Interview mit Nadja Swarovski am 20.07.2013. Die Fotos sind HONORARFREI, da die Nutzungsrechte abgegolten wurden.

© WALTER SCHWEINöSTER KURIER/Walter Schweinöster

Glitzer-Lady
07/28/2013

Swarovski: „Zu schön, zu reich, zu intelligent? Das bin ich nicht“

Das Interview über Hollywood, Luxus, Fiona und KHG.

von Ida Metzger

Nadja Swarovski (43) ist die einzige Frau in der Chefetage des Tiroler Unternehmens. Sie lebt in London. Für die Jedermann-Premiere reiste sie nach Salzburg.

KURIER: Frau Swarovski, der Swarovski Konzern sponsert zum ersten Mal den Jedermann bei den Salzburger Festspielen. Wie gefällt Ihnen die neue Inszenierung?

Nadja Swarovski: Ich habe den Jedermann das letzte Mal gesehen, da ich war ich 12 Jahre alt. Die Inszenierung finde ich unglaublich imposant. Der Jedermann erinnert mich an Jesus Christus, der für die Sünden der Menschen gepeitscht wird. Er hält uns vor Augen, dass wir nicht abheben und nicht gierig sein sollen.

Und wie schafft man es, als Swarovski-Erbin am Boden der Realität zu bleiben?

Die Bodenständigkeit erlaubt dem Menschen, seine eigenen Schätze zu schätzen. Aber man muss sich selber verdammt gut kennen, um nicht abzuheben. Aber ich habe meinen Glauben, ich habe meine Eltern als Vorbild, ich wurde streng erzogen, und ich lebe nach meinen Werten.

Welche Werte sind das?

Ehre, Treue und Integrität sind mir wichtig. Aber ich denke, auch Glück kann man bewusst wählen. Ich denke immer positiv, und so ergibt sich eine Spirale, die mich nach oben zieht.

Sie sind für die Designer-Kollektion „Atelier Swarovski“ verantwortlich. Kann man in der Welt der Reichen und Schönen auch Freunde finden?

Wissen Sie, ich wurde von klein auf durch meine Herkunft gerne in Schubladen gesteckt. Mal war ich die reiche Swarovski, dann wieder Frau, dann Amerikanerin (Nadja Swarovskis Mutter ist Texanerin) oder Österreicherin. Wenn man ständig mit diesem Schubladendenken konfrontiert ist, entwickelt man eine Sensibilität, um Menschen schnell zu durchschauen. Ich höre sehr auf meinen Instinkt. Und ich schaue auf das, was man nicht am ersten Blick sieht. Erst vor Kurzem ist ein guter Freund von mir an Hautkrebs gestorben. Innerhalb von drei Wochen. Das lehrt einen, jeden Tag zu schätzen und die Wertschätzung seinen besten Freunden auch zu zeigen.

Sie leben in der Film- und Modewelt. Wo fühlen Sie sich wohler?

Diese beiden Welten sind total anders. Ich bin froh, dass ich nicht nur in der Modewelt bin – dann wäre ich bestimmt ein Fashion-Victim (lacht). Die unterschiedlichen Welten eröffnen mir auch viele Perspektiven. Die Kunst, Design, Architektur, Mode – alle haben eigene Dynamiken. Für mich ist es jedes Mal ein Reality Check, hier durch die Welten zu schweben. Denn Architekten sind andere Menschen als Modedesigner. Sie produzieren 50 Tonnen schwere Gebäude anstatt 5 Gramm schwere Ringe. Ich schaue, mit welchen Designern wir den Kristall immer neu erfinden können.

Red Bull ist die Nummer 1 beim Sponsoring von Extremsport. Will Swarovski dieses Standing auch in der Kulturwelt erreichen?

Dort sind wir noch nicht. Aber wir wollen uns in diese Richtung entwickeln. Deswegen haben wir die Sparte Swarovski Entertainment gegründet. Am 15. Oktober kommt der erste Hollywood-Film in die Kinos, den Swarovski als einer von drei Produzenten produziert hat. Das Budget für die „Romeo und Julia“-Adaption betrug nur 15 Millionen Euro. Das ist für Hollywood-Niveau Low Budget. Wir konnten uns nicht einmal die Studios leisten, also wurde alles an den Originalschauplätzen in Verona und Mantua gedreht. Aber am Ende des Tages war das viel besser als in den Studios.

Wie viel Einfluss haben Sie auf das Drehbuch?

Jeder Produzent hat das Recht, Änderungen zu machen. Natürlich war es mir am Anfang etwas peinlich, einem Oscar-Gewinner für das beste Drehbuch meine Änderungswünsche zu geben. Aber es kommt auch immer auf das Wie an. Ich habe da auf mein Bauchgefühl gehört.

Was sind für Sie die drei Fashion-Must-Haves?

Wirkliche Must-Haves sind für mich Schuhe von Manolo Blahnik, ein Alexander-McQueen-Anzug und ein Hut von Philip Treacy. Mit diesen drei Designern fühlt man sich fantastisch. Der Hut ist fast wie eine Krone. Alexander McQueen verleiht jeder Frau Stärke, aber ist gleichzeitig auch sehr feminin. Und Blahnik ist für mich der Picasso unter den Schuhdesignern. So rechtfertige ich meine Schuhkäufe: „Mit Blahnik-Schuhen investiere ich in meine Kunstsammlung.“ (lacht)

Tragen Sie auch echten Schmuck?

Da halte ich es wie Coco Chanel. Ich mixe alles, und dann müssen die Menschen raten, was ist echt und was Swarovski. Die Pointe von Chanel war das Design. Da ist es vollkommen egal, ob es ein Diamant oder ein Kristall ist. Aber manchmal nervt es, wenn ich bei einem Diamanten gefragt werde: „Oh, ist das ein neues Swarovski-Schmuckstück?“ Dann antworte ich: „Made in Africa, not in Austria.“ (lacht).

Sie haben es als erste Frau in der Familie bis in die Chefetage geschafft. Wie schwer war es, sich in diesem männerdominierten Unternehmen durchzusetzen?

(lacht) Ich habe gearbeitet, gearbeitet und gearbeitet. Und plötzlich war ich da und man konnte an mir nicht mehr vorbei. Aber Tatsache ist, 88 Prozent unser Kunden sind Frauen. Und ich habe eine starke Assoziation zur Kunst, zu Design und Mode – das steckt in den weiblichen Genen. Deswegen ist mir die Arbeit leicht gefallen.

Sie sind dreifache Mutter. Wie schaut Ihr Alltag mit Kind und Karriere aus?

Meine Kinder kennen nichts anderes. Ich habe keine Babypause gemacht – oder genauer gesagt, dank des Handys habe ich sogar noch im Spital gearbeitet. Aber unsere Projekte sind wie Krimis – ich muss einfach wissen, wie es weitergeht. Doch ohne mein Team, meiner Nanny und meiner Haushälterin würde ich es nicht schaffen.

Sprechen Ihre Kinder Deutsch, obwohl sie in London leben?

Sie haben eine Deutschlehrerin und bekommen ein Mal pro Woche Unterricht. Ich selbst spreche mit meinen Kindern kaum Deutsch, weil es mein Mann nicht versteht. Und ich möchte ihm nicht das Gefühl geben, dass er von der Familie ausgeschlossen wird. Aber mit dem Tiroler Cousin gibt es keine Verständigungsprobleme.

Stört es Sie, dass durch Ihre Cousine Fiona Swarovski in den Schlagzeilen ist?

Nein, jeder ist eine eigenständige Person und soll machen, was er will. Sie ist immer sehr bemüht und will sich im Design etablieren. Wenn Sie eine fantastische Idee hat, dann ist es ein guter Beitrag für das Unternehmen.

Fühlen Sie sich auch ungerecht behandelt, weil Sie zu schön, zu intelligent und zu reich sind?

Ich bin nichts von allem. Ich denke, man kann nie zu schön, zu reich und zu intelligent sein.

Karl-Heinz Grasser meinte das schon in einer TV-Show ...

Oh, das hat er gesagt. Das wusste ich nicht. Aber ich lebe in London, und da gibt es andere Headlines. Und die Sache ist immer nur so groß, wie viel Energie man hineinsteckt. Und wir stecken unsere Energie in die Arbeit.

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