfängen zurück, so findet sich in erster Linie eines: Verwirrung.

"Twitter hat keinen Sinn, außer man findet ihn selbst heraus" konstatierte der österreichische Blogger Robert Lender bereits 2007. Daran hat sich kaum etwas geändert. Auch große Twitter-Namen wagen sich daher zunächst recht tappsig in die Arena des Kurznachrichten-Dienstes. Erste Promi-Tweets fallen in eine von zwei Kategorien: "Was tu ich hier eigentlich?" oder "Lasst mich rasch mein/e neue/s Buch/CD/Sendung bewerben!" (Ausnahmen sind rar und umso entzückender.)

Als Repräsentat der Verwirrung sei hier Radiomoderator Martin Blumenau zitiert:

“Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne”

Blumenau ist nicht allein. Sie halten David Alaba mit seinen 243.000 Followern für den erfolgreichsten Twitterer des Landes? Glauben Sie uns: Das war nicht immer so. Wir haben die ersten Tweetversuche österreichischer Prominenz für Sie gesammelt:

Übrigens: Auch der erste Tweet der Verfasserin war kein Anwärter auf den Bachmann-Preis. März 2009: "ich konzipiere jetzt mal die schokotorte."

Nächste Woche lesen Sie in Teil 2 die Twitter-Anfänge internationaler Prominenz: Von Barack Obama bis Lady Gaga, von Papst Franziskus bis Justin Bieber.

Was ist Twitter?

Twitter war eigentlich nur ein "Plan B". Das kalifornische Start-up Odeo kam mit seinem Podcast-Dienst nicht weiter, und einer der Mitarbeiter schlug als Randprojekt die Idee vor, SMS an mehrere Leute gleichzeitig verschicken zu können. Der Mann hieß Jack Dorsey und seine erste Nachricht vom 21. März 2006 ("just setting up my twttr" - ich richte mein twttr ein) legte den Grundstein für eine Plattform, die heute wie kaum eine andere den Plus der Welt spüren lässt.

Die Länge der Twitter-Nachrichten ist auf 140 Zeichen begrenzt, es können aber auch Links zu Bildern, Videos oder Websites angehängt werden. Die Nutzer können Tweets anderer Mitglieder abonnieren, und damit den Nachrichtenstrom in ihrer "Timeline" selbst gestalten. Bei den Unruhen im Nahen Osten oder den Bombenanschlägen in Boston war Twitter eine schnelle, wenn auch nicht immer verlässliche Informationsquelle.

Twitter hat rund 215 Millionen aktive Nutzer im Monat. Etwa 100 Millionen Menschen greifen täglich auf den Dienst zu. Die populärsten Twitterer sind Musiker: So folgen den Tweets von Justin Bieber rund 45,4 Millionen Nutzer. Katy Perry kommt auf über 44,1 Millionen "Follower" und Lady Gaga auf rund 40,2 Millionen. (APA)

Wer und was steckt hinter Twitter?

Wie groß ist Twitter wirklich?

Twitter hat nach eigenen Angaben im Schnitt mehr als 200 Millionen regelmäßige Nutzer, die pro Tag über 400 Millionen Kurznachrichten - genannt "Tweets" - schicken. Private Investoren beziffern den Wert der Firma mit 2.000 Beschäftigten auf mehr als 10 Mrd. Dollar (7,36 Mrd. Euro). Manche Schätzungen gehen sogar bis zu 15 Milliarden. Das Unternehmen schwimmt bereits jetzt in Bargeld, da es schon in den vergangenen Jahren mehr als eine Milliarde Dollar von Beteiligungsfirmen sowie wohlhabenden Privatinvestoren eingesammelt hat - etwa von dem russischen Milliardär Yuri Milner sowie dem saudiarabischen Prinzen Alwalid bin Talal.

Wie schnell wächst Twitter?

Die Firma hat seit dem allerersten Tweet im März 2006 von Gründer Jack Dorsey einen rasanten Aufstieg hingelegt. Dorsey hatte Anfangs noch nicht einmal einen Geschäftsplan - aber schon 2014 dürfte Twitter den Experten von eMarketer zufolge eine Milliarde Dollar mit Werbung einnehmen. Twitter ist in mehr als 20 Sprachen aktiv und hat bereits viele Firmen zur Verbesserung seiner Technologie übernommen - zuletzt für 350 Mio. Dollar den Spezialisten für Werbung auf mobilen Geräten, MoPub, im September.

Ist Twitter profitabel?

Im ersten Halbjahr schrieb der Dienst einen Verlust von 69,3 Mio. Dollar bei einem Umsatz von 253,6 Mio. Dollar. Im vergangenen Jahr hatten sich die Einnahmen von Twitter binnen Jahresfrist auf 316,9 Mio. Dollar verdreifacht.

Ein Großteil seines Wachstums stammt Analysten zufolge vom Boom mobiler Nutzung über Smartphones und Tablets, wo das Unternehmen laut eMarketer schon in diesem Jahr mehr als die Hälfte seiner Werbeeinnahmen verbuchen dürfte. Mehr als vier Fünftel der Reklameerlöse verbucht Twitter in den USA.

Wir global ist Twitter wirklich?

Nicht nur die Werbeeinnahmen konzentrieren sich bis jetzt auf die USA, sondern auch die Nutzer: Mehr als 140 Millionen sind US-Amerikaner, wie eine Studie 2012 ergab, die insgesamt mehr als 500 Millionen Nutzerprofile auswertete. Gleichzeitig zeigte sich jedoch, dass Twitter längst in Ländern wie Brasilien schneller zulegt als in den USA - und dass die indonesische Hauptstadt Jakarta gemessen an der Zahl der Tweets die Twitter-Welthauptstadt war. Der Konzern verfolgt derzeit eine aggressive Wachstumsstrategie außerhalb der USA. In China ist Twitter jedoch verboten - das Pendant des Landes, Sina Weibo, hat rund 500 registrierte Nutzer.

Wer hat bei Twitter das sagen?

Twitter wurde von den Entwicklern Jack Dorsey, Noah Glass und Biz Stone gemeinsam mit dem Unternehmer Evan Williams gegründet, der auch der erste CEO war. Auf ihn folgte 2010 Dick Costolo, der jüngst seinen 50. Geburtstag feierte und der das Werbegeschäft massiv vorantrieb. Im Führungsgremium sind Dorsey und Williams vertreten sowie Peter Fenton vom Investor Benchmark Capital und der ehemalige Manager des Medienkonzerns News Corp, Peter Chernin, der den Videodienst Hulu mit auf den Weg brachte.

Wer sind bislang die großen Investoren?

Große Anteile liegen nach wie vor in den Händen der Gründer Williams und Dorsey. Williams hält derzeit zwölf Prozent, sein Kollege Dorsey knapp fünf Prozent. Knapp sieben Prozent gehören dem Finanzinvestor Benchmark. Den größten Brocken hält Kreisen zufolge allerdings der New Yorker Investor Rizvi Traverse Management. Die Firma hat sich demnach einen Anteil von etwa 15 Prozent gesichert und dafür etwa eine Milliarde Dollar ausgegeben. Gründer Suhail Rizvi trat bisher vor allem als Hollywood-Investor auf. So kaufte er das produzierende Filmstudio der "Twilight"-Vampirreihe und half Hugh Hefner beim Rückkauf seiner Playboy Enterprises. (APA)

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